Timo Pape
17.02.2017
Motorsport
Formel E: Rennsport der Zukunft

Mit dem Bekenntnis zur Formel E beschreitet Audi einen neuen Pfad – den des elektrischen Motorsports. Blogautor Timo Pape erklärt, was die neue Rennserie ausmacht, warum sie ausschließlich in pulsierenden Stadtzentren stattfindet und wie sie die gesamte Elektromobilität pushen wird.

Voltschmiede: Audi bei der Formel E

Audi begibt sich mit der Formel E als erster deutscher Automobilhersteller auf völlig neues Terrain.

 

Futuristisches Pfeifen statt dröhnender Verbrennungsmotoren – für traditionelle Motorsportfans ist die Formel E zunächst einmal ungewohnt. Doch wie die Automobilbranche insgesamt verändert sich auch dieser Bereich grundlegend. Schließlich dienen Rennserien seit jeher als Testfeld für die Serienentwicklung, daran ändert sich auch in Zeiten des Elektroautos nichts. In die rein elektrische Motorsportklasse einzusteigen, ist für Audi deshalb eine konsequente und logische Entscheidung mit Blick in die Zukunft.

Für mehr Effizienz: Audi setzt eine komplett neue Software ein

Bereits seit dem ersten Rennen der Formel E im Jahr 2014 begleitet Audi das deutsche ABT-Team und unterstützte das Projekt zunächst punktuell. Seit Beginn der dritten  Saison im Oktober 2016 zieren die Vier Ringe auch die Boliden des Rennstalls. Die Premiummarke hat ihr Engagement bei ABT Schaeffler Audi Sport stark intensiviert und unterstützt das Team technisch wie finanziell. „Wir steigen jetzt deutlich tiefer in die Funktionsentwicklung und -applikation ein. Gleichzeitig unterstützen wir ABT zum Beispiel bei der Rennvorbereitung“, erklärt Thomas Laudenbach, Entwicklungschef für Elektrik-, Elektronik- und Energiesysteme bei Audi Sport.

 

Zusammen mit Schaeffler als Entwicklungspartner schauen sich die Ingenieure alles an, was sie laut Reglement am Formel-E-Auto selbst entwickeln dürfen. Dazu zählen derzeit der Elektromotor samt Kühlung, das Getriebe, die Leistungselektronik sowie die Steuerung. „Sie hat mittlerweile einen sehr großen Einfluss. Wir werden ein eigenes Steuergerät und eine komplett eigene Software verwenden“, verrät Laudenbach. „Zusammen mit unseren Partnern legen wir den Fokus in den kommenden Monaten auf die Entwicklung der Bauteile für Saison vier.“

Das übergeordnete Ziel dabei ist klar: „In der Formel E dreht sich alles um die Effizienz. Deshalb lautet unsere Hauptfrage aktuell: Was ist das richtige Konzept, mit dem wir so wenig Energie wie möglich aufwenden?“

Formel E ist die perfekte Plattform für den Technologietransfer auf Serien-Elektroautos

Ein entscheidendes Argument für den werkseitigen Einstieg in die Formel E ist ihre Relevanz für die Serienproduktion. Kostenintensive Entwicklungsbereiche wie Aerodynamik bleiben laut Regelwerk auch in den kommenden Jahren unangetastet. Jedes Team nutzt das gleiche Chassis. So lenkt die Formel E den Entwicklungsfokus auf jene Bereiche, die für die Elektrifizierung der Straßenautos wichtig sind.

Der Ansatz geht auf: „Die Formel E ist für den Technologie-Link zur Automobilbranche prädestiniert“, sagt Laudenbach. „Diese Serie erlaubt uns, intensiv an einem Thema zu arbeiten, das relevant für den Straßenverkehr ist. Natürlich verwenden Rennwagen und Straßenautos keine identischen Bauteile. Aber die grundsätzlichen Lösungsansätze in Effizienz- oder Gestaltungsfragen tauschen wir intensiv mit den Kollegen der Serien-Antriebsentwicklung aus.“

Voltschmiede: Audi bei der Formel E

Bislang wird das Auto in der Formel E zur Rennmitte gewechselt. Ab 2018 ändert sich das: Die Batterie wird das ganze Rennen durchhalten.

 

Ab der Saison 2020/21 will die Formel E nach aktuellem Stand auch die Batterieentwicklung an die eingeschriebenen Hersteller übergeben. Bis einschließlich 2019 werden noch alle Teams mit einer Einheitsbatterie beliefert, um die Entwicklungskosten auf Seiten der Teams im Rahmen zu halten. „Die Batterie ist ein Kernbauteil eines Elektroautos, deshalb werden die Hersteller auch hier ihre Kompetenz beweisen wollen“, sagt Laudenbach. „Unser Ansatz bei Audi ist, alles zusammen mit unseren Partnern zu entwickeln, was vom Reglement her freigegeben ist. Wir haben schon die Batterie des Audi R18 e-tron quattro für die WEC selbst entwickelt, das wollen wir irgendwann auch in der Formel E.“

So spricht die Formel E neue Zielgruppen an

Im Gegensatz zu anderen Rennserien sucht sich die Formel E ausschließlich urbane Austragungsorte. Traditionelle Rennstrecken, die oftmals weit weg von großen Metropolen liegen, sind für die Elektroserie keine Option. Stattdessen veranstaltet sie alle Rennen mitten im pulsierenden Stadtzentrum. Die Formel E promotet die Elektromobilität somit genau dort, wo sie in Zukunft eine Rolle spielen wird.

Die Rennveranstaltungen finden auf temporären Straßenkursen an einem einzigen Tag statt. Training, Qualifying und Rennen innerhalb von neun Stunden sorgen für ein straffes Unterhaltungsprogramm. Darüber hinaus lockt die Formel E mit bezahlbaren Eintrittspreisen sowie kompakten Events, die neben dem Rennsport etwa Konzerte, Technikausstellungen und Simulatorfahrten umfassen – und das in schillernden Metropolen wie Hongkong, Paris, Berlin oder New York.

 

 

Mit diesem Konzept zielt die Formel E auf die Erschließung völlig neuer Besuchergruppen. Sie spricht nicht nur eingefleischte Motorsportfans an, sondern auch Familien und junge Menschen in ihrem urbanen Umfeld, die womöglich zum ersten Mal mit Rennsport in Berührung kommen. Dabei verfolgt die Elektroserie einen besonders digitalen und interaktiven Ansatz. Fans können per App oder über Social Media für ihren Lieblingsfahrer abstimmen, um ihm einen realen Zusatzboost im Rennen zu verschaffen.

„Die Formel E ist kein klassischer Motorsport, bei dem man sich nicht unterhalten kann.“
Thomas Laudenbach

Der sogenannte FanBoost wird seit jeher kontrovers diskutiert, kommt allerdings gerade bei den jungen Zuschauern sehr gut an. „Wir müssen auch neue Generationen ansprechen und analysieren, was die jungen Leute gut finden, und wo ihre Bedürfnisse liegen“, erkennt Laudenbach. „Die Formel E ist eben kein klassischer Motorsport, bei dem man sich nicht unterhalten kann. Trotzdem sind die Rennen sehr interessant.“

 

Voltschmiede: Audi bei der Formel E

Die Formel E findet auf engen Straßen in den schillerndsten Metropolen statt – das lockt Besucher an und ermöglicht, neue Bauteile gezielt für den alltäglichen Straßenverkehr zu entwickeln.

 

Für Action auf der Strecke sorgen viele unterschiedliche Faktoren. Durch das extrem hohe Drehmoment des Elektromotors beschleunigen die Rennwagen in 2,9 Sekunden von null auf 100 km/h. Dank des geringen Anpressdrucks rutschen sie förmlich um die engen Straßenkurse, was die Fahrer vor eine echte Herausforderung stellt. Mutige Überholmanöver und enge Passagen, die Fahrfehler sofort bestrafen, sorgen für hochklassigen Rennsport.

Nachdem Audi den Werkseinstieg in die Formel E im September ankündigte, folgten wenig später auch BMW und Mercedes, die aller Voraussicht nach 2018 mit eigenen Rennställen antreten. Das wachsende Interesse großer Hersteller verdeutlicht das enorme Potenzial der Elektroserie und ihre Relevanz für die gesamte Automobilbranche.

Neben den deutschen Herstellern engagieren sich in der noch jungen Meisterschaft unter anderem Jaguar, Renault und Citroën mit seiner Submarke DS sowie die Elektroauto-Startups Faraday Future und NextEV. Der Trend geht ganz klar in Richtung Elektromobilität – auf der Straße wie auch auf der Rennstrecke.


Kein Kommentar bisher.

Schreibe einen Kommentar

Benötigte Felder sind markiert. *

Nach dem Absenden Ihres Kommentars wird dieser durch die Redaktion überprüft und freigegeben.

Wenn Sie zum ersten Mal im Blog kommentieren, müssen Sie einmalig Ihre Identität bestätigen. Dazu erhalten Sie eine E-Mail mit einem personalisierten Link, den Sie für die Verifizierung Ihrer Angaben bitte aufrufen. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.