Audi e-tron Vision GT vor Garage

Von der Playstation auf die Rennstrecke

Renntaxi für die Formel E: Audi e-tron Vision Gran Turismo

Virtuell oder real? Der Audi e-tron VisionGT ist beides. Ursprünglich exklusiv für virtuelle Rennen auf der PlayStation 4 entwickelt, ist das rein elektrische Konzeptauto als Renntaxi schon bald bei der Formel E im Einsatz. Was hinter dem Sprung von der virtuellen in die reale Welt steckt, hat Audi Blog-Autor Adam Meyer recherchiert.

Audi e-tron Vision GT Frontansicht
Von der Virtualität in die Realität: Der Audi e-tron Vision Gran Turismo wurde auf Basis eines virtuellen Rennautos aus dem PlayStation-Spiel „Gran Turismo“ entwickelt.

Sonntagnachmittag, leichter Nieselregen und beste Temperaturen, um es sich auf der heimischen Couch so richtig bequem zu machen. Als echter Auto-Fan habe ich die Playstation 4 vor mir stehen und das Kultspiel Gran Turismo ausgewählt. Das Rennspiel ist nicht nur für seine herausragenden Grafiken bekannt, sondern auch für die neuesten Modelle mit bestechend realistischen Fahreigenschaften.

Beim Scrollen durch die unzähligen Derivate sticht eines besonders heraus. Eines, das man so noch nicht gesehen hat:

Designelemente des Audi 90 quattro IMSA GTO

Langgezogen, flach, im Design sowohl an den legendären Audi 90 quattro IMSA GTO angelehnt als auch an die die neue Audi Designsprache und mit einem riesigen Leitwerk ausgestattet. Unter dem Leichtbaukleid? Ein E-Antrieb. Das klingt für mich nach Fahrspaß, also: „Gentlemen, fasten your seatbelts!“.

Platzgenommen im virtuellen Audi e-tron Vision GT merke ich schnell, dass hier kein Fahrzeug für den Lebensmitteleinkauf bereitsteht. Nein, der Stromer ist ein echter Rennwagen, mit allem was dazu gehört. Doch ehe man sich versieht springt die Ampel von Rot auf Gelb, das zweite Mal auf Gelb und erlischt – Start frei für den fast lautlosen Boliden!

Das Tachometer erzeugt weit aufgerissene Augen: Die Stundenkilometer fliegen nur so vorbei, bis man überhaupt realisiert, dass man seinen virtuellen Gegnern längst das Heck mit dem großen Leitwerk zeigt. Und da ist auch schon die erste Kurve – ab auf die Bremse! Kaum hat man seinen Daumen auf dem Controller-Button, schon steht der e-tron VisionGT. Also wieder voll aufs Gas und den quattro seine legendäre Arbeit machen lassen.

Wie auf den sprichwörtlichen Schienen zieht das Elektroauto seine Bahnen. Schade nur, dass das Gefühl, das Geräuschszenario, die Beschleunigung und eben alles, was zum echten Rennwagen dazu gehört nur virtueller Natur sind.

Sowohl im Videospiel als auch auf der Rennstrecke treibt den Audi e-tron Vision GT ein Elektromotor an.

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Audi-Designer haben den Audi e-tron Vision Gran Turismo für den Wettbewerb "Vision Gran Turismo" entworfen. Dass er dann als Renntaxi für die Formel E eingesetzt wird, war zunächst nicht geplant.

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Der invertierte Singleframe in Wagenfarbe ist typisch für die neuen e-tron-Modelle und spiegelt die neue Audi Designsprache wider.

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Ein Konzeptauto mit ordentlichen Leistungsdaten

Das haben sich auch die Ingenieure bei Audi gedacht und kurzerhand ein reales Einzelstück des virtuellen Rennautos entwickelt und gefertigt. In nur elf Monaten entstand im Audi-Vorseriencenter das rein elektrische Konzeptauto Audi e-tron Vision Gran Turismo.

Permanenter Allradantrieb, eine Systemleistung von 600 kW (815 PS) und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in weniger als 2,5 Sekunden. Realisiert wird das von drei je 200 kW starken Elektromotoren: Zwei von ihnen bewegen die Hinterachse, der dritte die Vorderachse.

Luftaufnahme Audi e-tron Vision GT auf Rennstrecke

Futuristisch und voll funktionsfähig: Der Audi e-tron Vision GT beweist, dass Elektromobilität nicht nur für kurze Stadtfahrten geeignet ist, sondern auch im Rennsport durch Sportlichkeit und Dynamik überzeugen kann. Audi ist der erste deutsche Hersteller, der für die Formel E Rennwagen produziert.

Debüt des Renntaxis bei der Formel E in Rom

Gemacht ist der e-tron Vision GT für die großen Rennbühnen der Welt. Und zwar bei der Formel E. Dort wird er als futuristisches Renntaxi bei allen europäischen Formel-E-Rennen in diesem Jahr zum Einsatz kommen. Am Steuer sitzen dann die ehemalige DTM-Pilotin Rahel Frey oder LeMans-Sieger Dindo Capello aus Italien. Die große Formel E-Premiere ist das Rennen in Rom am 14. April.

Die kleine Premiere des Konzeptfahrzeugs hingegen findet bereits am 9. April in Neuburg an der Donau statt. Und ich bin nicht nur mit dabei, sondern mittendrin. Denn ich werde den e-tron Vision GT gleich auf eine Art und Weise erleben, die nachhaltig in meinen Hirnwindungen bleibt.

Ich blicke auf den flachen Boliden und frage mich, wie ich jemals durch die kleine Luke in die Vollschale auf der Beifahrerseite einsteigen soll. Popometer zuerst? Oder doch lieber das linke Bein? Ganz klar: Ein Profi-Rennfahrer muss nicht nur gelenkig sein, wie ein Schweizer Taschenmesser, sondern auch topfit. Es reicht nicht, einfach nur in das Rennfahrzeug einzusteigen, nein man muss sich allein zum Anlegen des Sechspunktgurts verrenken – und das in beengter Kulisse.

Nach ein paar ungelenken Bewegungen hab ichs dann aber doch geschafft und schaue beim Blick nach links in zwei freudige Augen hinter einem Helmvisier.

Sportsitze im Cockpit des Audi e-tron Vision GT
Ein Fitnesstest für den Fahrer noch vor Beginn: Bereits das Einsteigen ins Cockpit des Audi e-tron Vision GT erfordert Gelenkigkeit, wie Audi Blog-Autor Adam Meyer am eigenen Leib erfuhr.

Meine Augen wandern auf den Kragen des Rennoveralls und da wird mir klar: Dindo Capello sitzt neben mir! Ein Name mit Klang und Gewicht: Der Italiener gilt als Vollgas-König und kann diverse Le Mans-Siege auf seinem Konto vorweisen. Das spricht für ein riesiges Vergnügen!

Die dünne Tür fällt zu, zwei Kipphebel klacken, Capello fragt mit rollendem R „are you ready?“  Und ob! Was danach passiert ist nicht in Worte zu fassen: Der Vollgasbefehl wird so vehement umgesetzt, dass mein Magen mit meiner Wirbelsäule Kontakt aufnimmt. Ich realisiere nicht, was gerade geschieht, was wohl auch daran liegt, dass der Antrieb nur sanft surrt, anstatt heißer zu schreien, wie ein Verbrenner. Schaltvorgänge? Pustekuchen! Einfach nur endlose Beschleunigung!

Cockpit Audi e-tron Vision GT
Alles im Griff? Dank modernem Lenkrad und Anzeige behält der Fahrer stets den Überblick über das Geschehen auf der Rennstrecke. Sowohl im Videospiel als auch auf der realen Rennstrecke.

In der ersten Kurve bin ich heilfroh, dass ich mich in die enge Vollschale schnüren lassen habe. Gebremst wird an dem Punkt, an dem ich mich von allem, was mir lieb ist, eigentlich verabschiede, während mein Kopf haltlos nach vorn schnellt. Die Traktion bei der Kurvenfahrt ist bestialisch – quattro eben. Und dann geht es auch schon wieder zum Beschleunigung auf die nächste Gerade – irre! Vor allem, weil mein Magen mit dieser Achterbahnfahrt nicht rechnet und mir ankündigt, dass die Realität viel härter, fordernder und Adrenalin-fördernder ist, als jeder 4K-Bildschirm.

Was der Audi e-tron Vision GT nur auf der realen Rennstrecke liefert

Elektromobilität? Wenn sie so aussieht, dann gibt es für uns Vollgas-Freaks nur eine Antwort: Ja, bitte! Klar darf es für den Alltag etwas bequemer sein, als im Rennwagen e-tron Vision GT. Aber die Fahrleistungen sprechen für sich und zeigen, dass wir auch in Zukunft schnell unterwegs sein werden. Sehr schnell!

Die Geräuschkulisse wird dabei natürlich eine andere sein. Der Antrieb surrt leise – ein ganz neues Erlebnis. Im Rennsport wird natürlich auf Dämmmaterial verzichtet, sodass du jedes Geräusch vom Fahrwerk, das Abrollen der fetten Reifen und das Zupacken der Pizza-großen Bremsen hörst. All das kann auch das Rennspiel nur annähernd wiedergeben.

Durch die Runde im Renntaxi habe ich viel dazu gelernt. Nicht nur über die Zukunft der Mobilität, sondern auch für die heimische Konsole: Brems- und Einlenkpunkte können genau auf die virtuelle Welt übertragen werden. Also: „Keep racing!“ Egal ob auf der Playstation oder in der Zukunft im Elektro-Rennwagen.

Designelemente aus der Audi Geschichte und Zukunft

Das Design des Audi e-tron Vision Gran Turismo vereint Elemente aus der Audi Geschichte und der Audi Zukunft. Denn bei der Farbgebung etwa orientiert sich das Renntaxi am legendären Audi 90 quattro IMSA GTO, der 1989 in der nordamerikanischen IMSA-GTO-Rennserie begeisterte. Zum anderen stecken in dem e-tron Vision GT auch Elemente der neuen Designsprache, wie zum Beispiel der invertierte Singleframe in Wagenfarbe, der typisch für alle neuen e-tron-Modelle sein wird.

Das Renntaxi kommt bei allen europäischen Formel-E-Rennen 2018 zum Einsatz.

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Drei Elektromotoren treiben das Konzeptfahrzeug an: zwei an der Hinterachse, der dritte an der Vorderachse.

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Das Renntaxi bringt im Leergewicht 1.450 Kilogramm auf die Wage.

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Audi e-tron Vision Gran Turismo
Aus dem Audi MediaCenter

Audi e-tron Vision Gran Turismo

Mit der rein elektrischen Studie „Audi e-tron Vision Gran Turismo“ macht Audi Elektromobilität jetzt auf eine besondere Art erlebbar: Ursprünglich exklusiv für virtuelle Rennen auf der PlayStation 4 entwickelt, macht Audi den neuen Rennwagen bei der Formel E zur Realität. Ab dem Rennen in Rom am Samstag, 14. April, ist der Audi e-tron Vision Gran Turismo als Renntaxi im Einsatz.

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Sven Habl

11. April 2018 um 5:58
Alles ganz wunderbar! Klingt aber wie ein vollverkleideter Gabelstapler! 🤮 Motorsport ist neben Kommerz, für die Zuschauer zu allererst Emotion und ein Fest für die Sinne. Alle Sinne! Dazu gehören auch die Ohren! Dieses innovative Projekt ist weit von alledem weg. Sehr schade!