Aus unserem Archiv:

Audi erobert die obere Mittelklasse

Im Geheimen entwickelte Chef-Ingenieur Ludwig Kraus Mitte der 1960er Jahre den Audi 100. Das Modell der oberen Mittelklasse sicherte Audi nach der Übernahme durch die Volkswagenwerk AG die Selbständigkeit.

Werte der auf dieser Seite beworbenen Fahrzeuge:

Keine Angaben

Audi 100

 

Frisch von Volkswagen übernommen, lautete die Direktive an die Tochter Auto Union GmbH: keine Neuentwicklungen anstoßen. Die Ingolstädter sollten ihre laufenden Modelle betreuen, aber mehr nicht. Ludwig Kraus, der damalige technische Direktor der Auto Union, ließ sich davon nicht beeindrucken. Für ihn war klar: Die Auto Union hatte nur dann eine Überlebenschance als eigenständiges Unternehmen, wenn die erst 1965 neu eingeführte Audi Modellreihe durch ein modernes, gehobenes Mittelklassemodell ergänzt würde.
Quasi im stillen Kämmerlein tüftelten die Ingenieure deshalb an einem neuen Audi-Modell. Ausgangsbasis war der seit 1965 gebaute Ur-Audi, der „Bastard“, wie Kraus ihn halb-liebevoll nannte. Dessen leistungsstärkste Variante, der Audi Super 90, legte die Basis für die Neuentwicklung. Der Motor wurde übernommen, der Rest entstand jedoch vollständig neu und frei von DKW-Genen, die die erste Audi-Generation noch in sich trug. Auto Union Chef Rudolf Leiding entdeckte das Designmodell zufällig bei einem Rundgang durch die Stilhalle und war sich mit seinem Chef-Techniker einig, das Modell weiterzuentwickeln.

Schließlich wurde der spätere Audi 100 auch Volkswagen-Konzernchef Heinrich Nordhoff präsentiert. Der war sichtlich erbost darüber, dass das Auto hinter seinem Rücken entwickelt worden war. Sein Ärger war aber schnell verflogen. Konzept, Technik und Design des Audi 100 überzeugten ihn so sehr, dass er noch vor Ort die Freigabe für den neuen Audi erteilte. In einem extrem eng gesteckten Zeitrahmen wurde die Neuentwicklung zur Produktionsreife gebracht.

Der Audi 100 lief zunächst in Ingolstadt vom Band und bereitete der VW Käfer-Fertigung am Standort ein Ende. Das Modell sicherte die Eigenständigkeit der Ingolstädter. Von der ersten Generation des Audi 100 wurden bis 1976 mehr als 880.000 Stück produziert. Damit übertraf er alle Erwartungen. Bis 1994 gab es vom Audi 100 vier Generationen. Seitdem steht er als Audi A6 bei den Händlern, mittlerweile in der siebten Generation. Gefertigt wird der Audi 100-Nachfolger am Standort Neckarsulm.

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.