Die beiden Audi Markenschützer bei der Arbeit am Schreibtisch

Plagiaten auf der Spur III: Wo Audi drauf steht, soll auch Audi drin sein

Wie Audi Mitarbeiter gegen Markenschutzverletzungen vorgehen

Die vier Ringe stehen für Audi. Doch es gibt immer mehr Fälschungen auf dem Markt, die diese Aussage trüben. Händler vertreiben Plagiate aus China illegal in der ganzen Welt unter dem Namen Audi. Blog Autorin Julia Rothecker hat die Audi Markenschützer gefragt, wie sie tagtäglich vorgehen, um die Marke und ihre Kunden zu schützen.

Fälschungen aus China
Plagiate sind auf den ersten Blick nicht immer zu erkennen. Deswegen sorgen die Experten aus dem Audi Markenschutz für die Sicherheit der Kunden.

„Auch die weiteste Reise beginnt mit dem ersten Schritt“ – Gemäß dieser chinesischen Lebensweisheit begann vor zehn Jahren die Arbeit von Serhyi Jewtymowycz im Produkt- und Markenschutz bei Audi in China. Mit einem Testkauf auf einem asiatischen Markt legte er den Grundstein für seine Jagd auf Produktfälscher.

Heute muss er nicht mehr nach Asien reisen, um Plagiate zu kaufen. Internetplattformen sind schwerpunktmäßig zum Ort des Vertriebs geworden. Und genau hier setzt der Markenschützer an…

Eine Wasserpumpe versehen mit den „Vier Ringen“ wird auf eBay als Audi Ersatzteil verkauft. Der Preis liegt weit unter dem Preis des Herstellers Audi. Ein verlockendes Angebot für Autobesitzer, bei dem viele nicht widerstehen können.

Auch Serhyi schlägt zu. Nicht aber, um ein Schnäppchen zu machen. Die Wasserpumpe ist ein wichtiges Indiz. Ein Indiz, um Händler von Plagiaten ausfindig zu machen.

Es dauert nicht lange, bis das Teil auf seinem Tisch liegt. Noch weniger lange dauert es, bis er es als Plagiat identifiziert hat. In 99 Prozent der Fälle erkennt Serhyi eine Fälschung auf den ersten Blick. Seine Expertise hat er sich in 35 Jahren in verschiedensten Bereichen bei Audi angeeignet.

„Wichtige Anhaltspunkte sind die Werkzeuge, aus denen die Ersatzteile gefertigt werden. Bei der Plagiate-Herstellung fehlen oft bestimmte Eigenschaften, die jedoch bei Original Audi Teilen die Qualität ausmachen“, erklärt Serhyi. Ein detaillierter Vergleich von Audi-Teilen und Fälschungen oder Materialproben offenbaren die Unterschiede.

Auf der Suche nach Indizien untersucht Serhyi Autoteile im Lager.
Der Audi Markenschützer Serhyi lagert unzählige Plagiate, um auch zu einem späteren Zeitpunkt noch nachvollziehen zu können, welche Teile durch chinesische Fälscher imitiert und verkauft werden.

Im Fall dieser Wasserpumpe ist es aber noch einfacher: Rechtschreibfehler auf der Verpackung und eine schlechte Verarbeitung. Und dennoch das Audi Logo darauf. Dieses Ersatzteil ist eindeutig eine Fälschung.

Bei offensichtlichen Rechtschreibfehlern auf Verpackungen von Autoersatzteilen sollten auch Käufer stutzig werden: Sie sind meist der erste Hinweis auf Fälschungen.

Juristische Maßnahmen Sorgen für Abschreckung

Als Versender des Pakets ist ein Allerweltsname angegeben. Sicherlich nicht die wirkliche Identität des Händlers, der sich durch die Anonymität des Internets sicher fühlt.
Ein Fall für die Justiz. Hier kommt Theresa Bartoszek mit ins Spiel – eine der drei Volljuristen der Abteilung. Sie arbeitet seit zwei Jahren als Syndikusrechtsanwältin bei Audi und geht auf juristischer Ebene gegen Markenschutzverletzungen vor.

Theresa Bartoszek ist eine der Anwältinnen, die bei Audi gegen Markenschutzverletzungen kämpft
Juristin Theresa kennt sich in der rechtlichen Welt der Fälschungen aus: Sie verfolgt nicht nur aktuelle Fälle, sondern beobachtet auch Veränderungen im Rechtssystem.

Serhyi und sie sind sich einig: Jeder Fall, der eine Rechtsgrundlage bietet, muss juristisch verfolgt werden. Das bietet die größtmögliche Abschreckung. Denn Produkte unter dem geschützten Namen Audi im geschäftlichen Verkehr zu verkaufen, kann strafbar sein. Die rechtlichen Maßnahmen reichen dabei von Abmahnungen, bis hin zu Zivilklagen und Strafverfahren, je nach schwere des Vergehens.

Dabei ist der Handel mit Plagiaten ist kein Kavaliersdelikt: In Deutschland sind Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren möglich.

Zusammenarbeit von Audi und den Behörden

Die enge Kooperation mit den Behörden ist besonders wichtig. Denn Audi tritt bei der Verfolgung von Fälschern als Unterstützung auf, die Verurteilung ist Aufgabe der Behörden. Durch genaue Dokumentation und ausreichende Beweise, oder aber durch die Expertise beim Identifizieren von Plagiaten, unterstützen Theresa und Serhyi die Ermittlungen. Vor Gericht treten sie als Zeugen oder Nebenkläger auf.
Auch mit dem Zoll arbeitet Audi Hand in Hand. „Ein Grenzbeschlagnahmeantrag ermöglicht, dass stichprobenartig auffällige Pakete und Container inspiziert und verdächtige Waren an uns weitergeleitet werden“, sagt Theresa. Können die Audi-Mitarbeiter Plagiate eindeutig identifizieren, werden die Fälschungen von der Zollbehörde zurückgehalten und bestenfalls vernichtet. Die Adressen der Empfänger und Versender dokumentiert Serhyi akribisch, um die Teile zurückzuverfolgen.

Die Audi Markenschützer arbeiten Hand in Hand mit den chinesischen Behörden, um die Produktion der Fälschungen im Ursprung zu verhindern.

Handel mit Plagiaten ist ein weltweites Problem

Viele Fälschungen kommen aus China – ein rein chinaspezifisches Problem sind sie aber nicht. Zwar werden etwa 90 Prozent der Plagiate in China produziert, der Handel ist jedoch weltweit verbreitet. Die USA, Russland und Europa liegen im Fokus der Händler. Ganz vorne mit dabei: Deutschland. Die Heimat der Marke Audi ist gleichzeitig einer der Hauptvertriebsmärkte.

Überall, wo die Händler Fälschungen verkaufen, werden sie von den Markenschützern verfolgt.
„Besonders wirksam ist momentan die Verfolgung auf dem niederländischen Markt. Dieser bietet die Besonderheit, dass neben Durchsuchungen bei Verdächtigen auch die Konten eingefroren werden. Diese finanzielle Einschränkung übt zusätzlichen Druck auf Händler aus, sodass wir Hintergrundinformationen und schnelle Einigung bekommen“, sagt Theresa.

Hier schließt sich der Kreislauf, denn diese Hintergrundinformationen können wichtige Aufschlüsse über das Händlernetzwerk bieten.

Eine Landkarte zeigt die Regionen, die besonders von Plagiaten betroffen sind.
Serhyi zeigt, in welchen Märkten Händler Plagiate vertreiben und in welchen Regionen der Audi Markenschutz bereits Erfolge gefeiert hat.

Strategisches Vorgehen gegen Fälscher

Dabei ergibt ein Fall den nächsten: Durch Adressen auf Paketen und Visitenkarten, Zahlungsrückverfolgungen oder Hinweise in Vernehmungen entwickelt sich ein riesiges Puzzle. Und jeder neue Fall ist dabei ein Puzzleteil, über das sich das Gesamtbild der Beziehungsgeflechte ergänzen lässt.
Eröffnen die Ermittlungen den Verdacht, dass der Vertreiber in großem Stil mit Plagiaten handelt, so sind auch Razzien in den Lagerräumen möglich.
Die Heimat der Plagiate ist jedoch die chinesische Fälscherhauptstadt Wenzhou. Hier werden Audi Teile in großem Stil gefälscht. Wöchentliche Razzien in den Produktionsstätten sollen das Problem am Ursprung bekämpfen, damit Fälschungen nicht in den weltweiten Handel gelangen. Auch dort schlägt Serhyi häufig auf, um nach dem Rechten zu sehen und den Fälschern das Handwerk zu legen…

Lesen Sie im nächsten Artikel, welche Umstände in den Fälscherbetrieben herrschen.

Die Produktion von Plagiaten

Die Herstellung der Plagiate konzentriert sich vor allem auf den chinesischen Raum. Hier greifen die Markenschützer als Unterstützung der Behörden ein, um die Entstehung von neuen Fälschungen zu verhindern und die Fälscher zu verfolgen.

Wenzhou wird auch die Hauptstadt der Plagiate genannt. Hier finden täglich Razzien in Produktions- und Lagerräumen statt.

1/3

Die vier Ringe der Marke Audi sind geschützt. Die Fälscher versuchen jedoch, sich an der Marke zu bereichern und Produkte unter dem Namen zu verkaufen.

2/3

Die Herstellung von Plagiaten ist bereits zu einer Massenproduktion geworden.

3/3

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

1.9.0