19.07.2017
Zeitgestaltung im autonom fahrenden Audi
Wie Audi den Tag verlängert: die 25. Stunde im Auto

Wie nutzen wir künftig unsere Zeit im selbstfahrenden Auto? Bloggerin Niloufar Behradi-Ohnacker hat das im Selbstversuch getestet und für Audi in einem futuristischen Fahrsimulator Platz genommen. Dort hat sie nicht nur erlebt, wie sich Autofahren in Zukunft anfühlt, sondern auch völlig neue Ideen für ihre 25. Stunde des Tages entdeckt.

Die Zukunfts-Kapsel von Audi - hier lässt sich die 25. Stunde üben.

Wie nutzen wir die Zeit im Auto? In der Zukunft, wenn das Fahrzeug autonom fährt, kann sich der Fahrgast anderen Aufgaben widmen. Audi erforscht zusammen mit dem Fraunhofer Institut, wie besonders effektive Zeitnutzung aussehen kann.

 

„Wenn man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammen sitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man eine Minute auf einem Ofen, meint man, es wäre eine Stunde.“ So soll Albert Einstein mal die Relativitätstheorie erklärt haben. Einfach und nah an der Realität. Was ich sehr interessant finde ist, dass hier der Zusammenhang zwischen Zeit und dem Empfinden besonders deutlich wird. Wie wir Zeit wahrnehmen hat demnach also was mit unseren Gefühlen zu tun und wie die Außenwelt auf uns einwirkt. Ein Konzept, das mit der Metapher der 25. Stunde aufgegriffen wird.

Die 25. Stunde: Zeit neu messen

Wer neue Wege gehen will, muss viel Bekanntes über Bord werfen, ja, man muss sogar mutig sein um das Alte, das Gewohnte aufzugeben. Bezogen auf das Autofahren heißt das: Steuer loslassen und die Kontrolle abgeben. Wir sind es gewohnt, ins Auto zu steigen, den Sitz für die optimale Sicht einzustellen, den Motor zu starten und den Gang einzulegen. Wir haben die volle Kontrolle über all das, weil uns das Sicherheit vermittelt. Vom Sitzen bis hin zum Koordinieren und Lenken des Autos. Doch was passiert, wenn wir diese Kontrolle komplett abgeben? Uns nur noch ins Auto setzen und intelligente Systeme für uns all das übernehmen?

Audi Experte Christian Günthner erklärt

Christian Günthner, Audi Projektleiter „25. Stunde“ erklärt Bloggerin Niloufar Behradi den Aufbau des futuristischen Fahrsimulators.

 

Wenn das Auto das Fahren übernimmt, stellt sich aber auch die Frage, was wir mit unserer neu gewonnen Zeit anfangen wollen. Denn mit dem autonomen Fahren steht uns künftig etwa eine Stunde, genauer 50 Minuten, mehr im Alltag zur Verfügung. Eine Stunde, in der wir nicht mehr konzentriert hinter dem Lenkrad sitzen, sondern entspannt das tun können, worauf wir gerade Lust haben.

Straßenkreuzung mit hohem Verkehrsaufkommen

Der Verkehr der Zukunft: Wie muss ein Audi-Erlebnis aussehen, wenn alle Marken selbstfahrende Autos auf dem Markt haben?

 

Was genau Kunden in dieser neu gewonnene Zeit machen wollen und wie das Premiumerlebnis im selbstfahrenden Auto künftig aussieht, erforscht  Audi gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). Audi stellt sich im Projekt „25. Stunde“ die Frage, wie der Innenraum im Roboterauto gestaltet werden soll, um dem Nutzer die Fahrt so angenehm wie möglich zu machen. Kurz: Wie muss ein echtes Audi-Erlebnis aussehen, wenn quasi alle Marken selbstfahrende Autos auf dem Markt haben?

Quality time, producitve time, down time: Menschen nutzen Zeit auf ganz verschiedene Weise. Dieses Video erklärt die Nutzungstypen.

Futuristischer Fahrsimulator lässt Zukunft erleben

Erstmals in Berührung gekommen bin ich mit dem Konzept der „25. Stunde“ auf dem Audi Summit, dem beeindruckenden Markenevent am 11. Juli 2017 in Barcelona.  Dort konnte ich die Gelegenheit nutzen, mir zum Thema „25. Stunde“ ein eigenes Bild zu machen. Und zwar in einem futuristisch aussehenden Fahrsimulator – vom Innenraum so groß wie ein Audi A1, ohne Lenkrad, dafür aber mit großen Projektionsflächen. Nach einer ausführlichen Erklärung des Projekts durften wir uns zu viert in die Zeitkapsel begeben.

Die Zeitkapsel von Audi

Eine sehr lebensnahe Simulation: Im futuristischen Fahrsimulator macht Audi die Zeitnutzung im selbstfahrenden Auto mit großen Projektionsflächen erlebbar.

 

Während wir in der Simulation durch das nächtliche Barcelona fuhren – eine sehr lebensnahe Simulation – wurden wir mit verschiedenen Sinneseindrücken konfrontiert: Ein ankommender Facetime-Anruf projiziert auf den Scheiben, Anweisungen der sprechenden Off-Stimme und Anzeigen von weiteren Daten, darunter Vitalwerte, auf der Scheibe neben mir. Diese Idee fand ich irgendwie besonders attraktiv: Der Mensch vernetzt mit dem eigenen Auto.

Erklärungsgrafik

Audi forscht an der Zeitnutzung im Auto der Zukunft. Welche einzelnen Aspekte dabei eine Rolle spielen, erklärt diese Grafik.

 

Apropos Vitalwerte: Eine Hirnstrommessung wie beim ursprünglichen Versuch von Audi und dem Fraunhofer IAO war vor Ort nicht möglich. Aber während der kompletten Simulation wurde die Hautleitfähigkeit gemessen (Galvanic Skin Response) – ein Indikator für körperliche Erregung. So bekam man eine Idee, an welcher Stelle der Experience man eher entspannt oder emotional involviert war.

Die gefühlte eine Stunde mehr

„Die Seele reist mit der Geschwindigkeit eines Kamels“ – so heißt es in einem arabischen Sprichwort. Besonders, wenn ich eine lange Autofahrt mit hoher Geschwindigkeit hinter mir habe, muss ich ab und zu an dieses Sprichwort denken. Einmal ist es mir auch schon passiert, dass ich am Ziel beim Entspannen immer noch die vorbeirauschende Autobahnspur vor mir sah. Es ist ein angespanntes und erschöpftes Gefühl zugleich. Hinzu kommt, dass ich die Zeit mit nichts anderem verbracht habe, als damit, mich auf die Straße zu konzentrieren. Auf diese mentale Belastung würde ich in Zukunft sehr gerne verzichten, dafür eine Stunde mehr Zeit bekommen und entspannt ankommen, weil ich das Lenkrad abgegeben habe.

Bloggerin und Audi Expertin

Wer im Auto fährt muss sich auf den Verkehr konzentrieren – Das Konzept der 25. Stunde verändert diese Denkweise. Der Fahrer wird zum Fahrgast und kann sich seinen eigenen Aufgaben widmen.

 

Wie schön wäre es, wenn am Morgen, wenn der Kreislauf noch nicht fit ist und man noch vor sich hin döst, eine stimulierende Massage am Rücken und an den Füßen die Lebensgeister wecken würde? Wellness unterwegs, auf dem Weg zur Arbeit. Genial!

Gemeinsam mit den Kindern Karten spielen, ist etwas, wofür ich mir meist im Urlaub Zeit nehmen kann. Aber warum nicht während der Autofahrt? Gemeinsam am Tisch sitzen und sich unterhalten, eine Runde UNO spielen und die Ergebnisse vom Kniffel-Spiel vom Bordcomputer festhalten, damit man das nächste Mal nicht nach einem Stück Papier suchen muss.

Hab ich schon erwähnt, dass in meiner Wunschvorstellung die Spielkonsole zuhause mit dem Auto verbunden ist und die Kids unterwegs extra Punkte sammeln können? Man stelle sich vor, es wäre möglich, Mario Kart in augmented reality auf der Autowindschutzscheibe zu spielen und extra Punkte zu ergattern.

25. Stunde – mehr als Zukunftsmusik

Die 25.Stunde ist für Audi mehr als nur Zukunftsmusik – das wurde auf dem Audi Summit sehr deutlich. Es ist eine Reise, auf der jeder eingeladen wird, der sich für die Mobilität von morgen interessiert. Gerade in den urbanen Regionen, in denen nicht nur der Platz, sondern auch die Zeit knapp ist und die Uhren etwas schneller ticken, wird das Konzept der extra Zeit nicht nur für Privatmenschen interessant.

Viel befahrene Straße

Das Projekt „25. Stunde“ folgt der Annahme, dass eine intelligente Mensch-Maschine-Schnittstelle individuelle Präferenzen der Nutzer lernt und sich flexibel anpasst. Das macht das Autofahren in Zukunft noch angenehmer.

 

Soviel sei gesagt: Meine extra Stunde, die ich unterwegs verbringe, wird viel entspannter. So ganz ohne das Gefühl auf einem heißen Ofen zu sitzen. Darauf freue ich mich am meisten!


Eine Antwort auf Wie Audi den Tag verlängert: die 25. Stunde im Auto

  1. Frank Höhne 31.07.2017 um 09:15 #

    Wenn (und so steht das in dem Artikel) die Seele mit der Geschwindigkeit eines Kamels reist, kann das nur heißen, daß man sich ganz bewusst dem Reisen widmen sollte: Wenn ich lese dann lese ich und wenn ich fahre dann fahre ich (und zwar selbst und nicht automatisiert). Falls ich nicht selber fahren will, dann kaufe ich mir eine Bahnfahrkarte und laß das Auto stehen. Und: Wenn ich fahren will, dann fahre ich selbst. Am deutlichsten wird dieses Prinzip beim Motorrad fahren. Das ist Genuß pur! Auto fahren kann (fast) genauso sein. – Wenn wir als Automobilindustrie also das Fahrerlebnis (Auto fahren darf und soll durchaus Spaß machen!!!) streichen, dann fällt als nächstes und ganz automatisch die Identifikation mit dem Fahrzeug weg. Genau dies wäre der Anfang vom Ende unserer Zunft. Wozu soll ich mir dann noch ein Auto kaufen? Wer sich fahren lassen will fährt heute schon Taxi, Bus oder Zug. Und wer diesen Schritt geht der braucht selber kein Auto mehr zu besitzen.

    Vermutlich werden wir unsere Industrie mit autonomem Fahren ein Stück weit überflüssig machen. Das können wir doch nicht wollen, oder?

    Laßt uns bitte weiter an Assitenzsystem arbeiten. Aber nehmt dem Fahrer nicht das Lenkrad und die Pedale weg.

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