Porträt von Nikolai Ardey, Leiter Entwicklung Antrieb

Die Mission 2025 heißt 'null Emissionen'

Werte der auf dieser Seite beworbenen Fahrzeuge:

Audi A3 Sportback g-tron: CNG-Verbrauch in kg/100 Kilometer: 3,5 – 3,3; Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 5,4 – 5,1; CO2-Emission kombiniert in g/km (CNG): 96 – 89; CO2-Emission kombiniert in g/km (Benzin): 126 – 117;

Audi A4 Avant g-tron: CNG-Verbrauch kg/100 km: 4,4 – 3,8; Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 6,5 – 5,5; CO2-Emission kombiniert in g/km (CNG): 117 – 102; CO2-Emission kombiniert in g/km: 147 – 126;

Audi A5 Sportback g-tron: CNG-Verbrauch in kg/100 Kilometer: 4,2 – 3,8; Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 6,3 – 5,6; CO2-Emission kombiniert in g/km (CNG): 114 – 102; CO2-Emission kombiniert in g/km (Benzin): 143 – 126;

Audi Q7 e-tron 3.0 TDI quattro: Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 1,9 – 1,8; Stromverbrauch kombiniert in kWh/100 km: 19,0 – 18,1; CO2-Emission kombiniert in g/km: 50 – 48.

Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz. // www.audi.de/DAT-Hinweis

Nikolai Ardey über die Audi Antriebsstrategie

Das langfristige Ziel der Antriebsstrategie: null Emissionen. Wie sieht die Strategie dahinter aus? Wo steht Audi heute und welche Hindernisse gibt es? Blog-Autor Andreas Wittke hat im Gespräch Nikolai Ardey, Leiter Entwicklung Antrieb, Antworten gefunden.

Audi verfolgt in der Antriebsentwicklung ein sehr ambitioniertes Ziel: null Emissionen. Wie wollen Sie das schaffen?

Null Emissionen sind eine Vision, ein Ansporn – 2025 werden wir das sicher nicht zu 100 Prozent erreicht haben. Wir setzen bis dahin auf einen Mix aus verschiedenen Antriebstechnologien. Im Fokus steht dabei die Elektrifizierung unserer Fahrzeuge. Bis 2025 ist jeder dritte Audi elektrifiziert, der neu produziert wird, ein reines Elektrofahrzeug sein. Damit wir dieses Ziel erreichen können, müssen unsere Elektroautos begehrlich und alltagstagstauglich sein, eine anständige Reichweite besitzen und Fahrspaß bieten. Ergänzend dazu konzentrieren wir uns noch stärker auf Hybridfahrzeuge – die elektrifizierten Verbrenner, sogenannte Mild- und Plug-in-Hybride, werden bis 2025 zwei Drittel der verkauften Autos ausmachen.

Nikolai Ardey im Interview mit Audi-Blogautor Andreas Wittke.
Mit Leidenschaft bei der Sache: Nikolai Ardey erklärt Blog-Autor Andreas Wittke die Antriebsstrategie von Audi.

Sie sprechen das Thema Alltagstauglichkeit an: Was unternimmt Audi, um die Reichweite zu erhöhen und die Ladeinfrastruktur zu verbessern?

Dieses Thema hängt von vielen Faktoren ab. Wenn ein E-Auto bisher 160 Kilometer theoretische und im Winter nur 80 Kilometer tatsächliche Reichweite hat, ist das natürlich zu wenig. Jedoch werden sich Batterietechnologie und Infrastruktur in den nächsten Jahren stark weiterentwickeln und verbessern. Unser Technologieplan sieht vor, dass unsere Elektroautos zukünftig 500 bis 600 Kilometer mit einem Ladevorgang schaffen. Bei der Ladeinfrastruktur müssen sich Automobilhersteller und Politik zusammensetzen, um eine Lösung zu finden. Gute Ansätze und die finanziellen Mittel sind bereits vorhanden. Die größten Hemmnisse stellen bisher die Umsetzungsgeschwindigkeit und die bürokratischen Hürden dar, wie zum Beispiel Platz für Strom-Tankstellen zu finden. Das klingt vielleicht trivial, ist es aber leider keineswegs.

Wie passt Fahrspaß zur (e)mission zero? Müssen Audi-Kunden zukünftig auf sportliche Antriebe verzichten?

Da mache ich mir keine Sorgen. Alle E-Auto Fahrer, die ich bisher getroffen habe, waren hellauf begeistert. Die Vorteile liegen doch auf der Hand: Ich kann sofort spontan das volle Drehmoment nutzen. Auch ein Mildhybrid bietet großen Fahrspaß. Mit Hilfe eines elektrisch angetriebenen Verdichters zeigt er ein Anfahrverhalten wie ein E-Auto.

Audi e-tron Sportback concept auf der Auto Shanghai 2017.

Audi präsentierte auf der Frühjahrsmesse Auto Shanghai 2017 den Audi e-tron Sportback concept, der Vorreiter für das zweite reine Elektroauto von Audi ist. Das erste Elektroauto kommt 2018 auf den Markt: der Audi e-tron.

Welche Konsequenzen hat die Antriebsstrategie für das jetzige Produktportfolio?

Wir werden bis 2025 weiterhin Verbrennungsmotoren anbieten. Jedoch elektrifizieren wir diese sukzessive flächendeckend. Hier setzen wir vor allem auf unsere Plug-in- und Mild-Hybride als Brückentechnologie. Diese setzen dort an, wo das rein elektrisch angetriebene Auto bisher nicht funktioniert.

In welchen Fällen funktionieren reine Elektroautos noch nicht?

Wenn etwa ein Vertriebsmitarbeiter jeden Tag eine sehr lange Strecke fährt. Für ein komfortables Reisen braucht es Schnellladesäulen mit kurzen Ladezeiten entlang der großen Verkehrsachsen. Ein flächendeckendes Netz gibt es heute noch nicht. Deshalb treibt Audi gemeinsam mit anderen Automobilherstellern den Aufbau eines High-Power-Charging-Netzwerks voran. Bis 2020 sollen rund 400 Schnellladestationen entstehen. Gleichzeitig vereinen unsere Plug-in-Hybride schon heute das Beste aus beiden Welten und bieten eine große Reichweite.

Welche anderen Alternativen sehen Sie neben den Hybriden?

Synthetische Kraftstoffe, sogenannte e-fuels – aus erneuerbaren Energien, Wasser und CO2 oder aus Reststoffen wie Stroh und Grünschnitt, hergestellt – besitzen enormes Potenzial. ein Auto, das mit e-fuels betrieben wird, fährt nahezu CO2-neutral.

"Die Batterie ist das Teuerste am E-Auto. Es ist absehbar, dass die Batteriekosten langfristig sinken."

Nikolai Ardey, Leiter Entwicklung Antrieb

Wie serienreif und massentauglich ist das?

Mit unserem g-tron sind wir bereits in Serie gegangen. Mit dem Audi e-gas sinken die Kohlendioxid-Emissionen in der well-to-wheel-Analyse um 80 Prozent. Die Kunden zeigen starkes Interesse. Jetzt müssen wir noch die Infrastruktur ausbauen. Der VW-Konzern arbeitet gemeinsam mit namhaften Gaslieferanten am Ausbau des Erdgas-Tankstellennetzes in Deutschland. Dieses soll von aktuell 900 auf über 2.000 Tankstellen aufgestockt werden. Auf Herstellerseite stehen wir vor einer weiteren Herausforderung: e-fuels werden noch nicht auf die CO2-Flottenwerte angerechnet. Erst wenn die Politik hier nachzieht, können synthetische Kraftstoffe in größerem Maßstab die nächste Generation alternativer Antriebe darstellen.

E-Autos und Hybride sind in der Umweltbilanz bisher nicht besser als Verbrenner. Wie kann Audi Einfluss darauf nehmen, den ökologischen Fußabdruck der Modelle zu reduzieren?

Der rasche Aufbau der regenerativen Stromwirtschaft ist die Grundlage für eine nachhaltige Mobilität. Dabei müssen Automobilhersteller, Politik und Energielieferanten eng zusammenarbeiten.

Ein Pilotprojekt ist unsere Power-to-Gas-Anlage in Werlte. Hier stellen wir synthetisches Erdgas her und speisen es direkt in die Erdgasleitung ein. Damit fahren unsere Audi g-tron Modelle global nahezu klimaneutral. Im Moment testen wir aus, ob die e-gas Produktion auch im großen Stil rentabel ist.

Ein weiterer Kritikpunkt an Elektroautos ist der hohe Preis für den Endkunden. Wird sich hier langfristig etwas ändern?

Kostentreiber Nr.1 ist die Batterie, sie ist das Teuerste am E-Auto. Die Entwicklung der Batterie-Zell-Technologie läuft in rasantem Tempo. Es ist absehbar, dass die Batteriekosten langfristig sinken.

Voraussetzung sind auch neue Spezialisten für den Autobau, oder? Wie stellt Audi das Ausbildungssystem um?

Natürlich brauchen wir eine neue Qualifizierung unserer Mitarbeiter. Der Transformationsprozess ist voll im Gange. Wir haben dafür die sogenannte „EA Akademie“ ins Leben gerufen. Neben internen Weiterbildungen arbeiten wir auch mit der TH Ingolstadt zusammen. Das Thema Elektromobilität ist sehr attraktiv für unsere Mitarbeiter. Viele von unseren ‚Verbrennerexperten’ melden sich und möchten sich weiterbilden.

Der Audi A5 g-tron im Farbton Daytona grey in der Seitenansicht.
Der Audi A5 g-tron ist nach dem A3 Sportback g-tron und dem A4 Avant g-tron das dritte Modell der e-gas Flotte von Audi. Zusammen sind sie ein wichtiger Teil der Audi Antriebsstrategie.

Was sind die nächsten Meilensteine in der Audi Antriebsstrategie?

Der nächste Schritt wird der Audi e-tron sein, der 2018 seine Weltpremiere feiern wird. Auf der Auto Shanghai im März haben wir die Konzeptstudie Audi e-tron Sportback concept vorgestellt und viel positives Feedback erhalten. Mit dem Audi e-tron Sportback starten wir dann ab 2019 ein regelrechtes Feuerwerk: Wir werden in jeder Kernbaureihe ein E-Fahrzeug ausrollen, ergänzend dazu folgen weitere Plug-in-Hybride.

Was sind Stand heute die größten Herausforderungen, um ein reines E-Auto auf den Markt zu bringen?

Wir haben als Premiumhersteller den Vorteil, dass wir die E-Mobilität beginnend mit dem Top-Segment einführen können. Die größte Herausforderung ist die Ausrollung in den Volumensegmenten – gerade vor dem Hintergrund der hohen Batteriekosten.

"Es geht künftig nicht mehr darum so viele Autos wie möglich zu verkaufen, sondern so viele Kilometer wie möglich."

Nikolai Ardey, Leiter Entwicklung Antrieb

Wie sieht Ihre Zukunftsvision aus? Wie werden sich unsere Städte dadurch verändern?

Ich sehe eine Stadt, in der zu 100 Prozent emissionsfreie Autos lautlos und autonom fahren. Es wird keine Ampeln mehr geben und keine Staus. Shared-Mobility löst die Platznot in den Städten. Die Parkplätze weichen Grünflächen, da die Autos in entfernte Parkhäuser zum Laden fahren. Dies führt zu einer neuen Dimension an Lebensqualität in den Städten.

Für uns Automobilhersteller bedeutet dieses Szenario ein massives Umdenken: Es geht nicht mehr darum, so viele Autos, sondern so viele Kilometer wie möglich zu verkaufen. Ich brauche nur noch meinem Handy zu sagen, wann mich welches Auto wohin bringen soll. Dahinter steckt ein großes Business-Modell. Wann diese Vision real wird, kann ich nicht sagen, aber wir müssen uns darauf vorbereiten und das tun wir.

Herr Ardey, auf welchen Antrieb setzen Sie privat?

Ich fahre einen Audi Q7 e-tron und habe richtig Spaß daran. Für meinen Arbeitsweg verbrauche ich nur 2,7 Liter Diesel, das auch nur wegen der Autobahn. Nächstes Jahr freue ich mich auf den neuen Audi e-tron, der ist zum Pendeln ideal.

Elektronisch in die Zukunft mit der Audi Antriebsstrategie

Ein Blick unter die Haube der Technik­studie Audi h-tron quattro concept: Das Auto, das Audi erstmals auf der NAIAS 2016 präsentierte, fährt rein elektrisch – mit Wasserstoff als Energiequelle.

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Der A4 Avant g-tron fährt sportlich, effizient und höchst wirtschaftlich zugleich. Als Basis für den Motor dient der neue 2.0-TFSI-Motor mit dem von Audi weiterentwickelten, hoch effizienten Brennverfahren.

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Der Experte erklärt die einzelnen Elemente der Audi Antriebsstrategie am visualisierten Modell.

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quattro-Antriebsstrang
Aus dem Audi MediaCenter

Antrieb

Automatikgetriebe ist nicht gleich Automatikgetriebe und quattro-Antrieb nicht gleich quattro. In diesem Kapitel schlüsseln wir die verschiedenen Technologien auf, erklären die Funktionsweisen und darüber hinaus Begriffe wie Audi valvelift system und Rightsizing.

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