Olivia Faulbacher
19.04.2017
Audi auf der Auto Shanghai 2017
Das Lichtdesign des Audi e-tron Sportback concept

Mit dem e-tron Sportback concept auf der Auto Shanghai beginnt Audi eine neue Ära im automobilen Lichtdesign: Das Licht wird digital. Welche Möglichkeiten das für das Lichtdesign eröffnet und was es für die Sicherheit bedeutet, hat Blogautorin Olivia Faulbacher beim letzten Test vor der Messepremiere recherchiert.

Audi e-tron Sportback concept

Das neue Audi Lichtdesign ist digital und ermöglicht damit mehr Sicherheit und Kommunikation mit der Umwelt.

 

Es ist ein warmer, sonniger Frühlingsnachmittag in Ingolstadt. Inmitten des unterirdischen Lichtkanals auf dem Audi Werksgelände steht der e-tron Sportback concept. Der letzte Test des Technikträgers für die Messe Auto Shanghai beginnt.

Audi e-tron Sportback concept reagiert auf sein Umfeld

Noch hüllt sich das Auto in Dunkelheit. Doch das ändert sich, als sich die beiden Audi-Designer César Muntada Roura und Konrad Tröger der Designstudie nähern und sie damit aktivieren. Die vier Ringe auf dem Singleframe des silbernen Coupés leuchten auf, beinahe so als würde das Auto die Beiden begrüßen.

In der Folge erwachen auch die Augen im Gesicht der Studie. Die beiden Projektionselemente des Tagfahrlichts unterhalb der Motorhaube beginnen zu strahlen, LED für LED baut sich das Licht in hohem Tempo von innen nach außen auf.

Lichtdesign an der Front stellt Antrieb des Autos optisch dar

Als würden sie einem musikalischen Rhythmus folgen, beginnen auch die Ringe am Heck und das Schlusslicht mit einer fließenden Lichtanimation. Diese endet schließlich in einer horizontal segmentierten Signatur aus schwebenden Lichtelementen, die den Antrieb des Fahrzeugs symbolisiert.

Denn das Showcar ist ein reines Elektroauto, dessen drei E-Maschinen zusammen 320 kW leisten. Eine E-Maschine an der Vorderachse und zwei an der Hinterachse treiben alle vier Räder an und machen die Studie zu einem echten quattro.

Audi Lichtdesigner vor der Studie Audi e-tron Sportback concept

Die Audi Lichtdesigner Konrad Tröger (l.) und César Muntada feilen an dem richtigen Timing des Lichtdesigns für die Show auf der Messe Shanghai.

César Muntada, Leiter des Lichtdesign bei Audi, zeigt sich zufrieden. Er will die Lichtanimation aber nochmal sehen – jetzt mit anderem Ende. Konrad Tröger tippt auf seinen Computer und kurz darauf beginnt das Schauspiel von vorne.

Noch während die e-tron-Signatur aufleuchtet, projizieren hochauflösende Digital-Matrix-Licht Projektoren an der Front einen funkelnden „Audi at the Auto Shanghai“-Schriftzug auf den schwarzen Boden des Lichtkanals.

„Mit dem Audi e-tron Sportback concept wird das Licht bei Audi digital.“
César Muntada – Leiter Audi Lichtdesign

Dieses Mal war die Zeitenabfolge für den Lichtdesignleiter nicht ganz stimmig. Das Ganze wiederholt sich erneut. Die Lichter umtänzeln das Showcar erneut, erwecken es Stück für Stück zum Leben. „Diese dynamische Lichtanimation findet sich in allen Lichtelementen wieder, denn mit dem Audi e-tron Sportback concept wird das Licht bei Audi digital“, sagt César Muntada. Damit leitet der Automobilkonzern auf der Auto Shanghai eine neue Ära in der automobilen Lichttechnologie und -ästhetik ein.

Audi e-tron Sportback concept

Die Collage zeigt einige Handskizzen von Lichtdesigner Konrad Tröger, die bei der Ideenfindung für den Audi e-tron Sportback concept entstanden sind.

 

Vorstellen kann man sich digitales Licht wie ein Medium, auf dem sich alles darstellen lässt, erklärt Konrad Tröger. Dabei verschiebt sich auch der Fokus beim Design – es geht nun nicht mehr nur um die Gestaltung der Lichtelemente und deren physisches Design, sondern um die Gestaltung des Lichts selbst und wie es sich verhält. „Das eröffnet uns völlig neue Möglichkeiten: Das Licht kann sich fließend bewegen, wir können es sogar biegen und somit intuitive Funktionen entwickeln, die völlig neue Emotionen wecken.“

Digital Matrix-Licht ermöglicht Schrift-Projektionen auf die Straße

Bis zum heutigen Test haben die Designer etwa ein Jahr am Lichtkonzept des Showcars gearbeitet. Das Ergebnis? Digital Eyes: Digitale Augen. Ein Licht, das puristische Flächen digital zum Leben erweckt. Dadurch wirkt es sehr dynamisch und vielschichtig.

Audi e-tron Sportback concept

Grob kann das Lichtdesign der Augen in drei Komponenten eingeteilt werden: Die Projektionsflächen unterhalb der Motorhaube – sie dient als Tagfahrlicht. Die Digitale LED-Matrix darunter – sie zeigt beim Showcar die e-tron-Signatur. Und die Projektionsmodule darunter, die Schriften auf die Straße bringen können.

 

Umgesetzt werden kann es durch den Einsatz  mehrerer Komponenten: Die Projektionsflächen unterhalb der Motorhaube, die als Tagfahrlicht dienen. Die Digitale LED-Matrix darunter, die mit rund 250 LEDs grafische Elemente animiert darstellen kann, wie etwa die e-tron-Signatur beim Showcar. Und die beiden Projektionsmodule unterhalb, die hochaufgelöst auf die Straße projizieren können und als HD Matrix-Fernlicht fungieren. Durch seine Pixeldichte kann das Digitale Matrix-Licht diverse Zusatzfunktionen übernehmen, wie Projektionen von Schriften auf die Straße.

Das Ergebnis der einzelnen Komponenten ist eine spektakuläre neue Lichtsprache –  das digitale Licht wirkt lebendig und interagiert über das Auto hinaus mit seiner Umgebung. Das zeigt sich klar, als die beiden Designer eine Kaffeepause einlegen. Das Licht des Autos zieht sich optisch zurück und lediglich das Markenemblem leuchtet. Kurz danach pulsiert das Licht an Front und Heck in der digitalen LED-Matrix. „Als würde es sagen wollen‚ ich bin immer noch da, wenn du mich brauchst‘, ähnlich wie eine Standby-Funktion“, erklärt Muntada die Idee hinter der Animation.

„Mit dem Lichtkonzept des Audi e-tron Sportback concept haben wir eine perfekte Interaktion zwischen Licht, Sicherheit und Kommunikation kreiert.“
César Muntada – Leiter Audi Lichtdesign

Bloße Spielerei? Natürlich nicht, sagt César Muntada. „Unser digitales Lichtdesign ist etwas komplett Neues auf dem Markt und dabei ästhetisch und funktional zugleich.“ Er zeigt auf die Projektionsmodule an der Front, das Digitale Matrix-Licht. „Die zwei hochauflösenden Projektoren hier können zusammen mehr als 1,3 Millionen Pixel anleuchten. Somit lassen sich Personen oder Objekte sehr präzise beleuchten, ausblenden oder mit Grafiken kennzeichnen. „Am Ende haben wir damit eine perfekte Interaktion zwischen Licht, Sicherheit und Kommunikation kreiert“, sagt Muntada.

Audi e-tron Sportback concept

Optisch verlängert sich der Blinker auf die Straße und sorgt damit für mehr Sicherheit – speziell für Radfahrer und Fußgänger.

 

Für mehr Sicherheit sorgt unter anderem das neue Design der Blinkfunktion. Konrad Tröger gibt dem Showcar über seinen Laptop das Signal, rechts zu blinken. Das Lichtband am Heck beginnt zu pulsieren und verlängert sich optisch auf den Boden. Mit Schattenlücken durchbrochene Strahlen pulsieren damit im Takt des Blinkers vor den Füßen von Designer Tröger. „Wenn ein Audi-Fahrer abbiegen möchte, sind die Blinker so nicht mehr zu übersehen, selbst wenn ein Fußgänger währenddessen auf sein Smartphone schaut.“

Markenlogo dient als dritte Bremsleuchte

Auch beim Bremsen unterstützt das Licht künftig die Sicherheit. Das Markenlogo am Heck dient dann als dritte Bremsleuchte. Tritt der Fahrer stärker auf die Bremse, erscheinen weitere Warnsignale in Sichtweite: Dann umgibt das Auto eine rote, stark pulsierende Grafik, die auf den Boden projiziert wird. Ein Plus für die Sicherheit von anderen Verkehrsteilnehmern, besonders der von Motorrad- und Fahrradfahrern.

Audi e-tron Sportback concept

Bremst der Audi-Fahrer stark, leuchtet auch das Markenlogo am Heck rot auf.

 

Die beiden Audi-Lichtdesigner setzen ihre Tests gemeinsam mit den Lichtingenieuren für das Showcar auf der Messe Shanghai fort. Es fehlt nur noch der Haken hinter der neuen Lichtfunktion, die sie speziell für Engstellen im Straßenverkehr entworfen haben.

Zum Test haben die Ingenieure einige Pylonen im Lichtkanal positioniert und markieren damit eine Engstelle im Straßenverkehr. Konrad Tröger setzt sich in das Showcar und fährt ein paar Meter vor – der Audi e-tron Sportback concept projiziert zwei Lichtlinien auf den Boden, die seinen Lenkbewegungen folgen. Sie markieren die Außenbreite des Autos. Leise fährt Tröger durch den Pylonenkorridor –  die Lichtkegel kollidieren nicht mit den Hütchen.

Für den Designer ist somit klar, dass er links und rechts genügend Platz hat, um die Engstelle ohne Anzuecken zu passieren. „Mit dieser Lichtfunktion ist dem Audi-Fahrer auf einen Blick klar, ob er mit seinem Fahrzeug durch eine Engstelle passt oder nicht.“

„Das neue Audi Lichtdesign wird zu Musik fürs Auge.“
César Muntada – Leiter Audi Lichtdesign

Mit den bereits seriennahen Lichtelementen des neuen e-tron Sportback concept unterstreicht Audi seine Pionierrolle im Bereich der automobilen Lichttechnologie. „Nach den Audi-Lichtinnovationen wie Tagfahrlichtsignatur, Voll-LED-Scheinwerfer, Matrix-LED, Laserlicht und OLED gehen wir nun den nächsten Schritt sowohl in der Technik als auch im Design. Denn Audi ist Licht“, betont César Muntada.

Und die neue Formsprache des Lichtdesigns wird  nicht nur digital, sie wird lebendig. „Unser neues Lichtdesign wird zu Musik fürs Auge“, sagt er. „Und wird neben allen funktionalen Aspekten auch die Seele der Menschen treffen.“


Eine Antwort auf Das Lichtdesign des Audi e-tron Sportback concept

  1. Hermann Nagelmeier 20.06.2017 um 16:01 #

    Ich bin sehr beeindruckt von der Lichttechnik und wenn der E-tron dann wirklich 500 Km Leistung bring, wäre das schon enorm! Nur wenn ich mir vorstelle, wieviel Energie das Fahrzeug benötigt, auch bei Steigungen und starkem Rückenwind, warum es nicht möglich ist die starken Strömungen während der Fahrt nicht wieder in Energie um zu setzen ! Da diese Windströmungen ja während der Fahrt dauerhaft zur Verfügung stehen !

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