Kate Glitter
10.08.2017
Oldtimerfestival auf Schloss Dyck
Classic Days: Wo die Liebe hinfährt

Fashion-Bloggerin trifft Motorsport-Legenden: Bei den Classic Days auf Schloss Dyck präsentiert Audi viele Jahrzehnte Motorsport-Historie. Neben dem „Alpensieger“ trifft Bloggerin Kate Glitter auch Rennfahrer Walter Röhrl – und stellt am Ende fest: Mode und Motorsport sprechen die gleiche Sprache.

Audi bei den Classic Days Schloss Dyck

Bloggerin Kate Glitter im Audi Typ C, mit dem Audi die Motorsport-Geschichte des Unternehmens begründete.

 

Es ist wie eine Zeitreise, zu der ich jedes Jahr Anfang August aufbreche, um Legenden zu begegnen. Ja, bereits zum fünften Mal besuche ich nun schon die Classic Days auf Schloss Dyck im wundervollen Rheinland – ein faszinierendes Oldtimerfestival mit spannenden Rennfahrer-Legenden, lauten Motoren und alten Karosserien.

Ein Event, welches jedes Jahr aufs Neue spannend und unerwartet für mich ist. Anfangs noch im Zweier-Gespann, dann irgendwann mit Hund, ein Jahr später mit unserem Sohn und nun schwanger mit Kind Nummer Zwei macht es mir unheimlich Spaß, den Charme des Vergangenen immer wieder anders zu begegnen.

Auf einen Plausch mit Walter Röhrl

Zu den diesjährigen 12. Classic Days hatte ich die ganz besondere Ehre, auf einen Plausch mit dem deutschen Racing-König Walter Röhrl eingeladen zu sein. Anlässlich seines 70. Geburtstages wurden die besten Autos aus Röhrls Motorsport-Helden-Jahren im Fahrerlager der Autostadt aufgefahren – der Opel Ascona 400 von 1982, der Audi Sport Quattro S1 „Pikes-Peak“ von 1985, der Lancia Rallye 037 Gruppe B von 1983 sowie der Ford Capri RS 2600 aus dem Jahr 1972.

Audi bei den Classic Days Schloss Dyck

Eines der gezeigten Audi-Schmuckstücke auf Schloss Dyck: Der Audi Rallye quattro A2.

 

Ihr könnt Euch also vorstellen, was dort los war: ein wahrer Gaumenschmaus für alle Röhrl- und Rallye-Fans. Und ich also mittendrin. Fashion-Bloggerin meets Rallye-Gott. Doch ich kann euch sagen: Mein Mann war noch aufgeregter als ich, als wir Walter Röhrl ziemlich entspannt neben dem Fahrerlager im Pressezelt begegneten.

Classic Days: Fashion-Bloggerin meets Rallye-Gott

Der große Mann mit den langen Beinen, von dem ich mir kaum vorstellen konnte, dass er sich in den engen Rallye-Autos wohlfühlen konnte, war bestens gelaunt, schaute neugierig auf meinen Fragenkatalog und musste lachen, als ich von ihm wissen wollte, wie schnell er heute Morgen auf der Autobahn gefahren sei. Doch er blieb ganz cool und sagte mir, dass er nicht so gerne bremst und somit ganz entspannt bei 160 km/h oder 180 km/h seine Wege zurücklegt.

Audi bei den Classic Days Schloss Dyck

Bloggerin Kate Glitter im Gespräch mit Rallye-Legende Walter Röhrl.

 

Privat fahre er einen Porsche 911 Turbo und einen VW Bus, seine für ihn ideale Kombination: das eine Auto hat Platz, das andere Dampf. Ich konnte mir nicht verkneifen, ihn zu fragen, ob auch seine Frau mal neben ihn ans Steuer dürfe. „Na klar“, antwortete er, jedoch nur in der Stadt, auf der freien Bahn fahre immer er.

Auf die Frage, ob er lieber vorwärts oder rückwärts einparke, antwortete er mir ziemlich verschmitzt „rückwärts“, denn der zügige Start, wenn es mal schnell losgehen soll, sei der Wichtigste.

Nervenkitzel im Audi S1

Nun aber zum Rallyesport. Welches war wohl das Lieblings-Rallyeauto des 14-fachen Rallye-WM-Siegers, wenn er auf seine lange Erfolgsgeschichte, die 1973 begann, zurückblickt? Der Audi S1. Die Antwort kam, ohne dass er lange überlegen musste. Es war das Auto, das ihn am meisten faszinierte, allein schon von der Kraft her während der „Hochzeit“ im Rallyesport. In seinen Augen war ein Leuchten zu sehen, als er mir verriet, dass seine spannendste Rennstrecke die Rallye in Monte Carlo gewesen sei.

Im Winter bei Schnee und Eis in den Bergen, hier fühlte er sich wohl, der Nervenkitzel war enorm. Ja, dies war seine Lieblingsveranstaltung, wenn er auf etliche zurück blickt. Einen Glücksbringer habe er nie bei sich gehabt; eine gute Vorbereitung und das Gefühl, es schaffen zu können, haben ihm immer gereicht.

Da ich wusste, dass meine nächste Station an diesem Tag die Begegnung mit dem Audi Alpensieger Typ C sein würde, wollte ich natürlich unbedingt noch von Walter Röhrl wissen, ob er ihn auch schon einmal gefahren sei.

„Leider nein“, sagte er, obwohl es ihn schon sehr reizen würde, gerade mit diesen alten Autos von Audi, mal eine Runde über die Rennstrecke zu drehen. Zu guter Letzt erzählte er mir noch von seinen Highlights der Classic Days, dass er die entspannte Atmosphäre liebe, den Anblick des Wasserschlosses genieße und sich freue, seine alten Weggefährten wiederzusehen.

Zu Besuch beim Alpensieger

Wie ihr euch vorstellen könnt, hätte der Tag bei den Classic Days für mich nicht besser starten können, doch es wurde in der Tat noch aufregender. Denn angekommen im Audi-Lager, begegnete ich zum ersten Mal dem Alpensieger von 1919. Ein 98 Jahre alter Tourenwagen, der hauptsächlich für Bergfahrten eingesetzt wurde. Beeindruckend und faszinierend, wenn man bedenkt, dass dieses Vorkriegsmobil ohne große Technik von Hand gefertigt wurde.

Zunächst einmal erwischte ich Audi Historiker Ralf Hornung bei der Vorbereitung auf unsere spätere Fahrt, um ihm einige Geheimnisse dieses alten Gefährts zu entlocken. Dabei erfuhr ich zum Beispiel, dass August Horch seine Firma 1909 verließ, Audi gründete und sich auch im Motorsport engagierte. Und zwar mit genau diesem Audi 14/35 PS Typ C.

Audi bei den Classic Days Schloss Dyck

Die Audi Tradition besitzt zwei Typ C-Wagen. In einem davon, dem Gelben aus dem Baujahr 1919, fuhr Kate Glitter über die Rennstrecke bei Schloss Dyck.

 

Seine österreichische Alpenfahrt machte ihn damals bekannt; ein Rennen, bei dem nicht der Schnellste gewann, sondern der Zuverlässigste. Damit bei diesem Rennen, das über mehrere Tage, über mehrere Pässe ging, nicht schummeln konnte, wurden die Motorhaube und der Kühlerverschluss verplombt, denn so konnte niemand etwas reparieren oder gar nachfüllen.

Ein Rennen über mehrere Tage

Am Auto durfte man nur am Abend zwei Stunden unter Aufsicht eines abgedienten Offiziers arbeiten. War trotzdem etwas kaputt und die Haube musste geöffnet werden, so gab es Strafpunkte. Alle fünf Audi 14/35 PS Typ C blieben tatsächlich ohne Strafpunkte Und gewannen damit dem Alpenwanderpreis. Wenn man sich vorstellt, dass die Fahrbahnen längst nicht so schön geteert waren wie unsere heute und dass die steilen Bergfahrten zur ziemlichen Belastung für Bremsen und Motoren werden konnten, war dies eine wahre Meisterleistung jener Zeit.

Der Pokal steht heute noch im Audi Museum Mobile. Von nun an hatte der Audi 14/35 PS Typ C den Spitznamen Alpensieger weg, nachdem er den Pokal 1912 und 1913 zum dritten Mal in Serie gewann. Heute ist dieser Wagen das älteste zugelassene Auto von Audi. Wahnsinn, ein Gänsehaut-Moment für mich.

Audi bei den Classic Days Schloss Dyck

Audi Typ C, 14/35 PS, 3,5-Liter-Vierzylindermotor in Reihe, 35 PS. Der originale „Alpensiegerwagen“ mit dem August Horch 1914 die Österreichische Alpenfahrt siegreich meisterte.

 

Doch der Erfolg des Alpensiegers währte nur kurz. Denn nach dem gewonnenen Sieg im Juni 1914 begann im Juli der erste Weltkrieg und August Hoch startete die Kriegsproduktion, bei der der Audi 14/35 PS Typ C zum Teil mit Ladefläche versehen oder sogar zum Lkw umgerüstet wurde.

Mit Wanderer Stromlinie Spezial zum Rennstart

Erst nach Kriegsende 1918 wurde die Produktion des Alpensiegers wieder aufgenommen. Aus dieser Zeit stammt dieses, auf Schloss Dyck ausgestellte Stück, in gelber Original-Alpensieger-Lackierung, den Österreich-Ungarn-Farben, als Referenz auf den Veranstalter.

Audi bei den Classic Days Schloss Dyck

Den ersten Motorsport-Erfolg erzielte der Audi Typ C „Alpensieger“ – ein 35 PS-starker offener Tourenwagen.

 

Wer damals ein solches Auto bestellte, konnte es allerdings in jeder gewünschten Farbe bekommen. Man musste nur bedenken, dass die Farben damals gepinselt und nicht lackiert wurden und sich die zusätzliche Wartezeit bis zur vollständigen Trocknung somit auf Wochen belaufen konnte.

Ralf Hornung verriet mir auf den Classic Days, dass einer der fünf Originalwagen, der an der Alpenrallye teilgenommen hatte, heute noch im deutschen Museum in München steht. Wer also einmal vor Ort sein sollte, darf einen Besuch bei diesem Wunderwerk nicht vergessen.
Nun stieg auch meine Aufregung ins Unermessliche – nur noch wenige Minuten bis zum Rennstart.

Audi bei den Classic Days Schloss Dyck

Vom 4. bis 6. August konnte Bloggerin Kate Glitter die große Bandbreite der Audi-Motorsport-Geschichte in all ihren Facetten erleben.

 

Doch bevor ich im Alpensieger Platz nehmen durfte, begegnete ich zuvor einer ganz anderen Legende, dem Wanderer Stromlinie Spezial. Ein Langstrecken-Rennwagen von 1938, der mich durch die Schlossallee zum Start bringen sollte.

Ein Tag mit Legenden bei den Classic Days

Während einer kurzen Wartezeit erzählt mir sein Fahrer Robert Meierhöfer von dem atemberaubenden Gefühl, ein so altes Auto „unterm Hintern“ zu haben, welches für die Auto Union 1939 auf der Fernfahrt Lüttich-Rom-Lüttich den Mannschaftpreis heimfuhr. Man muss sich vorstellen: 4.000 Kilometer ohne Pause. Eine Wahnsinns-Leistung für ein Rennen in den 30er Jahren.

Und dann ging es auch schon los: drei Runden auf der Dyck Rennstrecke, auf die ich bisher nur sehnsüchtig als Zuschauerin blickte. Mit Wind in den Haaren, einem Grinsen im Gesicht und dem Wanderer Stromlinie Spezial im Rückspiegel, saß ich winkend ganz still im Alpensieger.

Audi bei den Classic Days Schloss Dyck

Die Classic Days Schloss Dyck gelten als das „deutsche Goodwood“. Im klassischen Ambiente des Wasserschlosses Dyck bei Neuss bietet die Veranstaltung einen bunten Mix aus Gartenparty, Oldtimer-Clubtreffen, Concours d‘Elegance und Motorsport mit mehr als 400 historischen Autos.

 

Nach einem Tag mit all den Legenden fühlte ich mich dem ganzen Rennsport wieder ganz anders verbunden. Ich blicke nun wieder einmal ehrfürchtiger auf die Automobilbaukunst zurück und wertschätze die heutige Zeit mit all seiner Technik umso mehr.

Mode und Motoren – für Kate Glitter passt das wie Topf auf Deckel

Wo die Liebe hinfährt – ich danke meinem Mann dafür, dass er mich mit dem Motorsport wie bei den Classic Days gezeigt so angesteckt hat und dass Mode und Motoren doch dieselbe Sprache sprechen.

 


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