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24 Stunden abseits der Rennstrecke

Bei den 24 Stunden von Le Mans war einiges los. Allerdings nicht nur auf der Rennstrecke. Camping, Chaos und der Kampf gegen die Müdigkeit: Blog-Autor Timo Pape hat sich umgeschaut, was während des Langstreckenklassikers noch so los war.

 Viele Fans haben es sich direkt neben der Rennstrecke gemütlich gemacht.
Viele Fans haben es sich direkt neben der Rennstrecke gemütlich gemacht.
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Die 24 Stunden von Le Mans sind weit mehr als ein Autorennen – sie sind ein internationales Volksfest. Was die hundertausenden Besucher abseits der Rennstrecke erwartet, ist schlichtweg Nonplusultra. Aus diesem Grund habe ich mir das Gelände rund um den Circuit des 24 Heures etwas genauer angesehen, um davon zu berichten. Ziel war, so lange wie möglich durchzuhalten, sodass mir nichts Wesentliches entgeht. Mein Erfahrungsbericht beginnt mit dem Rennstart am Samstag und endet mit der Zieldurchfahrt 24 Stunden später.

15:00 Uhr: Mein erster Start in Le Mans

Durch einen alten Tunnel, der dezent an einen Horrorfilm erinnert, unterquere ich die Start- und Zielgerade, auf der gerade munteres Treiben herrscht. Das Fahrerfeld macht sich bereit für den Rennstart. Via Fahrstuhl gelange ich in die Audi Sky Lounge, die hoch oben über der Strecke thront. Zwischen VIP-Gästen und Ordnungskräften hindurch gelange ich ans Geländer und erhasche einen atemberaubenden Blick über die Startaufstellung. Dann gehen die Piloten in die Einführungsrunde. Der beißende Geruch von Gummi steigt auf, während die Fans auf den vollbesetzten Tribünen die französische Nationalhymne schmettern. Ausgelassene Festival-Stimmung. Wenig später biegen die Fahrer wieder auf die Start- und Zielgerade ein – das Rennen ist freigegeben!

24 Stunden von Le Mans 2015

Der Zuschauerblick auf die Kurve Indianapolis.

 

21:41 Uhr: Indianapolis und Playstation

Die Sonne geht langsam unter, und ich will noch ein paar schnelle Autos bei Licht fotografieren. Vor der Audi Racing Arena – meiner Basis an diesem Wochenende – nimmt mich ein Shuttle-Bus mit. Erstes Ziel ist die Kurve Indianapolis. Mitten im Wald und hinter Fangzäunen reihe ich mich zwischen einigen Fans ein und verfolge das Rennen. Die Sonne ist mittlerweile verschwunden, die Mücken werden aktiv. Weiter geht es über holpriges Gelände, bis wir an der Playstation-Kurve ankommen. Nur wenige Meter trennen mich von der Rennstrecke. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Mittlerweile ist es dunkel, ich fahre zurück.

0:20 Uhr: Tourneestart

Kurz nach Mitternacht mache ich mich wieder auf den Weg. Ziel ist die Dunlop-Kurve mit ihrem weltbekannten Bogen, der als Treppe über die Strecke führt. Wer denkt, das Gelände leere sich allmählich, irrt. Mir kommen mehr Fans denn je entgegen. Kleine Gruppen stimmen französische Schlachtrufe an, die sich in einem grell erleuchteten Tunnel potenzieren. Zwar habe ich mir gerade eben noch einen Espresso gegönnt, trotzdem werden die Augenlider zum ersten Mal schwer. Ich fühle plötzlich mit den Fahrern mit, die schon seit knapp zehn Stunden unterwegs sind.

24 Stunden von Le Mans 2015

Der lange Weg hinauf zum Dunlop-Bogen.

 

1:28 Uhr: Konzert am Dunlop-Bogen

Ich habe mein Ziel erreicht und stehe jetzt im Dunlop-Bogen. Der Boden des Fußgängerüberwegs besteht aus Holzbrettern. Ich spüre jedes einzelne Auto, das unter mir hindurchrast, in Mark und Bein. Als ich aus dem Bogen herausschreite, schallen mir schwungvolle Hip-Hop-Remixes entgegen. Etwa 200 Meter entfernt von mir performt ein DJ auf einer opulenten Bühne. Die bunten Scheinwerfer bestrahlen eine tanzende Menschenmenge. Das Konzert ist gut besucht, die Stimmung ausgelassen.

1:45 Uhr: Jahrmarkt

Mein Rückweg führt mich zwischen Partyzelten und Fressbuden hindurch. Nachdem sich die Tribünen an der Strecke etwas gelichtet haben, steppt hier der Bär. Gerüche verschiedenster Köstlichkeiten steigen mir in die Nase. Gleichzeitig fährt eine Bimmelbahn an mir vorbei, die ausgelassene Fans in Richtung Fahrerlager bringt. Inmitten einer Menschenmasse schnappt sich ein Fremder das Fahrrad eines anderen Mannes und tritt in die Pedale. Obwohl der ehemalige Besitzer zwei Meter daneben steht, kann er dem Dieb nur noch hinterherfluchen. Ich halte meine Kamera jetzt fester.

2:32 Uhr: Safari auf dem Campingplatz

Ich habe mir einen Roller geschnappt und erkunde die schier endlos erscheinenden Campingareale. Viele Fans liegen bereits in ihren Zelten, obwohl das Heulen der Motoren allgegenwärtig ist. Respekt dem, der bei diesem Lärm schlafen kann. Vereinzelt sitzen noch kleine Gruppen vor ihren Zelten, manche haben ein Feuer gegen die Kälte entfacht. Auch direkt an der Strecke haben es sich viele Camper in ihrem Schlafsack bequem gemacht – bei maximaler Lautstärke.

24 Stunden von Le Mans 2015

Mit dem Motorroller hat Autor Timo Pape die Campingplätze erkundet.

 

3:36 Uhr: Nachtmahl

Ich habe den Campingplatz hinter mir gelassen und wärme mich in der Audi Racing Arena auf. Zum zweiten Mal meldet sich die Müdigkeit. Ebenso der Hunger. Zum Glück gibt es auch zu dieser Zeit noch deftige Burger an der Buffettheke. Nach einer weiteren Stunde sind nur noch die Hartgesottenen verblieben. Viel gibt es nicht mehr zu sehen, außerdem habe ich die Chance, mit einem Kollegen ins Hotel im Stadtzentrum zu fahren. Also packe ich gegen 4:30 Uhr ebenfalls zusammen. Eine halbe Stunde später kommen wir endlich los. Es wird hell. Um 5:40 Uhr falle ich ins Bett.

8:10 Uhr: Böses Erwachen

Ein Vibrieren reißt mich nach knapp zweieinhalb Stunden aus dem Schlaf. In weiser Voraussicht hatte ich zwei Wecker gestellt, von denen ich den ersten tatsächlich nicht gehört habe. Ich fühle mich wie von einer Dampfwalze überrollt, die Augen sind rot wie Feuer und brennen auch so. Heute Morgen hört man die Rennwagen sogar bis ins Hotel, das gut sieben Kilometer entfernt liegt. Nach einer warmen Dusche geht es zurück an die Strecke, wo ich um 9:45 Uhr zuerst an der Kaffeestation Halt mache.

15:00 Uhr: Aus, aus, aus!

In diesem Moment sitze ich wie schon vor 24 Stunden in der Audi Sky Lounge. Diesmal verfolge ich jedoch die Zieldurchfahrt.  Zwar hat es für Audi in diesem Jahr nicht ganz zum Sieg gereicht, trotzdem war es ein packendes Rennen. Und wenn ich alle Erlebnisse abseits der Rennstrecke dazunehme, war es wirklich ein spannendes Wochenende. Jetzt heißt es erst einmal: Schlaf nachholen.

24 Stunden von Le Mans 2015
24 Stunden von Le Mans 2015
24 Stunden von Le Mans 2015
24 Stunden von Le Mans 2015
24 Stunden von Le Mans 2015
24 Stunden von Le Mans 2015
24 Stunden von Le Mans 2015
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