Maximilian Kranl
13.03.2017
Audi DTM
Winteraufbruch: Die Entstehung des neuen RS 5 DTM

Neues Reglement, neues Auto. Selten war die Entwicklung eines neuen DTM-Rennwagens so spannend wie in diesem Winter. Blog-Autor Maximilian Kranl hat den Aufbau des RS 5 DTM begleitet – von der Computer-Zeichnung in Neuburg bis zum fertigen Showcar in Genf.

Audi RS 5 DTM

Mit dem RS 5 DTM schickt Audi ein neues Auto in die Rennsaison 2017.

 

Es ist ein grauer Dezembertag in Neuburg an der Donau. Das Thermometer zeigt gerade so über null Grad, die Wolken hängen tief. An hochgezüchtete Prototypen, die am Limit um die Strecke jagen, mag man bei dem Wetter nicht denken. Es sei denn, man arbeitet hier in der Motorsport-Abteilung von Audi. Nach der Saison ist vor der Saison, und im Fall der DTM hat diese Motorsport-Weisheit diesmal eine besondere Bedeutung: 2017 gilt nicht nur ein neues Reglement. Audi schickt mit dem RS 5 DTM auch ein neues Auto ins Rennen.

So testet Audi den Rennwagen – zusammen mit der Konkurrenz

Als DTM-Projektleiter verantwortet Stefan Gugger die Entwicklung des neuen Audi. In der Lobby sitzt der 46-jährige Ingenieur entspannt und gut gelaunt in einem schwarzen Ledersessel. Das Brillengestell aus Carbon outet ihn als Techniker – und sein Akzent als Schweizer.

Gugger skizziert die Phasen der Entwicklung: Los geht es schon, bevor die Saison 2016 im April beginnt. Die ersten Runden auf der Strecke finden im November statt – gemeinsam mit der Konkurrenz, weshalb noch mit alter Karosserie gefahren wird. „Da probierst du natürlich, bestimmte Bereiche geheim zu halten“, sagt Gugger. Bis Februar werden dann Teile produziert, auf Prüfständen getestet und Modelle gebaut – erst skaliert, dann eins zu eins. Damit geht es in einen Windkanal in den USA.

Audi RS 5 DTM

Audi hat die Aerodynamik beschnitten: Der RS 5 DTM ist nun schneller auf geraden Streckenabschnitten.

 

Über allem steht das neue Reglement: Der 4-Liter-V8-Saugmotor bekommt einen größeren Restriktor und damit mehr Leistung. „Die 500 PS-Marke zu knacken, wäre schon toll“, schwärmt Gugger. Gleichzeitig wird die Aerodynamik beschnitten, der Abtrieb sinkt. Auf den Geraden werden die Autos also schneller, in den Kurven langsamer.

Aerodynamik wird im Rennsport immer wichtiger

Hankook steuert neue Einheitsreifen bei, die schnellere Rundenzeiten ermöglichen – aber auch früher abbauen. Setup und Aerodynamik werden noch wichtiger. „Darauf stürzen sich alle“, sagt Gugger. Neben der Pace steht die Haltbarkeit im Vordergrund. Faustregel: Wenn man ein Bauteil 9.000 Kilometer getestet habe, könne man 6.000 Kilometer für den Renneinsatz freigeben, erklärt Gugger.

Neuerlicher Besuch bei Audi Sport in Neuburg. Diesmal Mitte Februar. Ein Hauch Frühling liegt in der Luft, die Strecke ist trocken. Das ist gut so, denn heute steht der Rollout des neuen RS 5 DTM an. In der Werkstatt herrscht geschäftiges Treiben, das Radio läuft, zehn Mechaniker werkeln am Auto. Es ist noch abgeklebt, trägt das typische Erlkönig-Muster.

Trotzdem ist auf den ersten Blick klar: Da steckt der neue RS 5 drin – oder vielmehr drauf: Denn nur die Karosserie ist dem Serienauto nachempfunden. Darunter: feinste Prototypentechnik. Gefahren wird heute erstmals mit neuem Motor und neuer Aerodynamik.

 

Audi RS 5 DTM

Er wird den Audi RS 5 DTM um die Rennkurse jagen: René Rast steht vor seiner ersten kompletten DTM-Saison für die Vier Ringe.

 

Auch René Rast ist gerade angekommen. Der 30-Jährige zirkelte bislang den R8 LMS um die Rennkurse dieser Welt. Dieses Jahr bestreitet er seine erste komplette DTM-Saison für Audi. Rast steht in der Werkstatt, schüttelt Hände, sagt überall Hallo. Noch genießt er einen Moment Ruhe, denn die meiste Zeit verbringt er in Autos und Flugzeugen. „Meine Frau sieht mich kaum noch“, scherzt er.

Wie unterscheidet sich der RS 5 DTM von seinem Vorgänger?

Projektleiter Gugger erklärt den Zweck eines Rollouts: „Er dient vor allem, um die Bauteile und Sensoren zu testen. Man will sehen: Funktioniert alles? Klappert auch nichts?“ Gugger hat auch eine Anekdote parat: Als Audi Sport noch keine eigene Strecke hatte, fanden Rollouts im Werk in Ingolstadt statt. Das Auto wurde in die längste Lagerhalle gebracht. Dort musste der Fahrer 100 Meter geradeaus fahren, dann wurde das Auto von vier Mann umgedreht. So ging das hin und her.

Zurück nach Neuburg. Gegen 11 Uhr macht sich Aufbruchsstimmung breit. Per Aufzug wird der Audi in die Garage gebracht. Für einen Moment steht er neben seinem Vorgänger. Die Unterschiede sind sofort erkennbar: neue LED-Scheinwerfer, aggressiverer Grill, flachere Seitenlinie und ein schwungvolleres Heck machen den neuen aus. René Rast nutzt die Gelegenheit, um sich nebenan umzuziehen. Renningenieur Daniel Grunwald ruft in den Raum: „In zwei Minuten können wir abstarten.“

Hurtig wird das Auto mit Laptops verkabelt, riesige Abluftschläuche über die Auspuffrohre gestülpt, Kühlmittel und Servo-Öl eingefüllt. Rast kehrt in voller Rennmontur zurück und klettert unter dem Überrollbügel ins Cockpit. Dann kommt das Kommando: „Starten!“ Das geht mit einem Mausklick. Zweimal rotiert der Anlasser metallisch, dann springt der V8-Rennmotor an. Der erwartete Donnerhall bleibt aus – in Neuburg wird mit dem leisen Auspuff gefahren. Dennoch beeindruckt die Akustik. Die ersten Gasstöße treiben den Motor auf Temperatur und allen Umstehenden ein Lächeln ins Gesicht.

Audi RS 5 DTM

Beim Rollout geht es nicht um Bestzeiten, sondern darum, zu testen, ob alle Bauteile fehlerfrei funktionieren.

 

„Du bist der erste, der unser neues Auto reiten darf“, ruft ein Mechaniker Rast zu. „Was für eine Ehre“, entgegnet der Rennfahrer, während er sich im Cockpit einrichtet. Jetzt kommen die Räder drauf, die Tür wird geschlossen. Das Tor geht auf, Rast legt den ersten Gang ein, der Bolide rollt los. Heute geht es nicht um Bestzeiten. Man will sehen, ob alles funktioniert und die neuen Aero-Teile stabil im Wind stehen. Nach einigen Runden kommt Rast zurück. Rollout erfolgreich. Renningenieur Grunwald zeigt sich zufrieden: „Alles gut gelaufen, wir schauen uns jetzt bei allen Bauteilen an, ob sie gehalten haben.“

Die Vorbereitungen haben sich gelohnt – der Audi RS 5 DTM liegt bei über 500 PS

Die letzte Bewährungsprobe steht für das Interimsauto Ende Februar in Portimao an. Mattias Ekström, Loïc Duval, René Rast und Jamie Green spulen fast 2.000 Kilometer ab. Bilanz: Der neue RS 5 DTM ist schneller, klingt kerniger und macht noch mehr Spaß. Mit dem 1. März endet die Entwicklungszeit. Der finale RS 5 DTM trifft diese Woche beim ersten gemeinsamen Test im italienischen Vallelunga auf seine Widersacher. „Bis dahin fragst du dich immer: Was hat der Andere wohl für eine Lücke im Reglement gefunden?“, sagt Entwickler Gugger.

Audi RS 5 DTM

Nach langer intensiver Vorbereitung wird der Audi RS 5 DTM feierlich auf dem Automobilsalon Genf enthüllt.

 

Auf dem Genfer Automobilsalon stellt Audi den RS 5 DTM schließlich der Öffentlichkeit vor. Glänzend aufpoliert, angriffslustig, für einen Rennwagen bestens verarbeitet. Stefan Gugger verfolgt die Präsentation über einen Livestream. Anstrengende Monate liegen hinter ihm. Doch die intensiven Vorbereitungen haben sich für Gugger schon jetzt gelohnt: „Wir liegen bei über 500 PS“, sagt er und strahlt.

Welche Teams Audi zur DTM 2017 ins Rennen schickt, lesen Sie im Audi MediaCenter.

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Verbrauchsangaben RS 5 Coupé: Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 8,7; CO2-Emission kombiniert in g/km: 197. Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz. // www.audi.de/DAT-Hinweis


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