Arbeitswelt von morgen

Mehr Spielraum für die Mitarbeiter

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Arbeitswelt von morgen

Arbeit von zu Hause oder Schichtplanung per App – Audi erforscht verschiedene Ansätze, um die Arbeit von morgen zu gestalten. Im Doppelinterview sprechen Wilhelm Bauer vom Fraunhofer IAO und Jochen Haberland, Leiter Audi Personalpolitik, über flexiblere Gestaltung des Arbeitsalltags.

Gearbeitet wird auf der Arbeit  Klingt schlüssig, aber auch irgendwie altbacken. Gerade junge Menschen sehnen sich zunehmend nach mehr Freiheiten im Beruf.

Mit der Betriebsvereinbarung „Mobiles Arbeiten“ hat Audi den Grundstein für eine künftige Flexibilisierung der Arbeit gelegt. Wilhelm Bauer diskutiert gemeinsam mit Jochen Haberland über die Arbeitswelt von morgen. Die Fragen für das Audi Blog stellte Timo Pape.

Arbeitswelt von morgen
Wilhelm Bauer ist Leiter des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) sowie des Instituts für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT) der Universität Stuttgart. Dort ist er unter anderem verantwortlich für Forschungs- und Umsetzungsprojekte zum Thema Leben und Arbeiten in der Zukunft.

Wo liegt das Potenzial eines flexibleren Arbeitsalltags?

Bauer: Flexiblere Arbeit hat einfach sehr viele Vorteile, denn die Beschäftigten können ihr Leben selbst gestalten. Sie können ihr Privatleben einfacher organisieren und Familie und Beruf noch besser vereinen. Das Problem ist oftmals, dass Unternehmen nicht verstehen, was in diesem Bereich überhaupt möglich ist. Außerdem gibt es meist eine geteilte Meinung in der Belegschaft. Die eine Hälfte möchte unbedingt flexibel arbeiten, die andere Hälfte gar nicht. Zunächst einmal müssen die Führungskräfte verstehen, dass beides richtig ist. Es gibt kein Gut oder Schlecht, beides ist normal. Die Vielfalt der Bedürfnisse ist der positivste Aspekt dieses Themas.

Haberland: Das Potenzial liegt darin, dass die Mitarbeiter zufriedener sind. Junge Mitarbeiter beispielsweise, die in Elternzeit gehen. Irgendwann möchten sie wiederkommen und etwa in Teilzeit arbeiten, gerade auch in der Produktion. Das scheitert aber leider oft daran, dass der Schichtbetrieb bisher recht starr organisiert ist. Wir müssen es schaffen, diese hochqualifizierten Mitarbeiter zu halten, zu fördern und ihnen mehr Spielraum zu geben.

Welche Möglichkeiten bietet Audi seinen Mitarbeitern in Bezug auf flexibles Arbeiten?

Haberland: Seit 1. Oktober 2016 gilt bei Audi eine Betriebsvereinbarung, nach der alle Mitarbeiter grundsätzlich einen Anspruch auf mobiles Arbeiten haben, sofern es ihre Arbeitsaufgabe ermöglicht. Mobilfähig muss übrigens nicht zwangsläufig bedeuten, einen ganzen Tag von zu Hause aus zu arbeiten; es kann genauso gut eine Stunde am Morgen oder am Abend sein.

Wo soll es hingehen in der zukünftigen Arbeitswelt?

Haberland: Wir wollen auch in der Fabrik flexibler werden, also etwa in der Montage. Innerhalb der getakteten Arbeit ist das nur schwer möglich. Aber wir arbeiten an anderen Ansätzen, um auch den Arbeitnehmern in der Montage mehr Flexibilität zu ermöglichen. Dafür laufen aktuell an beiden deutschen Audi-Standorten Pilotprojekte. Zum einen lassen wir dabei die Anfangszeiten variieren, zum anderen teilen wir die Schichten in Blöcke auf, die sich idealerweise an den Pausenzeiten orientieren. Block eins wäre zum Beispiel von sechs Uhr bis zur ersten Pause kurz nach acht Uhr. Die Mitarbeiter des Pilotprojekts können selbst entscheiden, in welchen Blöcken sie arbeiten möchten – mal die ersten beiden Blöcke, mal den ganzen Tag und mal nehmen sich eine Freischicht. Diese Planung könnte künftig über eine App gelöst werden. Meldet sich ein Mitarbeiter an, ist klar, an welchen Arbeitsplätzen er mit seinen Kompetenzen eingesetzt werden kann.

Bauer: Das halte ich organisatorisch für eine wirklich gute Lösung. Viele behaupten, so etwas funktioniere in der Fabrik nicht. Aber eigentlich gibt es schon heute in jeder Abteilung flexible Abläufe, wenn mal jemand krank wird oder zwischendurch ausfällt. Jeder weiß, wie er mit so einer Situation umgehen muss. Wenn ein signifikanter Anteil der Beschäftigten befürwortet, sich von den klassischen Präsenzzeiten zu lösen, dann entsteht eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Es bräuchte nur ein bisschen mehr Kommunikationsaufwand.

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Im Rahmen der Audi-internen Vortragsreihe „Perspektive Verantwortung“ hat sich Blog-Autor Timo Pape mit Jochen Haberland und Wilhelm Bauer über die Arbeitswelt von morgen unterhalten.

Durch die Möglichkeit zum Home Office wird künftig weniger Kommunikation von Angesicht zu Angesicht stattfinden. Leidet darunter nicht die Qualität der Ergebnisse?

Haberland: Grundlage für die mobile Arbeit sind immer klare Absprachen untereinander. Nehmen wir das Beispiel Teilzeit: Auch bei diesem Arbeitsmodell ist jedem in der Abteilung klar, dass der Mitarbeiter zum Beispiel nur vormittags da ist. Dementsprechend muss man eben alle relevanten Themen bis zum Mittag besprochen haben. Das ist planbar. Die Qualität des Arbeitsergebnisses soll natürlich stimmen. Darauf muss jeder Mitarbeiter, egal ob zu Hause oder im Büro, größten Wert legen.

Bauer: Viele Studien belegen sogar, dass das Arbeiten von zu Hause extrem produktiv ist. Auch weil sich diese Mitarbeiter besonders ins Zeug legen, um gegen ein bislang weit verbreitetes Image anzukämpfen, auf dem Balkon zu liegen. Dem ist im Normalfall nicht so. Berührungspunkte zwischen Home Office und Büro gibt es natürlich trotzdem. Sie müssen optimiert werden – durch Organisation und kluge Führung. Gelingt dies, wirkt es sich positiv auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter sowie die Arbeitsqualität aus.

Inwiefern ist es sinnvoll, den Arbeitsplatz zur Wohlfühloase für Mitarbeiter zu machen?

Bauer: Wohlfühlen ist immer gut. Ich halte es aber nicht für sinnvoll, die Mitarbeiter so sehr ans Unternehmen zu binden, dass sie nur noch dort sind. Entscheidend ist am Ende, dass fruchtbare Kommunikation zwischen den Mitarbeitern entsteht. Dabei kann die Gestaltung der Räumlichkeiten eine wichtige Rolle spielen und zum Beispiel die Kreativität der Mitarbeiter fördern.

Haberland: Zu diesem Zweck machen wir uns bei Audi viele Gedanken zur Büroraumgestaltung. Wir bieten zum Beispiel Kommunikationsecken an, statt einfach nur Schreibtisch an Schreibtisch zu stellen. Auch Teeküchen sind oft zentral und offen gelegen, sodass sich Mitarbeiter mal beim Kaffee treffen und austauschen können. An vielen Stellen können wir sicherlich noch besser werden, aber insgesamt funktioniert das schon ganz gut.

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Jochen Haberland ist Leiter der Audi-Abteilung Personalpolitik/Grundsatzfragen. Er beschäftigt sich unter anderem mit der Ausgestaltung von Arbeitsbedingungen und Zukunftskonzepten für die Arbeitswelt von morgen.

Theoretisch können Mitarbeiter auch nach Dienstschluss mobil von zu Hause weiterarbeiten. Muss ein Unternehmen seine Mitarbeiter vor sich selbst schützen?

Haberland: Ja, auf jeden Fall. Aber hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Natürlich denken wir an die Gesundheit unserer Mitarbeiter und wollen wir die Arbeitszeitgesetze einhalten. Gleichzeitig arbeiten wir als internationales Unternehmen weltweit in verschiedenen Zeitzonen und brauchen Flexibilität. Das Wichtigste wird sein, Vertrauen zu den Mitarbeitern aufzubauen und ihnen Eigenverantwortung zu übertragen.

Um unsere Mitarbeiter zu schützen, haben wir in unserer neuen Betriebsvereinbarung eine Tabuzeit von 22 bis 6 Uhr festgelegt, in der weder gearbeitet noch telefoniert werden soll. Sollte es Auffälligkeiten geben, sodass zum Beispiel regelmäßig Mails um Mitternacht kommen, muss die entsprechende Führungskraft handeln. Wir schulen unsere Manager regelmäßig, um sie gerade zu diesen Themen zu sensibilisieren.

Bauer: Natürlich wird es immer Ausnahmen geben, in denen die Regelzeiten nicht einzuhalten sind. Wenn es mal in China brennen sollte, und niemand in Deutschland ans Telefon geht, ist auch keinem geholfen. Die Verantwortung liegt hier zu Teilen auch beim Abteilungsleiter, der das richtige Gespür für die jeweilige Situation haben muss. Es gibt auch strikte Ansätze – etwa den Mailversand während der Tabuzeiten technisch zu verhindern.

Das ist aber nicht gut, denn Leute, die unbedingt arbeiten wollen, werden immer einen Weg finden – etwa mit der privaten Mailadresse. Wir brauchen keine Überwachungswelt, sondern einen sensitiven Umgang miteinander. Wir brauchen klare Regeln, aber eben auch nicht ohne Ausnahme. Und wir brauchen eine Verantwortungskultur für dieses neue, offenere und mobilere Arbeiten. Respektvoller Umgang statt starre Regeln – das hat auch viel mit Führung zu tun.

 

Dieses Interview entstand im Rahmen der Audi-internen Vortragsreihe „Perspektive Verantwortung“, die sich verstärkt um den Austausch und die Vernetzung von Audi-Mitarbeitern mit Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft kümmert. Dabei geht es vor allem um den Blick über den Tellerrand, darum, die gewohnten Ansichten bewusst zu hinterfragen und die Meinung Externer zu diskutieren.

 

Im Rahmen der Audi-internen Vortragsreihe „Perspektive Verantwortung“ hat sich Blog-Autor Timo Pape mit Jochen Haberland und Wilhelm Bauer über die Arbeitswelt von morgen unterhalten.

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Die Möglichkeit, mobil arbeiten zu können, wird gerade für junge Mitarbeiter immer wichtiger.

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Jochen Haberland ist Leiter der Audi-Abteilung Personalpolitik/Grundsatzfragen. Er beschäftigt sich unter anderem mit der Ausgestaltung von Arbeitsbedingungen und Zukunftskonzepten für die Arbeitswelt von morgen

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Wilhelm Bauer ist Leiter des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) sowie des Instituts für Arbeitswirtschaft und Technologiemanagement (IAT) der Universität Stuttgart. Dort ist er unter anderem verantwortlich für Forschungs- und Umsetzungsprojekte zum Thema Leben und Arbeiten in der Zukunft.

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Moderne Arbeitswelt bei Audi: Neue Betriebsvereinbarung „Mobiles Arbeiten“
Aus dem Audi MediaCenter

Moderne Arbeitswelt bei Audi: Neue Betriebsvereinbarung „Mobiles Arbeiten“

Verbindliche Kriterien für mobiles Arbeiten: Unternehmensleitung und Gesamtbetriebsrat der AUDI AG haben eine neue Betriebsvereinbarung verabschiedet. Mitarbeiter erhalten künftig noch mehr Freiräume und Möglichkeiten, Beruf und Privatleben miteinander zu verbinden. Erstmals haben die Beschäftigten Anspruch darauf, ortsunabhängig und zeitlich flexibel zu arbeiten, wenn es mit der Aufgabe vereinbar ist. Die Regelungen sind Teil eines umfassenden Konzeptes für die zukünftige Arbeitswelt bei Audi.

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