Sandra Schink
03.07.2017
Date mit Jack
Audi A7 piloted driving im Test

Jack ist ein kerniger Typ: Groß, sportlich, elegant. Er fällt durchaus auf in der Masse, dabei bleibt er gentlemanlike zurückhaltend. Er ist dieser Typ, bei dem man spürt, dass er es nicht nötig hat den Lauten zu geben. Dieser Typ, der Souveränität ausstrahlt. Weil er weiß, dass er ohne Drängen und übertriebene Eile sicher an sein Ziel kommen wird. Klingt nach einem Traumtyp? Jack ist ein Auto.

Vorsichtiges Herantasten mit Herzklopfen: Gast-Autorin Sandra Schink trifft erstmals auf Jack, der pilotiert fahrende Audi A7.

 

Verbrauchsangaben Audi A7 Sportback: Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 9,5 – 4,5; CO2-Emission kombiniert in g/km: 221 – 118. Verbrauchsangaben Audi A7: Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 6,3 - 4,7; CO2-Emission kombiniert in g/km: 167 – 122. // www.audi.de/DAT-Hinweis Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen sowie Effizienzklassen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz

http://www.audi.de/DAT-Hinweis

Jack hat alle Voraussetzungen, um richtig angeben zu können: Der Audi A7 Sportback verfügt über beachtlich viel Leistung unter der Haube und schafft bis zu 240 km/h auf der Autobahn. Aber irgendwie scheinen die breiten Schultern von diesem speziellen A7 gar nicht so wichtig zu sein. Seine eigentlichen Stärken werden erst spürbar, wenn man sich auf ihn einlässt. Denn Jack lässt sich nicht nur gut fahren. Jack fährt selbst.

Jack ist ein hochautomatisiertes Fahrzeug

Jack ist ein Forschungsfahrzeug. Sein Kofferraum ist bis oben hin vollgepackt mit der Technik, die beim neuen Audi A8 demnächst im handlichen zFAS, dem zentralen Fahrerassistenzsteuerungsgerät verpackt sein werden: Alles was Jack braucht um die Masse an Informationen, die er von seinen Kamera-, Radar- und Lasersensoren erhält, zu berechnen und zu analysieren, damit er die richtigen Entscheidungen treffen kann – in Echtzeit.

Audi mit Persönlichkeit

Heute habe ich also ein Rendezvous mit Jack. Als ich von Audi dazu eingeladen wurde, musste ich schmunzeln. Agnes Happich, Leiterin der Online Kommunikation schrieb nach meiner Zusage: „Dann grüß unseren Gentleman Jack schön von mir.“ Ich erinnerte mich an ein Interview, das ich 2014 mit Dr. Thomas Müller geführt habe. Damals erzählte mir der Leiter der Entwicklungsabteilung für automatisiertes Fahren über die erste unbemannte Testfahrt von Jacks Vorgänger Bobby auf der Rennstrecke.

Viel Technik: Die Informationen, die der Audi A7 durch seine zahlreichen Sensoren aufnimmt, verarbeitet das Computer Aggregat im Kofferraum.

 

Über das kleine mulmige Gefühl, das sich breit machte, als Bobby erstmals mit Vollgas alleine aus dem Sichtfeld der Ingenieure verschwand. Über den Jubel und die Erleichterung, als er heil, schnell und souverän durchs Ziel ging. „Da haben wir ihm erst mal das Dach gestreichelt und ihm gesagt: Hey, good job, Bobby! Nice, that you’re back!“. Scheinbar ist das unweigerlich so, wenn man mit Autos zu tun hat, die eigene Entscheidungen treffen. Man redet von ihnen wie über nette Kollegen.

Rendezvous mit Aufpassern

Das Rendezvous mit Jack findet, nun ja, am Rande einer Autobahn statt. Das klingt nicht sehr romantisch, ist mit einem für die Autobahn optimierten Fahrzeug aber schon sinnvoll. Und natürlich werde ich bei dem Rendezvous mit diesem Gentleman nicht alleine sein. Sandra Schmidt ist Entwicklungsingenieurin für automatisierte Fahrfunktionen und geht mit mir die Anzeigen und die Bedienung durch.

Und sie wird vom Beifahrersitz aus unangemessenes Verhalten korrigieren, wenn es nötig werden sollte – egal ob von mir oder von Jack. Dr. Miklós Kiss wird hinter mir auf dem Rücksitz Platz nehmen. Der Leiter der Vorentwicklung für automatisierte Fahrfunktionen wird meine Fragen über Jack beantworten.

Im Audi A7 piloted concept wird der Fahrer zum Beifahrer

Zunächst geht es ganz unspektakulär los. Denn noch habe ich die Kontrolle über Jack, lenke ihn bei Allershausen auf die A9 Richtung München. Doch kaum bin ich auf die Bahn gefahren, bietet Jack mir an zu übernehmen. Ich soll mich zurück lehnen und die Fahrt genießen. Okay, das sagt er nicht. Stattdessen erscheint im Cockpit die Anzeige „Piloted Mode available.“ Ein Countdown zählt runter, dann erklingt ein Gong. Ich drücke zwei Tasten am Lenkrad, dann lasse ich los, nehme den Fuß vom Gas. Und fahre weiter. Das Lenkrad fährt ein Stück zurück um mir mehr Raum zu geben. Jack hat das Ruder übernommen.

Pilotiertes Fahren im Selbstversuch

Jack hat das Ruder übernommen und fährt pilotiert auf der Autobahn. Gelassen und kontrolliert.

 

Nur ein paar Sekunden lang ist es ungewohnt. Ich erwarte einen Schlenker, ein Zucken, irgendwas unkontrolliert Wirkendes. Doch der Audi A7, Jack, hält souverän die Spur, reagiert bereits unmittelbar nach der Übernahme auf ein dicht vor mir einschwenkendes Fahrzeug und bremst so sanft ab, um auf den gebührlichen Abstand zum Vordermann zu kommen, dass es den Fahrfluss nicht stört. Wäre ich selbst gefahren, wäre ich stärker in die Eisen gegangen – und hätte den Fahrer des Lieferwagens vor mir verflucht.

Jacks Gelassenheit ist ansteckend

Jacks Gelassenheit überträgt sich ganz automatisch auf mich. Ich schaue nicht ständig, ob ich überholen kann, oder ob ein Fahrzeug vor mir auf meine Spur wechselt, wie ich es sonst auf einer dreispurigen Autobahn tun würde. Ich habe nicht das Gefühl auf alle Eventualitäten einer Autobahnfahrt vorbereitet sein zu müssen. Ich bin Beifahrer. Auf dem Fahrersitz.

Stattdessen unterhalte ich mich angeregt mit meinen Mitfahrern, benutze den Rückspiegel nur um Dr. Kiss während seiner Ausführungen über Jack ansehen zu können. Wir gleiten dahin, die Maximalgeschwindigkeit 130 km/h für pilotierte Fahrten erreichen wir auf der vielbefahrenen Strecke bis zum Kreuz Neufahrn ohnehin selten.

Pilotiertes Fahren im Selbstversuch

Vielen Journalisten zeigte Jack schon sein Können – wie hier bei einer Testfahrt. Maximal 130 km/h sind möglich.

 

Jack überholt wo er kann, und er macht es ganz sanft und unaufgeregt. Spurwechsel, bremsen, beschleunigen, alles in einem Flow den ich nicht hinbekomme, wenn ich selbst fahre. Dafür fahre ich zu gern zu sportlich, auch dort, wo es eigentlich sinnlos und nur anstrengend ist.

Fahrer, übernehmen Sie!

Bevor wir das Autobahnkreuz erreichen muss ich übernehmen. Zwei Minuten vor der Übernahme sagt mir Jack: „Please prepare for manual driving.“ Ich schärfe meine Aufmerksamkeit wieder für das Geschehen um mich herum, schaue auf das Display, schaue auf das Navi, auf dem das Ende der Strecke für Autopiloten vor dem Abbiegen auf die A92 Richtung Flughafen angezeigt wird. Dr. Kiss bleibt cooler als ich: „Wir haben noch Zeit. Das war nur die Vorankündigung, die 15 Sekunden vor der Übernahme fangen später an zu ticken.“

Eindrücke von Sandras Fahrt gibt’s hier im Video.

Für mich dauert es fast zu lang. Ich bin schon wieder ins Gespräch vertieft, als Jack ankündigt: „Piloted Mode will be deactivated in 15 seconds. Please take over driving.“ Noch ist die Anzeige auf dem Armaturenbrett grün, bei 10 Sekunden wird sie orange, und ein Countdown zählt hörbar runter. Ich warte noch einen Moment, dann wird sie rot und ich übernehme das Steuer, das Jack mir bereits wieder in Fahrposition geschoben hat.

Hochautomatisiert ist noch nicht autonom

Hochautomatisiert? Vollautomatisiert? Autonom? Was ist denn da der Unterschied? Um die Entwicklungsstufen und Fähigkeiten von Fahrzeugen auseinander halten zu können und es so auch dem Gesetzgeber einfacher zu machen die Gesetze für automatisiert fahrende

Fahrzeuge besser anpassen zu können, hat die internationale Ingenieurs- und Automobilindustrie-Vereinigung SAE die Norm J3016 herausgegeben. Diese Norm ist sicher sinnvoll, die Level-Aufteilung im Detail aber hübsch kompliziert und manchmal sind die Grenzen fließend.

Darstellung der Sensoren im Audi A7 piloted driving concept

Der Audi A7 piloted driving concept greift beim pilotierten Fahren auf eine Vielzahl von Sensoren, Kameras und Scannern zurück.

 

Es gibt zukünftig vier Arten von Autos, deren Automatisierungsgrade in fünf Leveln aufgeteilt wurden. Und zur Differenzierung dieser fünf Level ist es noch wichtig zu verstehen, was der Unterschied zwischen Längsführung und Querführung eines Fahrzeugs ist: vorwärts und rückwärts fahren ist die Längsführung, seitwärts (also lenken) ist die Querführung.

  • Manuelles Fahren Level 0

Manuell bedeutet, dass ein Fahrzeug keinerlei Assistenzsysteme besitzt. Der Fahrer fährt und bremst und lenkt sein Auto alleine.

  • Assistiertes FahrenLevel 1 und Level 2

Das assistierte Fahren ist aufgeteilt in zwei Level.

Bei Level 1, dem assistierten Fahren, kann ein Assistenzsystem entweder die Längsführung ODER die Querführung übernehmen. Ein Beispiel ist der Notbremsassistent Audi Pre Sense, eine automatische Vollbremsung durchführen kann, wenn einem jemand vor das Auto läuft. Den hat jetzt jeder neue Audi serienmäßig an Bord.

Bei Level 2, dem teilautomatisierten Fahren, können die Assistenzsysteme auf Wunsch des Fahrers sowohl die Längs- als auch die Querführung übernehmen. Dabei behält er aber in jedem Fall die Aufsichtspflicht, er muss aufmerksam bleiben und jederzeit in der Lage sein, das Steuer sofort wieder vollständig selbst zu übernehmen. Der Stauassistent mit ACC (Adaptive Cruise Control) ist so ein Assistenzsystem, das im zähfließenden Verkehr auf der Autobahn bei bis zu 60km/h die Führung des Autos übernehmen und in diesem Rahmen beschleunigen, bremsen und lenken kann.

 

Welche Meilensteine Audi bereits im pilotierten Fahren erreicht hat, sehen Sie hier.

  • Pilotiertes FahrenLevel 3 und Level 4

Auch das pilotierte Fahren ist in zwei Level aufgeteilt: Bei Level 3, dem hochautomatisierten Fahren, kann der Fahrer sich schon ein bisschen mehr entspannen, eben so wie ich bei Jack: Das heißt, das Auto kann über weite Teile die Fahrfunktionen übernehmen, wie zum Beispiel lange, dafür vorgesehene Strecken auf der Autobahn zu fahren.

Der Fahrer kann Filme gucken oder Mails checken, muss aber so aufmerksam und wach bleiben, dass er die Fahraufgaben wieder übernehmen kann, wenn das Auto ihn dazu auffordert: Nämlich dann wenn es erkennt, dass die Grenzen seines Systems erreicht sind. Bei Jack ist das zum Beispiel noch bei Baustellen so. Weil die in ihrer Gestaltung immer sehr speziell sind, muss hier ein menschlicher Fahrer übernehmen, und dazu wird der frühzeitig darauf aufmerksam gemacht. Und auch Autobahnen wechseln kann er noch nicht selbst.

Bei Level 4, dem vollautomatisierten Fahren, ist das Auto auf alle Eventualitäten in einem bestimmten Umfeld eingestellt und kann jede dort auftauchende Situation selbstständig lösen. Bei Jack, der eben für die Autobahn optimiert wird, bedeutet das, dass er sowohl Baustellen problemlos nehmen, als auch selbstständig Autobahnen wechseln können wird. Ein anderes Szenario wird der Parkhauspilot sein: Wenn das Parkhaus dafür vorbereitet ist, dann können wir aussteigen und das Auto kann sich selbst seinen Parkplatz suchen.

  • Autonom gefahren werdenLevel 5

Der Level 5 ist das höchste Ziel der Entwickler: Ein Fahrzeug auf Level 5 benötigt keinen Fahrer mehr. Es kennt sich in allen Straßenszenarien aus, es ist auf alle Eventualitäten vorbereitet, und kann überall völlig alleine fahren. Wenn die Entwicklung an diesem Punkt angekommen ist, werden wir vielleicht nicht mal mehr einen Führerschein brauchen.

Ich sehe entspannten Fahrzeiten entgegen

Ich fahre gerne Auto, aber heute habe ich festgestellt, dass ich mich auch gern fahren lasse. Oft höre ich „Ich kaufe mir doch kein Auto, um mich dann fahren zu lassen! Braucht kein Mensch!“

Dann fällt mir immer mein Ur-Onkel Peter ein, mit dem ich als Kind so gern in seinem schönen alten Heckflosser mit roten Ledersitzen und weiß gelacktem Lenkrad spazieren gefahren bin. Ich erinnere mich, wie er augenzwinkernd über den Nachbarn lästerte, der in seinem Neuwagen bereits eine diese neumodischen Servolenkungen eingebaut hatte. „Servolenkung, das ist doch was für kleine Mädchen!“ lachte er und knuffte mich.

Der Innenraum des Audi A7

Der Innenraum des Audi A7 piloted driving concept. Sobald das Steuer wieder übernommen werden soll, meldet sich Jack freundlich zu Wort.

 

Und dann sah ich ihm dabei zu, wie er sein schweres Auto mit Ächzen und Krächzen mit diesem riesigen Lenkrad in eine Parklücke kurbelte. Und es brauchte immer mehrere Anläufe, bis wir dann endlich ins Eiscafé gehen konnten. Die Automatisierung der Fahraufgaben wird uns nicht den Spaß am Fahren nehmen, sondern uns alles abnehmen, was keinen Spaß macht, anstrengend ist und uns Zeit raubt.

Zeitgewinn durch pilotiertes Fahren

Stundenlange Autofahrten, Rumeiern in zähfließendem Verkehr, Parkplatzssuche, das wird in nicht allzu ferner Zukunft passé sein. Vielleicht wird es nicht mal mehr zähfließenden Verkehr geben, weil alle Fahrzeuge miteinander im Flow sein können und die menschgemachten Ursachen für Stau einfach nicht mehr da sein werden.

Und wenn ich Lust auf Fahren habe, die Strecke geeignet und frei ist, dann werde ich das Steuer übernehmen und mit einem Kerl wie Jack mit gut 240 Sachen über die Autobahn fliegen. Weil ich dann ausgeruht bin, und weil ich dann den Spaß an so einem Auto genießen kann. Wobei, was heißt hier eigentlich Kerl? Jacks Stimme ist weiblich. Vielleicht ist Jack die Abkürzung von Jacky und das hochintelligente Fahrzeug am Ende eine echte Lady? Wer weiß.

Danke für dieses entspannte Date, Jacky.


2 Antworten auf Audi A7 piloted driving im Test

  1. Karl Schlotter 20.07.2017 um 12:34 #

    Wie und wo kann ich mich für eine Fahrt bewerben?

    • Stephanie Huber 20.07.2017 um 13:58 #

      Hallo Herr Schlotter,

      ich nehme an, Sie wollen sich für die pilotierte Fahrt im Audi A7 piloted driving bewerben. Einige Plätze sind schon an Audi on demand-Kunden und Miles & More-Teilnehmer vergeben, aber es gibt auch noch ein paar Plätze über unsere Kollegen von Facebook Audi Deutschland. Einfach dort unter den Post von gestern kommentieren und dann werden Sie mit etwas Glück für die Aktion ausgelost. Ich drücke Ihnen auf jeden Fall die Daumen!

      Herzliche Grüße,

      Stephanie Huber

Schreibe einen Kommentar

Benötigte Felder sind markiert. *

Nach dem Absenden Ihres Kommentars wird dieser durch die Redaktion überprüft und freigegeben.

Wenn Sie zum ersten Mal im Blog kommentieren, müssen Sie einmalig Ihre Identität bestätigen. Dazu erhalten Sie eine E-Mail mit einem personalisierten Link, den Sie für die Verifizierung Ihrer Angaben bitte aufrufen. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.