Benedikt Still
25.07.2017
Fahrdynamik des neuen Audi A8 im Test - Teil 1
Wie ein Wassereimer einen VIP-Chauffeur herausfordert

Die Kunst des Chauffierens: Der Engländer Eddie Sinclair betreibt seit vielen Jahren einen VIP-Chauffeur-Service und testete noch vor der Weltpremiere des Audi A8 die neue Luxuslimousine. Für den Komfort-Check trifft der Brite auf den Mann, der Audi-Fahrwerken gute Manieren beibringt: Victor Underberg.

Chauffeur Eddie Sinclair vor dem neuen Audi A8.

Der Meisterfahrer: Eddie Sinclair betreibt seit vielen Jahren einen VIP-Chauffeur-Service in England – und chauffiert VIP-Gäste in seiner Limousine. Seine Fahrkünste probiert er heute am neuen Audi A8 aus.

Audi A8: Das Fahrzeug wird noch nicht zum Kauf angeboten. Es besitzt noch keine Gesamtbetriebserlaubnis und unterliegt daher nicht der Richtlinie 1999/94/EG.

http://www.audi.de/DAT-Hinweis

 

Die Sonne blitzt hinter dunklen Wolken hervor und taucht das Audi-Fahrerlebniszentrum in eine malerisch-schöne und gleichzeitig bedrohlich wirkende Lichtstimmung. Idyllisch liegt das graue Asphaltband der Teststrecke inmitten einer von gelb leuchtenden Butterblumen übersäten Wiese. Doch die Idylle trügt, denn die Prüfstrecke ist Ort einer ungewöhnlichen Zusammenkunft: Chef-Entwickler trifft auf Profi-Chauffeur. Ihr Auftrag: Überprüfen, ob der neue Audi A8 das Zeug zur ultimativen Chauffeur-Limousine hat. Ihr Auto: Ein mit Tarnfolie beklebter A8-Erlkönig.

 

Victor Underberg leitet bei Audi die Entwicklung Fahrwerkseigenschaften und erhofft sich von Chauffeur Eddie Sinclair ein unbestechliches Urteil zur Sanftheit des völlig neu entwickelten aktiven Fahrwerks. Mit dem Briten hat die Audi-Fahrwerksentwicklung einen Meister seines Fachs gefunden.

Chauffeur Eddie Sinclair öffnet die Tür des neuen Audi A8.

Das galante Türöffnen ist für einen Chauffeur elementar. Um seinem Fahrgast den größtmöglichen Komfort zu bieten, öffnet Eddie Sinclair die Tür bis zum Anschlag und lässt sie anschließend sanft ins Schloss gleiten.

 

Erfahrungsschatz und Meinung eines Mannes, der mehr Kilometer als ein hauptberuflicher Entwicklungsingenieur abspult, haben Gewicht – und lehren so manchem Verantwortlichen bei Audi das Fürchten. Showdown für einen Test der ungewöhnlichen Art: Kann das neue Flaggschiff den Vollblut-Chauffeur überzeugen?

Ein britischer Gentleman im neuen Audi A8

Eddie Sinclair ist ein britischer Chauffeur der alten Schule. Für den Chef eines VIP-Chauffeur-Service südlich von Oxford gehören elegantes und seriöses Auftreten zum Berufsethos. Dunkelgrauer Anzug, weißes Hemd, rot-weiß gestreifte Krawatte und schwarz glänzende Lederschuhe stehen sinnbildlich für sein stilvolles Unterstatement.

Chauffeur Sinclair steigt in den neuen Audi A8 ein.

Er fährt sie alle: Die Liste der Klienten von Sinclair reicht von Hollywood-Star Nicole Kidman bis Google-Chef Larry Page. Das Who ist Who unserer Zeit.

 

Seit 20 Jahren chauffiert er seine Kunden im Dienste des Fahrkomforts, und der Audi A8 ist seit jeher das Arbeitsmittel seiner Wahl. Der Brite fuhr alle Generationen der Oberklasse-Limousine, kennt das Fahrverhalten bis ins kleinste Detail und kann das Auto fast schwerelos über den Asphalt bewegen.

 

 

Die Liste seiner Klienten liest sich wie ein Who-is-Who unserer Zeit. Auf ihr finden sich Hollywood-Größen und Politiker, Musikstars und Wirtschaftsbosse – von Schauspielerin Nicole Kidman bis Google-Chef Larry Page. Sinclair ist eine stattliche Persönlichkeit, mit fast 190 Zentimetern Köpergröße, Halbglatze und Kurzhaarfrisur hinterlässt er durchaus Eindruck. Sein Gesichtsausdruck ist ernst, der Blick durch seine eckige Brille kühl. Ein Lächeln kommt ihm eher selten über die Lippen. Was die Marotten der prominenten Passagiere angeht, hüllt er sich in Schweigen. „Berufsehre! Wenn ich aus dem Nähkästchen plaudere, kann ich mir einen neuen Job suchen. Niemand wird mehr in mein Auto steigen“, erklärt der 46-jährige Engländer sachlich.

Ein Wassereimer als Komfortmesser

Nach kurzer Einweisung darf Sinclair hinter dem Steuer des getarnten A8-Prototyps Platz nehmen. Ungeduldig wartet er darauf, dass sich die Schranke zur Teststrecke öffnet. „Keine Probefahrt, wir legen direkt mit einigen Tests los“, schlägt Audi-Entwickler Underberg vor und stellt einen randvoll mit Wasser gefüllten Eimer auf die Motorhaube.

 

„Das Wasser darf nicht überschwappen, wir wollen sehen, ob das Auto maximal komfortabel zu fahren ist.“ Sinclair scherzt: „Fast so aufregend, wie Johnny Depp zu fahren, aber ich werde natürlich mein Bestes geben!“ Dann beschleunigt er die Luxuslimousine sanft. Seine beiden Hände halten das Lenkrad in Viertel-vor-drei-Stellung, weil das Lenken so besonders sanft ausfällt. Das Wasser im Eimer bewegt sich kaum, selbst nach einigen Kurvenfahrten bleibt die Motorhaube trocken.

Chauffeur testet Federung mit Wassereimer

Jetzt darf nichts mehr wackeln: Wie gut das Aktivfahrwerk tatsächlich Bodenwellen ausgleicht, zeigt der Test mit dem Wassereimer.

 

„Es fühlt sich an wie auf Schienen, der Aufbau bleibt total ruhig. Tolles Fahrverhalten, sehr sanftes Abrollen. Ich kann sogar schneller aus der Kurve beschleunigen, ohne den Komfort zu beeinträchtigen. Genau das, was du als Chauffeur brauchst“, lautet der erste Eindruck des Briten, als ihn Underberg mit einer winkenden Handbewegung auffordert, das Tempo auf dem anspruchsvollen Handlingkurs weiter zu erhöhen. Doch eine Sturmflut bleibt auch jetzt aus – statt überzuschwappen, gerät der Eimer auf der Haube ins Rutschen.

Audi A8 mit Wassereimer.

Schafft es die Kombination aus Chauffeur und Aktivfahrwerk, dass kein Wasser aus dem Eimer schwappt und die Haube trocken bleibt?

 

„Super Job, Eddie. Zeit für etwas Spaß, gib Gas!“, animiert ihn der Entwicklungsleiter und stellt das Fahrwerk in den Dynamikmodus. Der Chauffeur entgegnet lächelnd: „Mit Vergnügen, Sir!“ Der getarnte A8 rast auf eine fast 90 Grad scharfe Kurve zu – und die Physik fordert ihren Tribut. Beim Anbremsen schießt der Wassereimer von der Haube, schlägt mit einem dumpfen Krachen auf der Fahrbahn auf und zerspringt innerhalb von Sekundenbruchteilen.

Ein Chauffeur mit Gelassenheit

„Auftrag erfüllt, wir haben den Eimer runtergehauen“, sagt Sinclair augenzwinkernd. „Kein Problem, wir haben Ersatz“, entgegnet Underberg, legt eine Zigarre auf das Armaturenbrett und weist seinen Fahrer ein: „Mal sehen, wie sich das Fahrwerk auf den Innenraum auswirkt. Wenn die Zigarre nicht wegrollt, darfst du sie behalten.“

Die Zigarre auf dem Amaturenbrett im Audi A8.

Als erstes Serienautomobil der Welt ist der neue A8 speziell für hochautomatisiertes Fahren entwickelt. So übernimmt der Audi AI Staupilot auf Autobahnen und Bundesstraßen mit baulicher Trennung im zähfließenden Verkehr bis 60 km/h die Fahraufgabe. Mit echtem Chauffeur am Steuer ist eine ruhige Fahrt ohnehin garantiert.

 

Mit gewohnter Gelassenheit zirkelt Sinclair das Auto über die Strecke, die Zigarre immer fest im Blick. Sie verharrt regungslos an ihrer Position. „Eigentlich bin ich ja Nichtraucher“, sagt Sinclair trocken und steuert von der Teststrecke.

Die Geschichte rund um VIP-Chauffeur Sinclar geht weiter: Lesen Sie am 27. Juli weitere Hintergründe zur Entwicklung des neuen Audi A8 und zu welchem Testurteil Sinclair kommt.


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