Lisa Foerst
05.08.2016
Interview mit Frank Schätzing
Fahrstuhl zum Mond

Mit dem Bestseller „Der Schwarm“ gelang Frank Schätzing 2004 der große Durchbruch. Fünf Jahre später eroberte er mit „Limit“ den Mond. Blogautorin Lisa Först spricht mit Schätzing über die Faszination Weltall, außergewöhnliche Fahrstühle und die von Audi unterstützte Mission to the Moon.

Interview mit Frank Schätzing

In seinem Science-Fiction-Thriller „Limit“ rückt der Kölner Autor den Mond in den Fokus.

Herr Schätzing, warum brauchen wir Projekte wie die Mission to the Moon?

Weil Weltraumforschung für den Menschen wichtig ist, auch zur Lösung der Probleme auf der Erde. Alles was dazu beiträgt, die Weltraumforschung voranzutreiben, liegt im Interesse der Menschheit. Also auch die gemeinsame Mission von Audi mit den Part-Time Scientists und Google.

Aber ist es denn gerechtfertigt, bei den vielen Problemen auf der Erde Milliarden für die Raumfahrt auszugeben, ohne zu wissen, was dabei herauskommt?

Hätte man bei allen Pionierleistungen immer erst die Frage gestellt, was dabei herauskommt, säßen wir heute noch auf Bäumen. Die größten Erfindungen werden nicht gemacht, weil man sich vornimmt, sie zu machen, sondern weil Visionäre versuchen, Grenzen zu sprengen. Die Weltraumforschung kann uns beispielsweise immens dabei helfen, unsere Umweltprobleme zu analysieren. Ohne laufend verbesserte Satelliten könnten wir die Klimaveränderungen oder das Abschmelzen der Polkappen niemals so exakt prognostizieren, wie dies heute möglich ist. Ein weiteres irdisches Problem ist die Überbevölkerung. Die Erde ist eng, sie wird immer mehr ausgeplündert und irgendwann leer sein. Auch dafür brauchen wir die Weltraumforschung, weil wir langfristig auf die Ressourcen und Lebensräume anderer Planeten angewiesen sein werden.

Im Rahmen der niederländischen Reality-TV-Show Mars One, sollen schon 2027 Menschen auf den Mars fliegen, um dort zu siedeln – ohne Option auf Rückkehr. Was halten Sie davon?

Dazu sagt der Kölner: „Dat muss jeder selvs wisse.“ Ich würde auf eine Rückfahrkarte bestehen. Andere wären bereit, auf dem Mars zu sterben. Warum nicht? Da sie niemandem schaden, außer im Zweifel sich selbst, sollten wir ihren Einsatz begrüßen. Sie sind Pioniere. Die Forschung würde aus dem Experiment große Erkenntnis gewinnen. Das Ganze kommerziell zu begleiten, damit es finanzierbar wird, halte ich für legitim. Solange Wissenschaft faktisch seriös bleibt, ist es wünschenswert, wenn sie zugleich viele Menschen fasziniert.

Audi lunar quattro

Mit der Optimierung des Audi lunar quattro unterstützen Ingolstädter Ingenieure die Part-Time Scientists bei ihrer Mondmission. Gemeinsam tragen sie dazu bei, die Weltraumforschung voranzutreiben.

Auch die Part-Time Scientists sind Pioniere. Welche Parallelen gibt es zwischen Ihnen und den Part-Time Scientists?

Wir sind alle chronisch neugierig und getrieben vom Glauben, dass es schon irgendwie gehen wird (lacht).

Die Part-Time Scientists planen sozusagen nebenbei eine Mondmission, Sie haben neben Ihrem Hauptjob als Werber einen Bestseller geschrieben. Wie schafft man so etwas?

Für solche Vorhaben braucht man ein hohes Maß an Begeisterungsfähigkeit. Bei meinen Recherchen zu Der Schwarm habe ich festgestellt, dass die fähigsten Wissenschaftler im Herzen fast alle Romantiker sind. Einerseits bewegen sie sich in den Grenzen des aktuell Machbaren. Andererseits können viele von ihnen mit leuchtenden Augen Science-Fiction-Filme wie Star Trek komplett herunterbeten.

Wie ist das bei Ihnen: Star Trek oder Star Wars?

Beides. Aber am besten gefällt mir nach wie vor Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum. Was er da gezeigt hat, ist heute noch visionär. Könnte ich zu einer Raumstation reisen, wäre es die aus 2001.

Welche Vision aus Ihrem Roman Limit werden wir in den kommenden Jahren erleben?

Ich möchte mich nicht auf eine Jahreszahl festnageln lassen, aber ich bin der festen Überzeugung, dass wir die Ressourcen unseres Sonnensystems noch in diesem Jahrhundert nutzen werden. Und natürlich ist der Mond uns am nächsten. Wir wissen heute, dass dort einiges von Interesse lagert: Helium-3 ist ein vielversprechender Energieträger. Aber es gibt auch Erze, Gase und Eisvorkommen, aus denen man Treibstoff gewinnen kann. Der Mond ist vor allem ein Außenposten für die weitere Erforschung und Nutzung unseres Sonnensystems.

Interview mit Frank Schätzing

Frank Schätzing ist überzeugt: Ein Fahrstuhl zum Mond wäre viel effizienter als herkömmliche Raumfahrt.

Wird der Mond also die Tankstelle auf dem Highway zum Mars?

Das halte ich für realistisch. Niemand will ernsthaft auf dem Mond wohnen. Aber man kann den dort gewonnenen Treibstoff in Weltraumtankstellen zwischenlagern. Raumschiffe, die von der Erde starten, müssten dann nur noch den Sprit mit sich führen, den sie brauchen, um die Erdschwerkraft zu überwinden. Im All tanken sie auf. Alleine das könnte Langzeitmissionen beträchtlich verbilligen.

Oder gleich ein Weltraumfahrstuhl, wie in Ihrem Buch?

Langfristig kommen wir nicht darum herum, weil Raumfahrt mit herkömmlichen Mitteln einfach zu ineffizient ist. Wir müssen einen Weg in den geostationären Orbit finden, wo die Erdschwerkraft nicht so an einem zerrt. In der Schwerelosigkeit könnten wir problemlos riesige Raumschiffe für interstellare Missionen bauen. Das Material ließe sich per Weltraumfahrstuhl kostengünstig hochschaffen.

Ist dieser Fahrstuhl überhaupt machbar oder reines Wunschdenken?

Physikalisch ist er machbar. Es ist allerdings wirklich eine extreme Aufgabe, das Ding zu bauen. Das Seil, an dem die Fahrstuhlkabine hochklettert, muss aus einem absolut reißfesten Material sein, dreißigmal stärker als Kevlar. Man experimentiert mit sogenannten Kohlenstoff-Nanoröhrchen und hat bislang immerhin einen 100 Meter langen Faden gewoben. Ein ermutigender Anfang, man braucht ja nur noch weitere 36.000 Kilometer (lacht). Egal. Entscheidend ist, dass es prinzipiell funktioniert.

„Die größten Erfindungen werden nicht gemacht, weil man sich vornimmt, sie zu machen, sondern weil Visionäre versuchen, Grenzen zu sprengen.“ Frank Schätzing, Beststeller Autor

 

Ich weiß, dass Sie Flugangst haben. Würden Sie sich denn in einen Weltraumaufzug wagen?

Schätzing: Klar. Ich habe eher ein Problem mit Flugzeugen, weil die schräg starten. Da denke ich immer, da kippt gleich das Heck weg. In Fahrstühle steige ich täglich ohne Bedenken. Senkrecht hochgeschossen werden ist mir einfach sympathischer. Physikalisch natürlich völliger Blödsinn, was ich da rede.

Zurück zur Erde. In einer Zukunftsreportage aus dem Jahr 2007 beschreiben Sie pilotierte Autos als Vision für 2057. Sie werden aber sehr viel schneller Realität, Audi ist schon ziemlich weit. Werden Sie eins kaufen?

In zehn Jahren steige ich da gern ein. Dann ist wahrscheinlich pilotiertes Fahren sicherer, als wenn man sich selbst ans Steuer setzt.

Was würden Sie mit der gewonnen Zeit machen?

Lesen, am Laptop arbeiten, die Gitarre mitnehmen und Songs schreiben, quatschen, Spaß haben – mir fallen tausend Sachen ein.

Jetzt steht für Audi erstmal der Mond auf dem Plan. Wäre ein Erfolg der Part-Time Scientists ein kollektiver Triumph für Deutschland und das deutsche Ingenieurswesen?

Da der Google Lunar XPRIZE ein internationales Projekt ist, wäre eine Landung auf dem Mond erst einmal ein kollektiver Triumph für die Menschheit. Dann kommt natürlich die Frage: Wer hat daran konkret mitgewirkt? Und schon wäre es ein Triumph für Audi als Automobilkonzern, der über den Tellerrand hinausblickt.


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