Lisa Foerst
27.04.2017
Ideenfindung bei Audi China
Woher Audi Designer in China ihre Inspirationen nehmen

Was haben Hutongs, Hochhäuser und Haarsprays gemeinsam? Alle sind unerwartete Inspirationsquellen für die Designer bei Audi China. Blog-Autorin Lisa Först hat das chinesische Designteam auf der Suche nach den Trends von Morgen begleitet.

Design bei Audi China

Audi Designer Guo Ke bei der Arbeit: Vor sechs Jahren war Guo Ke der erste Exterieur-Designer bei Audi China.

 

Freitagabend, 798 Art Zone, Peking. Mitten im angesagten Künstlerviertel findet die Abschlussshow der China Graduate Fashion Week statt. Der ehemalige Gasometer im Norden der Art Zone strahlt in leuchtendem Blau. Hier präsentieren Absolventen der renommiertesten Mode-Unis aus ganz China und dem Ausland ihre Abschlussarbeiten. 150.000 Kubikmeter voller Kreativität, Farbenspiele und Materialexperimente.

Auf der Suche nach neuen Trends

Journalisten und Fashionexperten sind gekommen, um die Kollektionen der jungen Designtalente zu sehen. Unter ihnen auch Guo Ke und Zhang Lisui, zwei Audi Designer auf der Suche nach neuen Trends.

Jedes Design beginnt mit einer Bleistifftskizze. Guo Ke und seine Kollegen entwerfen die Design-Zukunft von Audi China.

 

Am Tag nach der Show bringen Guo Ke und Zhang Lisui ihre Eindrücke im Audi Office zu Papier, pinnen Post-its an die Wand und clustern sie in Kategorien, erstellen Bildwelten und Mood Boards. Während Guo Ke Inspirationen für die Formsprache neuer Modelle sucht, ist Color & Trim-Expertin Zhang Lisui auf der Suche nach Anregungen für neue Farben und Materialien.

Der größte Neuwagenmarkt der Welt setzt eigene Trends und Maßstäbe

Vor sechs Jahren war Guo Ke der erste Exterieur-Designer bei Audi China. Hier, im größten Neuwagenmarkt der Welt gelten eigene Trends und Maßstäbe. Deshalb gibt es bei Audi China, der hundertprozentigen Tochtergesellschaft der AUDI AG, das größte Forschungs- und Entwicklungszentrum außerhalb Deutschlands mit eigenem Designbereich. Inzwischen ist das Designteam unter der Leitung von Sandra Hartmann auf zehn Experten für Color & Trim, Exterieur- und Interieur-Design gewachsen.

Im Audi Office, in direkter Nachbarschaft zur 798 Art Zone, einem Pekinger Szeneviertel mit vielen Künstlerateliers und Galerien, erforschen die jungen Kreativtalente neue Fahrzeugdesigns für den chinesischen Markt: „Unsere Aufgabe ist es, die Markenwerte von Audi in eine Designsprache zu übersetzen, die zum chinesischen Markt und zu unseren Kunden in China passt“, sagt Sandra Hartmann.

Dafür identifizieren sie lokale Trends, die dann in enger Zusammenarbeit mit den Ingolstädter Kollegen in das Design der Autos einfließen. Eine echte Herausforderung: „Mit dem Exterieur-Design eines neuen Modells starten wir fünf Jahre, bevor das Auto auf den Markt kommt. Um hier erfolgreich zu sein, müssen wir die Vorlieben unserer chinesischen Kunden also entdecken, noch bevor sie selbst sie kennen.“

 Wer in China erfolgreich sein will, muss den rasanten Geschmackswandel verstehen und interpretieren können

Deshalb besucht das junge Kreativteam die Orte, an denen Trends geboren werden. „Im vergangenen Jahr waren wir bei der China Graduate Fashion Week, haben einen Keramikworkshop gemacht, mit Architekten, Designern und Künstlern gesprochen und uns mit den traditionellen Pekinger Wohnhausvierteln, den Hutongs, sowie Pekings modernen Architekturwundern auseinandergesetzt“, erzählt Guo Ke.

Ihre Suche nach der chinesischen Formsprache führte die Exterieur-Designer unter anderem zum Shopping- und Bürokomplex Galaxy SOHO, dessen Design die Architektin Zaha Hadid Reisterassen nachempfunden hat oder zum Olympiastadion, das den Spitznamen „Vogelnest“ trägt.

„Um die Inspirationsquellen unserer Kunden nachzuempfinden, tauche ich in ihre Welt ein.“
Zhang Lisui, Color & Trim-Expertin bei Audi China

Auch für die Color & Trim Expertin Zhang Lisui bietet Peking unerschöpfliche Inspirationsquellen. Gerade hat sie ihr internes Trendbuch „New Luxury in China” fertiggestellt, in dem sie Farb- und Materialtrends für die kommenden fünf Jahre präsentiert. Bevor Zhang Lisui auf Trendsuche ging, wollte sie den chinesischen Kunden genauer kennenlernen.

Design bei Audi China

Der richtige Farb- und Materialmix ist in der Designkonzeption essentiell. Mit Methoden der Marktforschung werden die neusten Trends untersucht.

 

Dank ihrer Kollegen der Audi Innovation Research kein Problem: Das Team betreibt Markt- und Trendforschung für Audi China und hat in Studien bereits untersucht, was chinesische Vordenker vom Premium-Begriff in Zukunft erwarten, welche Anforderungen Audi Kunden im Reich der Mitte an ihr Auto stellen und womit sie ihre Freizeit verbringen.

Den Kunden verstehen um das richtige Design zu finden

„Der durchschnittliche Audi Kunde hier ist mit Mitte 30 viel jünger als in anderen Ländern. Und er ist ständig online“, sagt Zhang Lisui. Für 743 Millionen mobile Internetnutzer in China ist das Smartphone ein unverzichtbarer Lebensbegleiter. Per App wird von der Zahnbürste bis zum Auto alles bestellt und bezahlt, werden Erlebnisse gepostet und geteilt, Freundschaften und Geschäftskontakte gepflegt.

„Der chinesische Kunde experimentiert gern mit Farben und Materialien. Hier darf es ruhig mal gewagter, farbiger und auffälliger sein.“
Zhang Lisui, Color & Trim-Expertin bei Audi China

Gleichzeitig lieben viele Chinesen Mega-Malls, riesige Konsumtempel, die von Modegeschäften über Restaurants bis zum Spa alles an einem Ort bieten. „Um die Inspirationsquellen unserer Kunden nachzuempfinden, tauche ich in ihre Welt ein. Ich recherchiere auf denselben Onlineplattformen, fühle die Stoffe ihrer beliebtesten Modemarken, esse in angesagten Restaurants, besuche Künstlerateliers“, erklärt Zhang Lisui. „Chinesische Kunden experimentierten gerne mit Farben und Materialien. Hier darf es ruhig mal gewagter, farbiger und auffälliger sein.“

Design bei Audi China

Zhang Lisui: „China ist längst zum Startup-Paradies geworden, das seine Innovationen in den Rest der Welt verbreitet. Das gilt auch für das Design.“

 

Inspirationen für die perfekte Farbe oder den richtigen Stoff entdeckt Zhang Lisui oft ganz unerwartet. „Neulich habe ich eine Haarsprayflasche als Farbbeispiel zu unserem Zulieferer geschickt“, lacht sie. „Gemeinsam mit dem Zulieferer experimentiere ich dann so lange, bis wir die richtige Mischung aus Pigment und Farbe für einen einzigartigen Audi Farbton haben.“

Von Chromgrill bis Hainan Blue – chinesische Trends in Serie

Bevor die Ideen von Guo Ke und seinen Kollegen in Serie gehen können, müssen sie sich erst einmal im internationalen Wettbewerb behaupten. Jedes Jahr erarbeitet das Design Team in Peking Vorschläge für das Exterieur- und Interieur-Design neuer Modelle und präsentiert diese dem Design-Headquarter in Ingolstadt, um sich mit den Entwürfen der anderen Audi Design Studios zu messen.

Design bei Audi China

Hainan Blue (zweites Farbmuster von vorn) ist die erste China-spezifische Farbe für Audi Modelle.

 

Darüber hinaus passen die Designer einzelne Elemente an die Bedürfnisse des Marktes an: So ist mit der Produktaufwertung des Audi A3 in China ein spezieller Kühlergrill erhältlich, der basierend auf Marktanalysen entwickelt wurde. Eine zusätzliche Chromapplikation verleiht dem Grilldesign stärkere Kontraste in Form und Material. Diese Komplexität im Detail passt zum Geschmack der chinesischen Kunden, für die das Auto ein wichtiges Statussymbol ist.

Einzigartig in China: Das Kühlergrill-Design

Und auch ganze Konzeptstudien werden in China entwickelt. Ein echter Hingucker auf der Beijing Autoshow 2016 war das „Connected Mobility Concept“: Ein Audi Q3 mit integriertem Longboard, entworfen vom Audi China Designteam. Wenn es in der Rushhour der 21,5 Millionen-Metropole Peking nicht weiter geht, schlängelt sich der Kunde auf dem elektrisch angetriebenen, faltbaren Board geschickt bis zum Szenerestaurant in den verwinkelten Gassen durch. Und auch die Farbe des Showcars, Hainan Blue, stammt aus dem chinesischen Designstudio. Die Farbe ist nach der chinesischen Insel Hainan benannt, die ein beliebtes Urlaubsziel im Süden Chinas ist.

Design bei Audi China

Guo Ke: „Ich zeichne, seitdem ich denken kann. Schon als Kind habe ich davon geträumt, Autodesigner zu werden.“

 

Während chinesische Kühlergrill-Designs nur hier angeboten werden, haben sich andere Trends aus dem Reich der Mitte längst in der ganzen Welt durchgesetzt, erklärt Designchefin Sandra Hartmann: „Unser Hainan Blue ist inzwischen bei Audi weltweit erhältlich und auch der Trend zu gelben Farbtönen, die heute von amerikanischen und europäischen Straßen kaum wegzudenken sind, hat seinen Ursprung in China.“

 

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Verbrauchsangaben Audi A3: Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,1 – 3,9; CO2-Emission kombiniert in g/km: 163 – 102; Verbrauchsangaben Audi Q2: Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 5,8 – 4,1; CO2-Emission kombiniert in g/km: 134 – 109; Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz. // www.audi.de/DAT-Hinweis


2 Antworten auf Woher Audi Designer in China ihre Inspirationen nehmen

  1. Debra 08.05.2017 um 10:54 #

    Ich glaube und hoffe! es dauert nicht mehr lange und unser europäischer Geschmack wird von China beeinflusst und nicht mehr von Californien. Es muss wieder farbiger werden und vor allem muss man die Autos auch wieder unterscheiden können!

  2. Kai 08.05.2017 um 19:47 #

    Toller Beitrag. Ich bewundere Leute, die so gut zeichnen können und so tolle Ideen haben.
    Leider fand ich mich für ein Design-Studium nie kreativ genug 😉

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