Kathrin Lettner
21.10.2016
Audi TT Cup
Erstes Profirennen für YouTuber Shmee150

Jetzt wird es ernst: Das erste Mal im Rennauto mit eigener Startnummer und einer Box im Fahrerlager. YouTuber Shmee150 startete sein erstes Rennen im Audi Sport TT Cup. Was es heißt, als Laie bei einem Profirennen teilzunehmen, hat Blog-Autorin Kathrin Lettner beim Saisonfinale am Hockenheimring erlebt.

Tim Burton alias Shmee150 hochkonzentriert vor dem Rennen.

Kurz vor dem Rennen steigt der Puls bei Tim Burton alias Shmee150.

 

Freitagnachmittag. Im Audi-Fahrerlager wimmelt es von Mechanikern, Ingenieuren und Betreuern. Es ist das Saisonfinale am Hockenheimring und das erste dreißigminütige Training für den Audi Sport TT Cup steht kurz bevor. Als Gaststarter darf sich dieses Wochenende unter anderem der YouTuber Shmee150, bürgerlich Tim Burton, das erste Mal bei einem echten Rennen versuchen. „Wenn ich sonst auf der Rennstrecke fahre, dann bin ich alleine und kann fahren wie ich will. Jetzt bin ich auf der Strecke mit angehenden Profirennfahrern und das macht mir schon etwas Druck“, sagt Tim.

Der Rennwagen steht schon bereit. In großen, weißen Zahlen prangt seine Startnummer 97 auf der Windschutzscheibe. Die Mechaniker schleichen um den Rennboliden und treffen die letzten Vorbereitungen. Noch fünf Minuten. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Helm auf, Handschuhe an und Motor starten. In der Kolonne mit 20 anderen Rennfahrern geht es Richtung Rennstrecke.

Das Training geht los

Auch ich mache mich auf den Weg zur Boxenmauer, um einen guten Blick auf Tims erste Runden zu bekommen. Das Heulen der Motoren wird immer lauter. Nach wenigen Sekunden preschen die ersten Rennwagen an mir vorbei.

Der Rennneuling hält Anschluss zu den Profifahrern.

Der Rennneuling brettert über den Hockenheimring und hält Anschluss zu den Profifahrern.

 

Gespannt verfolge ich die Rundenzeiten auf dem Bildschirm. Tim kann mit den erfahrenen Rennfahrern Anschluss halten und verbessert sich so von Runde zu Runde. Nach der Hälfte der Zeit fährt Tim in die Box. Sein Mentor Sepp Haider gibt ihm Tipps für die richtigen Bremspunkte in den Kurven während ein Mechaniker die Reifen auf die richtige Temperatur überprüft. Nach wenigen Sekunden schicken sie Tim wieder auf die Rennstrecke. Alles läuft nach Plan.

Der Schlussspurt endet im Schotter

Doch dann in der letzten Runde beherzigt Tim die Tipps seines Mentors nicht wirklich. Er knallt mit seinem Wagen über die Curbs und dreht einige Pirouetten auf dem Schotter. Schockmoment. Doch schnell kommt die Entwarnung: Tim ist unverletzt und das Auto weitestgehend unbeschädigt. Nur die Bremsscheibe hat etwas abbekommen und muss gewechselt werden. „Ich hatte eigentlich ein super Gefühl. Doch dann hab ich schon gemerkt, dass ich immer schneller werde und in der Kurve wurde ich dann etwas übermütig“, sagt Tim nach dem Training. Der Tag verging wie im Flug. Und nun heißt es warten auf das Qualifying am nächsten Tag.

Der Hockenheimring lässt Tims Puls steigen.

Die Tribünen am Hockenheimring füllen sich und Tim bereitet sich auf das Rennen vor.

 

Samstagmorgen, 08:00 Uhr – jetzt steht das Qualifying an. Der Herbst zeigt bereits sein Gesicht und lässt nicht nur mich frieren, auch das restliche Audi-Team vergräbt die Nase noch tief in die Jacke. Tim hingegen ist vor Aufregung und hohem Puls von der Kälte abgelenkt. Schließlich geht es jetzt gleich um alles. „Im Qualifying will ich meine Rundenzeiten noch verbessern und versuchen, keine große Lücke zum Feld aufkommen zu lassen.“

Der YouTuber landet nur knapp hinter der Profi-Konkurrenz

Gesagt, getan. Nachdem sich alle auf den Weg zur Rennstrecke gemacht haben, warte ich gespannt, bis die Ampeln ausgehen und die ersten gemessenen Runden auf den Bildschirmen zu sehen sind. 30 Minuten hat Tim Zeit, um aus seiner Rennmaschine alles herauszuholen. Und es gelingt ihm. Tim verbessert sich von 02:27:16 auf 02:04:34 und landet schließlich vor seinem Gaststartrivalen Jimi Blue Ochsenknecht auf dem vorletzten Platz. „Zuerst war ich sehr aufgeregt und habe ein paar Runden gebraucht, bis ich mich im Feld gut einfügen konnte. Doch ich habe dann ein richtig gutes Gefühl gehabt und bin wirklich zufrieden“, sagt Tim.

Shmee150 freut sich auf sein erstes richtiges Rennen.

Shmee150 freut sich auf den Wettbewerb.

 

Mittlerweile hat sich die Sonne durch die Wolken gekämpft und lässt die wehenden Fahnen der Besucher auf den Tribünen kräftig strahlen. Für Tim und mich heißt es jetzt abwarten. Um 16:10 Uhr beginnt sein erstes richtiges Rennen. Bis dahin gibt er Interviews, schreibt fleißig Autogramme und lässt sich noch letzte Tipps von den Profifahrern geben. Dann ist es endlich soweit. Das Warten hat ein Ende. In wenigen Minuten darf Tim endlich sein erstes Rennen bestreiten. Die letzten Vorbereitungen können getroffen werden: Wieder heißt es Helm auf, Handschuhe an und Motor starten.

Audi TT Cup sorgt für Rennatmosphäre auf dem Hockenheimring

Tim reiht sich in der Startaufstellung auf dem vorletzten Platz ein. Die Motoren wummern im Standgas. Die Fans schwenken ihre Fahnen und fiebern dem Startschuss entgegen. Dann gehen die Ampeln aus und die Autos starten durch.

Die ersten Kurven sind geschafft. Alle Fahrer haben einen guten Start hingelegt. Tim versucht an den schnellen Rennwagen dran zu bleiben und kann sich so von Runde zu Runde verbessern. Doch da in den vorderen Reihen natürlich Titelkampf angesagt ist, legen diese einen Zahn zu. Am Ende kommt Tim zwar ohne Crash, aber auf dem letzten Platz im Ziel an. Und dennoch ist er voller Stolz als er aus dem Auto steigt und den Helm abnimmt: „Für mein erstes Rennen bin ich mehr als zufrieden! Mein Wunsch war es, das Rennen ohne Unfall zu beenden. Und jetzt habe ich sogar noch eine sehr gute Rundenzeit abgelegt.“

Die Wetterlage stellt Tims Nerven auf die Probe

Sonntagmorgen. Zweites Rennen. Nach seinem ersten Erfolg hat Tim heute die Chance, seine Zeit noch einmal zu unterbieten und sein Können ein weiteres Mal unter Beweis zu stellen. Doch das Wetter meint es nicht gut mit ihm und hat einen dicken Nebelschleier über die Strecke gelegt. Der Rennstart wird von 09:10 Uhr auf 17:30 Uhr verlegt. Für Tim eine echte Nervenprobe.

Das lange Warten hat ein Ende und Tim bereitet sich auf das letzte Rennen vor.

Das lange Warten hat ein Ende und Tim bereitet sich auf das letzte Rennen vor.

 

Nach langer Warterei aber dafür mit strahlend blauem Himmel geht es in das zweite Rennen. „Jetzt bin ich nicht mehr ganz so aufgeregt wie bei meinem ersten Rennen am Samstag. Ich freue mich einfach mitmachen zu dürfen und will Spaß haben“, sagt Tim. Am Ende hat er neben Spaß auch noch einen Platz gut gemacht und beendet sein zweites Rennen auf Platz 16 mit einer Zeit von 1:54.421 – vier Sekunden hinter dem Gewinner Joonas Lappalainen, der den Fahrertitel 2016 auch für sich entscheiden konnte. „Mir ging es hier nicht ums Gewinnen, sondern um die Erfahrung bei einem professionellen Rennen dabei zu sein. Ich bin überglücklich, es geschafft zu haben und habe definitiv Blut geleckt. Wann ist mein nächstes Rennen?“, fragt er lachend und zwinkert mir zu. Also wenn es nach mir ginge, gleich morgen.

Erstes Profirennen für YouTuber Shmee150

Tim hängt seinen Rennanzug nicht in den Spint – wir dürfen gespannt sein auf eine Fortsetzung.


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