Anna Niemann
29.05.2017
Vom Entwickler für Verbrenner zum Entwickler für Elektromotoren
Weiterbildung für ein neues Zeitalter

Andreas Weber ist einer der ersten Antriebsentwickler bei Audi, der sich für das Thema Elektromobilität nochmal in den Hörsaal gesetzt hat. Dort wird er Schritt für Schritt vom Entwickler für Benzinmotoren zum Entwickler für Elektromotoren. Was sich für ihn damit verändert, hat Audi Blog-Autorin Anna Niemann recherchiert.

Der Audi e-tron Sportback

Der Audi e-tron Sportback concept steht für den Wandel zur E-Mobilität: Moderne Designsprache und konsequente Ausrichtung auf die Mobilitätsanforderungen von morgen.

 

Der Arbeitsplatz von Andreas Weber in der Technischen Entwicklung von Audi in Ingolstadt: ein Schreibtisch in einem Großraumbüro mit vielen Fächern und Ablagen, darauf ein Computer und ein Telefon. Auf dem Tisch liegen Unterlagen mit technischen Zeichnungen. Nur einem Experten fällt auf, dass die Bauteile, die hinter seinem Schreibtisch auf der Fensterbank stehen, Bauteile unterschiedlicher Motorentypen sind: Verbrennungs- und Elektromotoren – ein Hinweis auf seine alte und seine neue Arbeitswelt.

Der Wechsel vom Verbrennungsmotor zum Elektromotor

Der Maschinenbauer konstruierte 20 Jahre lang Bauteile für unterschiedliche Verbrennungsmotoren, Diesel- und Ottomotoren, Saug- und Turbomotoren, allein zwölf Jahre davon in der Motorenkonstruktion von Audi Sport am Standort Neckarsulm. Dort entwickelte er Aggregate für alle Rennserien, in denen Audi aktiv ist, wie zum Beispiel für Supertourenwagen, DTM und nicht zuletzt auch für die 24 Stunden von Le Mans.

Audi-Ingenieur Andreas Weber

Seit mehr als zwei Jahrzehnten sind Automotoren sein Metier – nun begleitet er den Wechsel vom Verbrennungs- zum E-Motor. Und ist nun für die notwendige Expertise erst einmal in den Hörsaal zurückgekehrt.

 

Ab 2008 war er in der Motorkonstruktion in Ingolstadt für unterschiedliche Bauteile von konventionellen Motoren, unter anderem zum Beispiel dem Kurbelgehäuse, verantwortlich – bis zum Sommer letzten Jahres, als er von einem internen Weiterbildungsprogramm im Bereich Elektromobilität erfuhr.

Know-how für die Zukunft aufgebaut

Als einer von 20 Audi-Ingenieuren startete Andreas Weber im September 2016 eine dreimonatige berufsbegleitende Weiterqualifizierung, die das Unternehmen gemeinsam mit der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) speziell für Antriebsentwickler konzipiert hat. „Ich fand das Angebot äußerst interessant, weil ich mir hier in einem relativ kurzen Zeitraum konzentriertes Wissen aneignen konnte“, sagt Weber. „Für mich war das der ideale Einstieg für meine jetzige Tätigkeit in der Elektromotorenentwicklung.“

Antriebsstrang Audi e-tron Sportback concept

Die neue Welt von Audi-Ingenieur Andreas Weber nach der Weiterbildung: der elektrische Antriebsstrang.

 

Die Weiterbildung ist Teil der strategischen Personalplanung bei Audi. Dabei analysiert das Unternehmen fortlaufend, welche Qualifikationen langfristig benötigt werden und schult die Mitarbeiter entsprechend. „Die Elektrifizierung der Audi-Flotte schreitet voran, deshalb brauchen wir auf diesem Gebiet immer mehr gut ausgebildete Ingenieure“, erklärt Frank Roitzsch, der die Elektro-Weiterbildung für die Antriebsentwickler mitkonzipiert hat. „Mit der THI haben wir einen lokalen Partner mit viel Expertise gefunden, der das berufsbegleitende Programm mit uns gemeinsam passgenau auf Audi zugeschnitten hat.“

An 15 Präsenztagen, etwa einem Drittel der Weiterbildung, standen für Andreas Weber und seine Kollegen an der THI Module wie „Elektrische Maschinen und Leistungselektronik“ oder „Konzepte elektrifizierter Fahrzeuge und Energiespeicher“ auf dem Stundenplan. „Es war ein schönes Gefühl, wieder an der Uni zu sein. Ich fühlte mich direkt an meine eigene Studienzeit erinnert“, erzählt Weber. „Besonders die Einblicke in die Leistungselektronik und Batterietechnik fand ich faszinierend. Das Programm war exakt auf uns zugeschnitten.“

„Es war ein schönes Gefühl, wieder an der Uni zu sein. Besonders die Einblicke in die Leistungselektronik und Batterietechnik fand ich faszinierend.“
Andreas Weber, Ingenieur in der Audi-Elektromotorenentwicklung

Die anderen zwei Drittel der Fortbildung liefen nicht an der Hochschule, sondern berufsbegleitend über Selbstlernphasen. Im Dezember 2016 standen dann die Abschlussprüfungen an. „Die Tests waren eine große Herausforderung für uns “, sagt Weber und lacht, „aber ich habe alle bestanden. Somit hat sich die ganze Mühe gelohnt.“

Neue Herausforderungen

Mittlerweile arbeitet der Familienvater bei Audi in einer neuen Abteilung: der Entwicklung für elektrische Antriebe und Getriebe. Dort verantwortet er unter anderem das Motorgehäuse für das erste Elektro-SUV von Audi, das 2018 auf den Markt kommen wird. Dieses Bauteil begleitet er in der Konstruktion vom Entwurf bis zur Serienproduktion.

Das Interieur des Audi e-tron Sportback concept

Mit dem Audi e-tron Sportback concept zeigt Audi moderne Zukunftstechnologien, die schon im kommenden Jahr den Sprung in die Serie schaffen – ohne das spezielle Know-how der Experten unmöglich.

 

„Da bei Elektromotoren viel höhere Spannungen und Ströme anliegen, müssen aus Sicherheitsgründen besondere Maßnahmen zum Beispiel bei der Isolation oder beim Abstand der Gehäuse zu stromführenden Leitungen beachtet werden“, erklärt Weber einen der Unterschiede zu Verbrennungsmotoren.

Das neu erworbene Wissen komme da genau recht: „Durch die Weiterbildung an der THI verstehe ich diese Zusammenhänge nun richtig gut. Ich habe mein Wissen für die Entwicklung von E-Motoren ausgebaut und kann darauf nun in meiner täglichen Arbeit aufbauen“, resümiert Weber.

Erfolgreiches THI-Programm wird fortgesetzt

Auch die 19 anderen Teilnehmer haben die berufsbegleitende Qualifizierung erfolgreich abgeschlossen. „Die Kollegen können das Gelernte sofort in der Praxis anwenden. Das Feedback war äußerst positiv. Deshalb führen wir die Fortbildung in diesem Semester weiter,“ sagt Roitzsch. Aktuell vertiefen bereits 20 weitere Ingenieure ihr Wissen im Bereich Elektromobilität.


Eine Antwort auf Weiterbildung für ein neues Zeitalter

  1. Hermann Nagelmeier 19.06.2017 um 17:08 #

    Ich bin kein Physiker und Elektroniker, aber es will mir nicht in den Sinn, warum aus der Kraft des Fahrwinds, wie bei der Windkraft keine Elektroenergie über einen Generator erzeugt werden kann, den man speichern kann !Physikalisch ist mir klar, dass das Fahrzeug bei Steigungen und starkem Gegenwind mehr Energie benötigt, aber unter dem Fahrzeug geht auch viel vorhandene Energie verloren !

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