23.09.2016
Produktionschef von Audi México im Interview
Letzter Besuch bei Audi México vor der Eröffnung

In einer Woche eröffnet Audi sein neues Werk in Mexiko, die Geburtsstätte des neuen Audi Q5. Genau der richtige Zeitpunkt für Blog-Autorin Claudia Rülke, nochmal einen Blick ins Werk zu werfen und mit dem Chef der Produktion, Klaus-Peter Körner, über den Endspurt zu sprechen.

Produktionschef von Audi México im Interview

Klaus-Peter Körner, der Geschäftsführer für den Bereich Produktion und Logistik bei Audi México.

 

In einer Stunde beginnt mein Gespräch mit Klaus-Peter Körner, dem Geschäftsführer für den Bereich Produktion und Logistik bei Audi México. Zeit genug also, noch einmal einen Blick hinter die Tore der Montagehalle zu werfen.

Kabelstränge, große Windschutzscheiben, wuchtige Motoren und Autotüren: Die Teile für den neuen Audi Q5 stehen ordentlich sortiert neben der Montagelinie bereit. Draußen vor der Halle gießen die Gärtner gerade den saftig grün leuchtenden Rasen. An allen Ecken und Enden wird für die große Eröffnung gearbeitet.

Als ich die Spine, das Bürogebäude, betrete, sehe ich das auch hier: Maler geben den Wänden den letzten Anstrich. Die Atmosphäre gleicht nicht mehr der auf einer Baustelle, sondern der in einem Werk, das nur noch auf den offiziellen Startschuss wartet.

Das bestätigt Körner mir auch gleich bei der Begrüßung: „Am 30. September wird unser Werk nach drei Jahren Bauzeit in jeder Hinsicht fertig sein.“ Grund genug, dem Produktionschef ein paar Fragen zu stellen.

Herr Körner, mit dem Audi-Werk in San José Chiapa geht nicht nur ein neuer Standort, sondern auch gleich ein neues Modell an den Start. Vor welche besonderen Herausforderungen hat Sie das gestellt?

Audi México haben wir als vollständig neues Werk konzipiert: Damit meine ich nicht nur die Gebäude, sondern auch die neuen Anlagen, die neuen Lieferanten und das neu eingestellte Personal für ein neues Produkt. Wir mussten uns mit dem neuen Auto vertraut machen, die Mitarbeiter ausbilden und die Lieferanten schulen – und das alles parallel zu den Bauarbeiten für die Gebäude und Anlagen. Es waren herausfordernde Monate, aber wir haben sie gemeistert und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

 

Von 2004 bis 2008 waren Sie Produktionsvorstand bei Lamborghini. Haben Ihnen die Erfahrungen aus der Zeit bei der italienischen Audi-Tochter beim Aufbau in Mexiko geholfen?

Ja und Nein. Ein Anlauf ist immer eine Herausforderung, bei jedem neuen Modell. Diese Erfahrungen habe ich auch in den fünf Jahren als Produktionsvorstand bei Lamborghini gemacht. Hier in Mexiko hatten wir aber eine besondere Situation: Ein neues Werk in einem Land, das 9.000 Kilometer von der Firmenzentrale in Ingolstadt entfernt ist. Hinzu kommen die neue Mannschaft, neue Lieferanten und die anfangs fehlende Infrastruktur, um nur ein paar Punkte zu nennen. Die mit einem Greenfield-Projekt verbundenen Erfahrungen habe ich hier in San José Chiapa zum ersten Mal gemacht.

Ihr Zwischenfazit?

Wenn ich heute durch das Werk gehe und die 4.000 Mitarbeiter zu unseren kostenlosen Bussen gehen sehe, die auf den nagelneuen Straßen nach Puebla fahren, bin ich wirklich stolz, was wir hier in drei Jahren aus dem Boden gestampft haben.

Als neustes Werk im Konzern: Wie viel Smart Factory steckt in der Produktion?

Im Werk in Mexiko steckt mehr Smart Factory als in allen anderen Audi-Werken. Hier konnten wir von Anfang an die neuesten Technologien einsetzen. Das ist ein großer Vorteil und macht unser Werk sehr effizient und energiesparend: Das gilt von der ersten Bearbeitung der Platinen bis hin zum Waschen des Audi Q5 nach dem Finish.

Ein Beispiel: In der Lackiererei haben wir eine neue Technologie eingeführt, den sogenannten Eco-Dry-Scrubber. Dieser revolutioniert das Lackieren, das bisher einen hohen Wasserverbrauch hatte. Der Eco-Dry-Scrubber kommt völlig ohne Wasser aus.

Produktionschef von Audi México im Interview

Audi wird ab 2016 den Audi Q5 am Standort in San José Chiapa in Mexiko produzieren. Auf der 460 Hektar großen Fläche entsteht die modernste Produktionsstätte der Audi Welt. Sie ist mit 2.400 Metern der höchst gelegene Standort im Audi-Produktionsverbund.

 

Außerdem ist im Werk alles miteinander vernetzt, bestes Beispiel ist der P-Leitstand. Hier werden Material- und Produktionsfluss, Produktionssysteme, Anlagen und die IT-Infrastruktur durch innovatives online Monitoring live von einer Stelle überwacht und gesteuert. Kollegen aus Logistik, Planung, IT und den Produktionsbereichen erkennen Probleme so frühzeitig, lösen sie oder beugen ihnen vor. Er macht es sogar möglich, dass Ingolstadt die Fernsteuerung über die gesamte Produktion übernehmen kann.

Was sind Ihre persönlichen Wünsche für die Zukunft des mexikanischen Standorts?

Für Audi México wünsche ich mir, dass die Familie weiter wächst und weiterhin erfolgreich bleibt. Wichtig ist mir, dass wir durch den Aufbau des Unternehmens Wachstum, Wohlstand und Bildung in die Region bringen.

Sehen Sie wie das Audi Werk in Mexiko entstanden ist:


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