Lisa Foerst
18.11.2016
Das Audi Tanktechnikum
Die Audi Tanks im Härtetest

Kälteschocks, Bergtouren und Erprobungsfahrten – im Audi Tanktechnikum werden alle Tanks unter Extrembedingungen geprüft, bevor sie in Serie gehen. Welche Härtetests sie bestehen müssen und warum die Ingenieure hier verschmutzten Kraftstoff tanken, hat Blog-Autorin Lisa Först vor Ort erfahren.

Tanktechnikum

In der Klimakammer testest Fabian Adler den Tank außerhalb des Autos.

 

Einmal volltanken, rauf auf den Alpenpass und zum Schluss eine ordentliche Abkühlung! – Was klingt wie das perfekte Tagesprogramm für den nächsten Sommerausflug, gehört für Thomas Schäfer und sein Team im Tanktechnikum zur täglichen Arbeit. „Vor kurzem ist die Produktion des neuen Audi Q5 gestartet. Mit der Konstruktion der Tanks haben wir aber schon vor drei Jahren begonnen“, erklärt Schäfer. Da die Tanks etwa in den USA und China andere Vorschriften erfüllen müssen als in Deutschland, werden für jedes Audi-Modell bis zu zehn verschiedene Tankvarianten entwickelt.

Tanktechnikum

„Mit der Konstruktion eines neuen Tanks starten wir etwa drei Jahre vor Produktionsbeginn“, erklärt Thomas Schäfer, Leiter der Entwicklung von Kraftstoffanlagen bei Audi.

 

Gut 150 Tests muss so ein neuer Tank während der Entwicklungsphase bestehen, bevor er in einem Audi zum Einsatz kommt. So stellen die Audi Ingenieure sicher, dass er optimal zu den Fahrzeug- und Motoreigenschaften des Modells passt. Und natürlich, dass er alle Anforderungen von Crashsicherheit über Akustikvorgaben bis hin zu Umweltstandards erfüllt. Dafür werden die Tanks mehrmals auf die Straße geschickt. Bei Erprobungsfahrten in besonders heißen Regionen testen die Audi Ingenieure zum Beispiel, wie sich die Tanks bei dauerhafter Hitze, extrem schnellen Spurwechseln oder Gefahrenbremsung verhalten. „Für solche Tests mieten wir Rennstrecken an, um den öffentlichen Verkehr nicht zu gefährden“, sagt Schäfer.

Tanktechnikum

Bevor es zur Probefahrt ins Heiß- oder Kaltland geht, muss der Messaufbau im Auto stimmen.

 

Doch nicht immer muss das Team rund um Thomas Schäfer für Tests in die Ferne fahren. Seit 2015 gibt es in Ingolstadt das neue Tanktechnikum: Dort können dank modernster Prüfstände inzwischen immer mehr Extremsituationen zeit- und kostensparend simuliert werden.

Extremtest-Simulation im „schwarzen Hamburger“

Dafür setzt Tankentwickler Fabian Adler den Tank als erstes in den Hexa-Drive ein: Einen Prüfstand mit dreieinhalb Metern Durchmesser auf sechs beweglichen Zylindern, der anspruchsvolle Streckenprofile wie eine Bergfahrt simulieren kann. „Weil der Hexa-Drive aussieht wie ein überdimensionaler Burger auf sechs Beinen, heißt er bei uns auch ‚schwarzer Hamburger‘“, sagt Adler und lacht, während er die Kraftstoffschläuche am Tank im Prüfstand befestigt. „Genauso wie unsere Karosserien werden auch die Tanks auf alle Härtefälle getestet. Auf Bergen zum Beispiel ist der Luftdruck viel geringer, deshalb sind Bergfahrten in Kombination mit speziellem Prüfkraftstoff für den Tank worst-case-Szenarien.“

Um zu simulieren, wie sich der Tank bei einer Fahrt auf der Großglockner-Hochalpenstraße in gut 2500 Meter Höhe verhalten würde, musste Adler die Passstraße zunächst selbst abfahren und dabei Navigations- und Beschleunigungsdaten sammeln. Prüfstandsbetreuer Ralf Schnugg gibt die gesammelten Daten dann in die Steuerung des Hexa-Drive ein. Ein Wärmetauscher und zwei Lüfter stellen diese Temperatur und den Luftdruck dann im Innern des Hexa-Drive her, während die sechs Zylinder den „Hamburger“ so bewegen, als würde er gerade die Passstraße hinauffahren. Alternativ kann Schnugg die Fahrt des Hexa-Drive auch per Pedal und Lenkrad steuern. „Das ist wie Computerspielen – nur komplizierter“, sagt Schnugg und schmunzelt. Während der Fahrt kontrolliert er permanent alle Daten und wertet aus, ob beispielsweise die Entlüftung des Tanks nachgebessert werden muss.

Kältetests mit Winterdiesel

Dann geht es zur Abkühlung in die Klimakammer. Hier müssen die Dieseltanks mehr als 14 Stunden unter minus 20 Grad Celsius aushalten. „Wir testen hier das Kraftstoff-Förderverhalten im Auto – ohne Auto“, sagt Adler und zeigt auf ein Gestell, in das der Tank eingesetzt ist. Dafür wird er genau in der Position montiert, die er im Auto hätte. Über ein Steuergerät wird dann die elektrische Kraftstoffpumpe im Tank angesteuert, um die Fahrt mit realem Kraftstoffverbrauch zu simulieren.

Tanktechnikum

Was viele Autofahrer nicht wissen: Normaler Sommerdiesel wird bei Minusgraden dickflüssig wie Honig. Deshalb gibt es an der Tankstelle auch Übergangs- und Winterdiesel.

 

„Was viele Autofahrer nicht wissen: Je nach Jahreszeit tanken sie an der Zapfsäule Sommer-, Übergangs- oder Winterdiesel“, erklärt Adler. „Denn normaler Diesel wird bei Minusgraden durch die darin enthaltenen Paraffine dickflüssig wie Honig.“ Damit er auch bei Minusgraden flüssig bleibt, sind dem Winterdiesel Additive beigefügt. Wird der Kraftstoff im Kältetest trotz Winterdiesel nicht optimal gefördert, kann das zum Beispiel an der Maschenweite des Feinfilters liegen: „Dann wissen wir, dass wir am Fördersystem etwas ändern müssen.“

Schmutzkraftstoff und Erdgas von der eigenen Tankstelle

Und auch für die Kraftstoffe selbst gibt es ein „worst-case-Szenario“, denn Benzin ist nicht gleich Benzin. Deshalb gibt es hier eine eigene kleine Tankstelle, an der man neben normalem Benzin und Diesel auch gezielt verschmutzen Prüfkraftstoff tanken kann, wie man ihn in China oder Brasilien bekommt.

„Diesem Benzin sind eine genau festgelegte Menge an Chemikalien und Prüfschmutz, also Schmutzkörner mit gewissen Durchmessern, beigemischt. Auch damit müssen unsere Tanks arbeiten können, schließlich garantieren wir allen Audi-Kunden weltweit gleiche Premiumqualität“, sagt Adler und kontrolliert, ob die Zapfpistole beim Tanken auch nicht wackelt und kein Kraftstoff aus dem Tank spritzt. Hier kann man auch Erdgas tanken.

Tanktechnikum

Wie dieser Benzin Satteltank für einen Audi A4 mit quattro-Antrieb bestehen fast alle Tanks aus Kunststoff. Eine Ausnahme ist der Audi R8: Er ist mit einem zweiteiligen Stahltank ausgerüstet.

 

Denn im Tanktechnikum werden auch die Tanks für den neuen Audi A5 g-tron aufgebaut, befüllt und entleert. „Entscheidend ist, dass die Gastanks hermetisch abgeriegelt sind“, sagt Schäfer. Um sicherzustellen, dass an keiner Stelle Gas entweicht, werden die Tanks hier mit einem sogenannten Schnüffelgerät „abgeschnüffelt“. Außerhalb des Audi Werks müssen sie dann extreme Härtetests bestehen. Dabei werden die Gastanks mit Gewehren beschossen oder in Brand gesetzt. Hier sind strenge gesetzliche Anforderungen zu erfüllen.

Ziel aller Tests, die Schäfer und sein Team täglich durchführen ist, dass der Kunde von ihrem Produkt nichts bemerkt. „Wenn unser Kunde vom Tank nichts sieht, riecht, spürt oder hört, dann haben wir alles richtig gemacht“, sagt Schäfer. Ein Premiumtank ist für den Kunden nicht wahrnehmbar.

—————————————

Verbrauchsangaben Audi Q5: Verbrauchsangaben Audi Q5: Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,1 – 4,9; CO2-Emission kombiniert in g/km: 162 – 129; Verbrauchsangaben Audi A5 Sportback g-tron: Das Fahrzeug wird noch nicht zum Kauf angeboten. Es besitzt noch keine Gesamtbetriebserlaubnis und unterliegt daher nicht der Richtlinie 1999/94/EG// www.audi.de/DAT-Hinweis


3 Antworten auf Die Audi Tanks im Härtetest

  1. dottore70 19.11.2016 um 08:07 #

    Würde mich wundern, wenn Fabian Adler die Strecke auf den 3798m hohen Großglockner wirklich mit einem Audi abgefahren hätte. Vermutlich meint der Autor die Großglockner Passstraße, aber da kommt man nur auf 2.571m hoch. Der Großglockner bleibt, Gottseidank, den Bergsteigern vorbehalten.

    • Stephanie Huber 23.11.2016 um 11:47 #

      Lieber Audi Blog-Leser! Danke Ihnen fürs aufmerksame Lesen – Sie haben natürlich absolut Recht: Unsere Ingenieure sind die Passstraße gefahren sind.

      Herzliche Grüße aus der Social Media-Redaktion

  2. dottore70 26.11.2016 um 09:03 #

    Was mich wundert ist, wieso Herr Adler sich nicht den Pikes Peak in Colorado, USA als Reverenzstrecke ausgesucht hat, da
    1. hier die Straße tatsächlich bis auf 4.301 m hoch geht,
    2. hier schon Walter Röhrl mit seinem Quattro flott hoch fuhr und
    3. es eine super Begründung für ne Dienstreise in die Rockies wäre.

Schreibe einen Kommentar

Benötigte Felder sind markiert. *

Nach dem Absenden Ihres Kommentars wird dieser durch die Redaktion überprüft und freigegeben.

Wenn Sie zum ersten Mal im Blog kommentieren, müssen Sie einmalig Ihre Identität bestätigen. Dazu erhalten Sie eine E-Mail mit einem personalisierten Link, den Sie für die Verifizierung Ihrer Angaben bitte aufrufen. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.