Benedikt Still
16.11.2016
Ducati Produktion
Die Geburt einer Ducati

Auf vier Produktionslinien und mit viel Handarbeit entstehen am Ducati Stammsitz in Borgo Panigale, einem kleinen Stadtteil im Westen von Bologna, die unverwechselbaren Motorräder der italienischen Audi Tochter. Blog-Autor Benedikt Still hat den Mitarbeitern in der Produktion über die Schulter geschaut.

Ducati Produktion

Andrea Colombi montiert den Kabelbaum, der später unter dem Tank verschwindet.

 

Obwohl es früh am Morgen ist, kommt Andrea Colombi mit einem Lächeln aus dem Umkleideraum: „Ich arbeite hier bei Ducati einfach gerne.“ Bekleidet mit rotem Ducati T-Shirt, roter Hose und schwarzen Sicherheitsschuhen begibt sich der 39-jährige Produktionsmitarbeiter auf den Weg zu seinem Arbeitsplatz an der XDiavel-Montagelinie. Das neueste Modell von Ducati wird auf einer gemeinsamen Linie mit der Monster und Diavel gefertigt. Zu Spitzenzeiten montieren Colombi und seine Kollegen in der Ducati Produktion rund 70 Motorräder des Cruiser-Modells XDiavel an einem Tag.

Ducati Produktion: zehn Stationen in zwei Stunden

Fast zwei Stunden dauert die Endmontage am Band. Andrea ist ein sogenannter Springer und hilft überall dort, wo es gerade einen Zeitverzug oder Probleme gibt. Dafür muss der 1,65 Meter große Mechaniker alle Handgriffe der insgesamt zehn Montagestationen kennen. „Ich bin sehr stolz auf meine Aufgabe, weil man als Springer sehr viel Erfahrung und Wissen braucht. Dafür zu sorgen, dass alles reibungslos und in der vorgegeben Zeit abläuft, ist für mich ein großer Ansporn.“

Ducati Produktion

Auf einem gelben Transportschlitten wird die Ducati XDiavel von Andrea Colombi und seinen Kollegen montiert.

 

Ducati fertigt nur auf Kundenbestellung – hinter jedem Motorrad, das vom Band läuft, steht daher schon ein Ducatista, der sehnsüchtig auf sein neues Bike wartet. „Es ist eine Ehre für uns alle, dass wir die Motorräder bauen, von denen unzählige Ducati-Fans dieser Welt träumen“, sagt Andrea und lässt seine Hände in die grauen Arbeitshandschuhe gleiten.

Manufakturcharakter im Motorenbau

Im Ducati Stammwerk in Borgo Panigale erfolgt nicht nur die Endmontage der Motorräder. Auf vier verschiedenen Montagelinien entstehen dort auch alle Motoren der Marke. Speziell qualifizierte Facharbeiter setzen die von Zulieferern stammenden Komponenten in Handarbeit zu jenem so einzigartig klingenden Herzstück einer Ducati zusammen. Das dauert beim 156 PS starken Zweizylinder der XDiavel, dem Ducati Testastretta DVT 1262, rund anderthalb Stunden. Das Augenmerk liegt dabei auf penibler Qualität: Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit.

Im Motorenbau herrscht daher Manufakturcharakter statt typischer Bandarbeit, denn es gibt keine sekundengenau getakteten Arbeitsschritte. Es gilt die „One Man, One Engine“-Philosophie: Ein Mitarbeiter ist von Anfang bis Ende für seinen Motor verantwortlich und übergibt diesen dann persönlich an die Kollegen am Prüfstand für einen Testlauf. Der funktioniert ohne Kraftstoff: Ein Elektromotor treibt die Kurbelwelle an. Eine Vielzahl von Sensoren und Prüfgeräten messen, ob die beweglichen Teile fehlerfrei arbeiten und alle Parameter im grünen Bereich sind. Hat das Aggregat den Test ohne Beanstandung geschafft, steht die „Hochzeit“ – die Zusammenkunft von Motor und Chassis – kurz bevor.

Bei der Hochzeit kommt Andrea, der Springer der XDiavel-Linie, wieder ins Spiel. Mit einem Kran bugsiert er den Motor auf einen Schlitten vor dem Band. Nachdem die Antriebseinheit auf dem gelben Transportschlitten befestigt ist, montiert er Rahmen, Federgabel, Lenker und die Abgasanlage. In dieser Phase wird dann auch deutlich, welch eine wichtige Rolle der Motor hat: nämlich eine wortwörtlich tragende. Der Gitterrohrrahmen und damit letztendlich der gesamte Aufbau sind daran befestigt.

Nun schieben zwei Kollegen der Ducati Produktion die Konstruktion aus Transportschlitten, halbfertigem Motorrad und angeschlossenem Werkzeugwagen auf das Band. Mit einem deutlich hörbaren Klacken rastet die Arretierung ein und der Schlitten bewegt sich auf einer Schiene ganz langsam vorwärts. Als Andrea gerade den großen Kabelbaum aus einem Regal hebt, stoppt das Band: Mittagspause. „Die Verkabelung mache ich noch fertig. Geht ruhig schon mal vor“, ruft er seinen Kollegen zu.

Faszination der Marke Ducati steigt

Die Betriebskantine ist nur wenige Meter entfernt im Nachbargebäude untergebracht. Die italienische Mittagssonne brennt unerbittlich auf die Ende der 1960er-Jahre erbauten Produktionsstätten. Obwohl es in den Hallen keine Klimaanlagen gibt, ist es dort noch recht kühl. An der Decke drehen unzählige Ventilatoren unermüdlich ihre Runden. Wie stark das Unternehmen dank großer Erfolge in den vergangenen Jahren gewachsen ist, lassen die Platzverhältnisse im Werk erahnen. Neben dem Absatz, der jährlich neue Rekorde erreicht – im vergangenen Jahr liefen im Stammwerk 44.000 Motorräder vom Band – sind auch das Interesse und die Faszination um die Marke Ducati stetig gestiegen.

Ducati Produktion

Die letzte Station in der Produktion: der Prüfstand. Jedes Motorrad durchläuft ein intensives Testprogramm, bevor es das Werk verlässt.

 

Viele Besuchergruppen strömen heute durch die Fabrik, um die Produktion in den „heiligen Hallen“ zu besichtigen. Für Andrea Colombi ist das kein Problem. „Ich lasse mich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Die Besucher zahlen sogar Geld, um uns arbeiten zu sehen“, sagt er lachend und übergibt die nun fertige Ducati XDiavel seinem Kollegen zum finalen Qualitätscheck auf dem Rollenprüfstand.

Wie Ducati-Mitarbeiter die rund 1300 Einzelteile zur XDiavel verbauen, sehen Sie hier:

 


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