Lisa Feldmann
17.08.2016
Digitalisierung in der Automobilbranche
Das Auto der Zukunft wird intelligent

Die Digitalisierung krempelt die Automobilbranche stark um. Was das für Unternehmen wie Audi bedeutet, wie wandelbar das Auto der Zukunft wird und was dann den Erfolg sichert, diskutieren Audi Datenstrategin Anne Maier und Jens Lehmann vom Fraunhofer-Institut.

Digitalisierung bei Audi

Daten und Vernetzung werden die Automobilbranche der Zukunft komplett verändern.

 

Wie schlau ist mein Auto? Diese Frage kann sich jeder Autofahrer stellen, seitdem Big Data und künstliche Intelligenz in der Autoindustrie mitspielen. Auf dem Weg zur Digital Car Company arbeitet Audi an zahlreichen Ideen, die unser Leben einfacher und das Autofahren sicherer machen. Jens Lehmann, Lead Scientist am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS, und Anne Maier, bei Audi zuständig für die Datenstrategie und Analytik, diskutieren darüber, wie wandelbar das Auto der Zukunft wird. Vom Auto als Büro bis hin zur Wetterstation sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Sensoren in Objekten und Maschinen können heute in Echtzeit riesige Datenmengen erzeugen. Sie sprechen von einer Datenrevolution. Was kann ich mir darunter vorstellen?

Jens Lehmann: Eine Basis der Datenrevolution besteht darin, dass wir immer mehr und komplexere Daten kostengünstig erfassen und für die Analytik verfügbar machen können. Dies führt dazu, dass wir Entscheidungsprozesse und Services im Unternehmen verändern und automatisieren können.

 

 

Welchen Einfluss hat die Datenrevolution auf die Automobilindustrie?

Anne Maier: Die Automobilindustrie wird auf den Kopf gestellt. Wir brauchen neben dem reinen Autobau ein zweites Standbein: neue digitale Angebote. Das digitale Geschäft aber ist sehr viel kleinteiliger mit vielen verschiedenen Abnehmern und Anwendungsfeldern. Wenn wir ein Auto verkaufen, verkaufen wir es exakt ein Mal zum selben Zeitpunkt. Wenn wir von Daten sprechen, dann können sie zeitgleich mehrfach genutzt werden. Das ist eine andere Herausforderung, aber auch unsere Chance.

Jens Lehmann: Mittelfristig gesehen wird die „Software“ im Automobil gegenüber der „Hardware“ wichtiger. Die Unternehmen, die fit in der Datenanalyse sind, werden deutliche Wettbewerbsvorteile haben.

Digitalisierung bei Audi

Selbstparkende Autos sparen dem Fahrer Zeit und der Stadt Platz.

 

An welchen neuen Lösungen, Services oder Geschäftsmodelle denken Sie bereits?

Anne Maier: Eines der wichtigsten Schlagworte im Vertrieb und für Audi insgesamt ist myAudi – unser Zugang zur digitalen Audi Welt, die alle Apps und digitalen Services miteinander vernetzt. Kunden finden auf der Plattform verschiedene Audi connect Angebote, detaillierte Informationen zum Fahrzeug oder Service-Funktionen wie Wartungsinformationen und das Bordbuch online. Und unsere Kollegen arbeiten mit Hochdruck daran, dieses Angebot auszuweiten.

Jens Lehmann: Falls autonomes Fahren zur Norm wird, dann verfügt der Fahrer über mehr Zeit. Er kann das Auto als Büro nutzen oder seine freie Zeit mit vielfältigen Kommunikations- und Entertainment-Angeboten verbringen. Das Auto wird zu einer Art rollendem Smartphone. Das Erfolgsrezept wird es letztlich sein, die richtigen Kooperationen einzugehen.

 

Digitalisierung bei Audi

Der Audi RS7 als Wetterstation? In der Vision von Lehmann könnten Sensoren Niederschlagsraten messen und eine hochrpäzise Wetterlandkarte erstellen.

 

Welche Kooperationen gibt es heute schon – und welche sind vorstellbar?

Anne Maier: Gerade in Bezug auf das pilotierten Fahren hat Audi vor Kurzem einen sehr wichtigen Partner gefunden. Zusammen mit Daimler und BMW haben wir den Kartenanbieter HERE übernommen, um so eine gemeinsame Datenplattform aufzubauen. Diese verknüpft hochauflösende Karten mit ortsbezogenen Echtzeitinformationen aus der realen Verkehrsgeschehen – eine Grundvoraussetzung für das pilotiertes Fahren und für weitere Geschäftsmodelle.

Jens Lehmann: Eine Vision ist zum Beispiel das Auto als Wetterstation. Es gibt Sensoren, die die Niederschlagsrate messen, um die Scheibenwischer automatisch zu regulieren. Die dadurch generierten Daten könnten dazu beitragen, eine deutschlandweit hochpräzise Wetterlandkarte zu erstellen. Das könnte auch in fremden Branchen eingesetzt werden, wie in der Landwirtschaft.

Kann der Kunde Audi denn noch vertrauen, wenn auf seine Daten zugegriffen werden kann?

Anne Maier: Wir haben über hundert Jahre lang für die physische Unversehrtheit unserer Kunden gearbeitet und gelebt. Dasselbe werden wir aus unserem Markenverständnis heraus auch jetzt tun. Transparenz gegenüber dem Kunden ist für uns einer der wichtigsten Punkte.

Dieses Interview entstand im Rahmen der Audi-internen Vortragsreihe „Perspektive Verantwortung“, die sich verstärkt um den Austausch und die Vernetzung von Audi-Mitarbeitern mit Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft kümmert. Dabei geht es vor allem um den Blick über den Tellerrand, darum, die gewohnten Ansichten bewusst zu hinterfragen und die Meinung Externer zu diskutieren.


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