Stephanie Huber
30.03.2017
Audi-Qualitätschef Werner Zimmermann im Interview
„Unser Qualitätsverständnis entwickelt sich weiter“

Beim Thema Qualität hat Audi im Wettbewerbsvergleich die Nase vorne. Doch gerade für jüngere Autofahrer ist die Kopplung mit dem Smartphone wichtiger als das mikrometergenaue Spaltmaß. Was das für das Audi-Qualitätsverständnis in Zukunft bedeutet, erklärt Qualitätschef Werner Zimmermann im Interview.

Qualitätsverständnis bei Audi

Audi-Qualitätschef Werner Zimmermann erklärt im Interview, wie sich der Qualitätsverständnis der Marke im Zuge der automobilen Megatrends verändert.

Audi wird gerne als „Spaltmaß-Meister“ bezeichnet. Sind dem heutigen Kunden nicht andere Dinge am Auto wichtiger als diese Feinheiten?

Bei uns in der Qualitätssicherung geht es weniger um einzelne Fugen oder Spalte, sondern vielmehr um das Gesamtbild des Autos und das Gesamterlebnis des Kunden. Das muss stimmig sein, auf diese Qualität legen unsere Kunden Wert – vor zehn Jahren genauso wie heute.

„Qualität ist für mich Verarbeitungs- und Materialqualität.
Das ist die Kür und hier sind wir  führend.“

Was verstehen Sie denn unter Qualität?

Qualität ist für mich zum einen Verarbeitungs- und Materialqualität. Das ist die Kür. Hier sind wir bei Audi führend und da unterscheiden wir uns vom Wettbewerb. Die Pflicht ist die Zuverlässigkeit. Es dauert Jahre bis man hier imageprägend nach vorne kommt. Das erfordert harte Arbeit.

Doch unsere konsequenten Verbesserungen haben sich ausgezahlt. Beim Consumer Report 2016 in den USA ist Audi beste europäische Marke in puncto Zuverlässigkeit – und das bereits zum fünften Mal in Folge. Ganz aktuell hat Audi auch in der Image-Studie der „Auto Bild“ die Nase vorne: Audi belegt sieben erste Plätze in der Kategorie „Qualität“.

Wo im Auto sehen Kunden die Audi-Qualität?

Bei Audi verfolgen wir die Philosophie: Qualität überall dort, wo sie der Kunde mit allen Sinnen erlebt. Also dort, wo er sie sieht, fühlt, spürt und hört. Das gilt für all unsere Modelle weltweit.

 

Qualitätsverständnis bei Audi

Dieses Verfahren ist beispielhaft für den weltweit hohen Qualitätsanspruch von Audi: Im INKA (Ingolstädter Korrosions- und Alterungstest) wird die Beanspruchung eines zwölfjährigen Autolebens simuliert.

Elektromobilität, Digitalisierung, Vernetzung – diese automobilen Megatrends müssen Sie auch in der Qualitätssicherung abbilden. Sind Sie dafür überhaupt gewappnet?

Diese Trends haben uns keinesfalls kalt erwischt. In meiner langjährigen Zeit bei Audi hatten wir immer wieder Neuerungen, auf die wir reagieren mussten. Das ist heute nicht anders.

Um Ihnen ein paar konkrete Beispiele zu nennen: Vor Jahren haben wir ein eigenes Halbleiterlabor gegründet, das Expertenwissen auf dem Niveau der Halbleiterchip-Hersteller bündelt. Zukunftsthemen wie Elektromobilität oder Autonomes Fahren funktionieren nur mit moderner Halbleitertechnologie. Bei der Elektrifizierung haben wir Schritt für Schritt aufgerüstet und beispielsweise im letzten Jahr in Neckarsulm ein Batterieanalysezentrum aufgebaut.

In welchem Bereich kommen auf Sie in der Qualitätssicherung aktuell die größten Veränderungen zu?

Die Absicherung der Software im Fahrzeug gewinnt aktuell immer mehr an Bedeutung. Hier ändert sich der Fokus derzeit, von der reinen Hardwarebetrachtung zu einer Funktions- und Systemverantwortung.

„Mit Servicefunktionen und digitalen Dienstleistungen müssen wir in Zukunft
anders umgehen und noch schneller werden.“

Die neuen digitalen Services erfordern auch immer schnellere Freigabeprozesse. Wie verträgt sich das denn noch mit einem hohen Qualitätsanspruch?

Zunächst gilt: Hohe Qualität ist und bleibt unser Anspruch bei Audi. Bei wichtigen Fahrzeugfunktionen und bei der Zuverlässigkeit wird es auch künftig keine Kompromisse geben. Aber mit Servicefunktionen und digitalen Dienstleistungen müssen wir in Zukunft tatsächlich anders umgehen und noch schneller werden.

Dennoch darf der Kunde sein Vertrauen in Audi nicht verlieren. Wenn sich ein Handy nicht mit dem Auto verbindet, ist für den Kunden erst einmal der Autohersteller schuld – und nicht das Handy, selbst wenn es an diesem liegt. Das heißt, wir werden Verantwortung für Themen und Funktionen übernehmen müssen, die vielleicht gar nicht in unserer Hand liegen. Das erwartet der Kunde von uns.

 

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Verbrauchsangaben Audi A4 Limousine: Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 6,3 – 3,7; CO2-Emission kombiniert in g/km: 144 – 95; Verbrauchsangaben Audi A3: Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,1 – 3,9; CO2-Emission kombiniert in g/km: 163 – 102; Werte variieren in Abhängigkeit von Motor/Getriebe/Räder/Reifen  // www.audi.de/DAT-Hinweis


2 Antworten auf „Unser Qualitätsverständnis entwickelt sich weiter“

  1. Victorfoxi 01.04.2017 um 20:34 #

    Qualität ist erstmal das ich ein Fahrzeug bekomme, das immer und überall einsatzbereit ist. Es muß bei -28 Grad im Winterurlaub starten und zuverlässig funktionieren.
    Es muß genauso in Italien bei über 40 Grand in der Sonne möglichst schnell abkühlen. Es muß mich von der Außenwelt sicher abschirmen, es muß mir Sicherheit bieten wenn ich Nachts in einer Großstadt in einem Problemviertel an einer Ampel anhalten muß. Qualität muß anfassbar sein, der Innenraum soll Geborgenheit vermitteln. Die übertriebe Sportlichkeit ein bisschen zurücknehmen da der „Verbraucher“ eher über schlechte Strassen holpert als man mit hohem Tempo durch Kurven zu driften. Das Thema Datensicherheit wird noch sehr viel mehr Bedeutung erlangen. Schließlich wäre nicht Auszudenken was passieren würden wenn jemand von Außen beispielsweise den die ACC kapern würde…

  2. Stefan 04.04.2017 um 08:57 #

    “ Das heißt, wir werden Verantwortung für Themen und Funktionen übernehmen müssen, die vielleicht gar nicht in unserer Hand liegen.“ ja jetzt wenn man es so liest ist da im Schnitt tatsächlich ein falsches Verständnis der Schuldgebung.
    Schuldzuweisungen würden ja auch nichts bringen also dem Problem annehmen.
    Interessanter Beitrag und ich habe auch noch nie das Gegenteil gehört, dass Audi seinem höchstem Anspruch nicht genug wird, der hohen Qualität.

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