Student setzt Miniaturauto auf Fahrbahn

Die autonome Zukunft im Maßstab 1:8

Audi Autonomous Driving Cup 2018: Künstliche Intelligenz im Fokus

Was haben Karotten, Quietsche-Entchen und die Village People mit Autonomem Fahren zu tun? Sie waren alle Teile des Audi Autonomous Driving Cup 2018. Audi Blog-Autor Andreas Wittke sah neben kuriosen Darbietungen auf dem Fahrteppich vor allem viel reale wie auch künstliche Intelligenz.

Miniaturautos Frontansicht
Die Miniaturautos stehen bereit für das Finale des Audi Autonomous Driving Cup 2018. Der Schwerpunkt lag dieses Jahr auf künstlicher Intelligenz.

Der Fokus lag beim diesjährigen Audi Autonomous Driving Cup (AADC) auf der Entwicklung von selbstfahrenden Autos mit künstlicher Intelligenz. Die acht Studententeams, die es ins Finale geschafft hatten, mussten in den Disziplinen wissenschaftlicher Vortrag, Parcours und Open Challenge ihr ganzes Können zeigen.

Künstliche Intelligenz bedeutete beim AADC zum Beispiel, dass die Teams ihre Autos so programmieren mussten, dass diese über Bilderkennung den Parcours „erlernen“ und dann selbständig umkurven können. Das Schwierige dabei: Ein Bild reicht dafür nicht aus, erst die Masse an Bildern beziehungsweise Daten ermöglichen einen fehlerfreien Durchlauf.

Künstliche Intelligenz: Datenmenge als Erfolgsfaktor

Man kann es vielleicht mit einem Kind vergleichen, das zum ersten Mal eine Straßenkreuzung sieht. Es registriert nicht nur eine Momentaufnahme, sondern saugt alle visuellen – und natürlich auch alle anderen sensorischen – Eindrücke auf. Nur so entsteht ein komplettes „Bild“ der Situation und es lernt dieses einzuschätzen. Wenn also das autonome Auto nur wenige Bilder einer Verkehrssituation gespeichert hat, dann kann es diese auch nicht richtig einschätzen bzw. kann Unvorhergesehenes nicht beurteilen und darauf reagieren.

Die Studenten fanden in den insgesamt fünf Monaten Vorbereitungszeit kreative und ansprechende Lösungen zu dieser Herausforderung – ­auch wenn sie mit ihren selbstfahrenden Modellautos im Audi-Q2-Look die ein oder andere Linie überfuhren und einige Kollisionen mit anderen Autos, Gegenständen oder Barbies verursachten.

Vogelperspektive auf Audi Forum

Reges Treiben im Audi-Forum: Es haben sich einige Zuschauer zum Showdown der Miniaturautos eingefunden.

Automatische Gegenstandserkennung: nicht immer intelligent

Jetzt aber rein in den Wettbewerb: Erstmals mit an Bord des Mini-Audi-Q2 war in diesem Jahr ein Laser-Scanner. Zudem stand den Teams HD-Kartenmaterial des Parcours vorab zur Verfügung. Eine weitere Neuerung war ein Einsatzfahrzeug. Die Autos mussten dieses erkennen, langsam rechts ranfahren und stehen bleiben, sowie an einer Kreuzung immer Vorfahrt gewähren.

Die größte Veränderung zur Strecke des Vorjahreswettbewerbs war eine Rampe, die durch ihre Winkel eine große Herausforderung für die Programmierung der Hinderniserkennung darstellte. Insgesamt meisterten die Teams den Parcours auf dem liebevoll gestalteten Fahrteppich mit Bravour.

Vernetzung autonomer Autos: geniale Lösungen für zukünftige Smart Cities

Bei der Open Challenge zeigten die acht Studententeams ihr kreatives Talent. In diesem freien Wettbewerb mussten sie ihre selbst ausgedachten Projekte vorführen – der Fokus sollte auf Künstlicher Intelligenz und der Vernetzung der Autos untereinander oder mit Smart Devices liegen.

Das Konzept der AlpaKas hat die Jury am meisten beeindruckt: eine Car-to-Car-Lösung für störungsfreie Fahrt. Die Software meldet die Störstelle, beispielweise einen Unfall, an die anderen Fahrzeuge, sodass diese ihr jeweiliges Ziel intelligent mit veränderter Route erreichen können. „Ein Szenario, das im echten Leben sofort angewendet werden könnte“, so Juror Harald Altinger.

Andere Cases zeigten autonome Taxi-Szenarien oder virtuelle Abschlepphilfen. Zwei Teams wussten mit ihrer witzigen Präsentation zu überzeugen: Team Cariosity von der Universität Wedel funktionierte das Auto flugs zum virtuellen Haustier um, dass sich auf Knopfdruck freute und mit den Reifen wackelte.

Zuschauer schauen zu und klatschen
Mit nur zuschauen war es nicht getan: Die Studenten-Teams involvierten die Gäste aktiv beim Parcours – das Team der Uni Erlangen-Nürnberg ließ die Zuschauer YMCA tanzen.

Zudem klebten sie auf das Auto ein Quietsche-Entchen, das einer ferngesteuerten Karotte hinterherfuhr. Das Team FAUtonomous von der Uni Erlangen-Nürnberg animierte die Zuschauer; sie mussten kleine Aufgaben – zum Beispiel YMCA tanzen – bewältigen. Wenn die Aufgabe gemeistert war, erkannte dies ihr Auto und fuhr dann erst weiter.

Globalisierung im Miniaturformat: AADC wird zum internationalen Wettbewerb

In diesem Jahr nahmen erstmals Universitäten aus Italien, England und Österreich teil. Sie schafften es jedoch nicht ins Finale. „Mich freut es, dass sich der Cup bei den Universitäten etabliert hat und inzwischen sogar in Vorlesungen eingebunden ist. Dadurch können wir eine frühe Bindung zu jungen Nachwuchstalenten aufbauen“, erklärt Florian Knabl, Schirmherr des AADC.

3 Miniaturautos beim Parcours
Volle Fahrt voraus: die Minaturautos beim Parcours.

Das Team Cariosity um Felix Maaß von der Universität Wedel zeigt sich ebenfalls begeistert: „Wir sind das erste Mal dabei und hatten auf jeden Fall Startschwierigkeiten. Aber der Cup ist ein cooles Event und wir lernen alle unglaublich viel voneinander. Die Stimmung zwischen den Teams ist locker und entspannt.“  Shih-Jan Lin hingegen nahm bereits vergangenes Jahr teil und hatte damals mit dem Team OptILmDriveX von der Technischen Universität Ilmenau den Wettbewerb gewonnen: „Es ist super, wieder dabei zu sein. Die Herausforderungen waren in diesem Jahr noch größer. Vor allem der neue Parcours stellte uns vor Schwierigkeiten.“

Programmierer gesucht: Den Teilnehmern winken Arbeitsplätze

Auch aufgrund ihrer Leistung bei der Open Challenge konnten sich die AlpaKas aus Karlsruhe schließlich durchsetzen. Ein Preisgeld von 10.000 Euro versüßte ihnen den Gewinn zusätzlich. „Der AADC ist eine Win-win-Situation für beide Parteien. Die Studenten können nicht nur etwas gewinnen, sondern lernen, ein komplettes Projekt zu steuern und schnuppern in die reale Arbeitswelt. Und wir profitieren von frischen Ideen und möglichen Bewerbern“, erklärt Knabl den Mehrwert der Veranstaltung.

Zuschauer blicken auf Miniaturauto bei der Fahrt

Auch die ganz Kleinen begeistern sich für die Miniaturautos.

Etwa 15 Teilnehmer der vergangenen vier Jahre arbeiten jetzt bei Audi – als Werkstudent, Praktikant aber auch in Festanstellung. „Viele der Entwickler könnten wir nach dem Wettbewerb direkt einstellen. Sie haben sich ein halbes Jahr mit unserer realen Entwicklungsumgebung beschäftigt und kennen sich wirklich gut aus“, erklärt Juror und Mitbegründer des AADC, Lars Mesow.

Hohe Programmierqualität: mit Durchblick zum Erfolg

Der Audi Autonomous Driving Cup fand in diesem Jahr bereits zum vierten Mal statt. Mesow zeigt sich begeistert von der Entwicklung des Wettbewerbs: „In diesem Jahr war das Niveau und die Programmierqualität bei allen Teams im Finale sehr hoch. Ich finde es immer wieder faszinierend, die unterschiedlichen Blickwinkel der Studenten auf das Thema Autonomes Fahren zu sehen.“ Mit einem Schmunzeln fügt er hinzu: „Wir können in dieser Hinsicht viel lernen, weil wir manchmal zu sehr durch unsere Audi-Brille blicken und dadurch für manche Themen blind sind.“

Das war der Audi Autonomous Driving Cup 2018

Zehn Hochschulteams, zahlreiche Modellautos und zielstrebige Teilnehmer: Im Juni begann der Audi Autonomous Driving Cup mit einer ersten Auftaktveranstaltung, bei dem die Teilnehmer Basis-Software und zwei Modellautos erhielten. Nach einem Testevent im Oktober, ging es im November zum Finale nach Ingolstadt. Am Finaltag kämpften acht Teams um den Sieg – am Ende hatte das Team AlpaKa vom Forschungszentrum für Informatik die Nase vorn und holte das Preisgeld nach Karlsruhe.

Barbie crossing: Die Miniaturautos wurden so programmiert, dass sie Hindernissen geschickt auswichen.

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Die Jury bei der Beurteilung der Miniaturautos.

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Am Ende überzeugte das Team AlpaKa die Jury. Das Studententeam präsentierte eine Car-to-Car-Lösung für störungsfreie Fahrt. Die Software informiert andere Fahrzeuge über Störstellen und leitet die Autos intelligent und über andere Routen zum Ziel.

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Audi Autonomous Driving Cup 2018
Aus dem Audi MediaCenter

Audi Autonomous Driving Cup 2018: Team AlpaKa des Forschungszentrums für Informatik Karlsruhe holt den Titel

Im Finale des Audi Autonomous Driving Cup 2018 setzte sich das Team AlpaKa gegen sieben weitere Hochschulteams durch und verwies die Konkurrenz auf die Plätze. Damit geht das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro nach Karlsruhe.

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