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Audi R8: Tanz im Grenzbereich

Blogger Don Dahlmann weiß, worauf er sich beim neuen Audi R8 eingelassen hat. Die Zahlen sprechen für sich: 5.2 Liter, V10, 610 PS. Auf der Rennstrecke "Autódromo Internacional do Algarve" konnte er dem Hochleistungssportler die Sporen geben.

 Testfahrt: Blogger Don Dahlmann hat den neuen Hochleistungssportler getestet
Testfahrt: Blogger Don Dahlmann hat den neuen Hochleistungssportler getestet
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38 Grad Außentemperatur. Unter meinem Helm samt Balaklava wird mir dann doch langsam heiß. Die Klimaanlage kämpft verzweifelt gegen die heiße Luft. Eventuell ist mir aber noch heißer, weil vor mir die 4.7 Kilometer lange Berg- und Talbahn der Rennstrecke „Autódromo Internacional do Algarve“ liegt, besser bekannt unter dem Namen „Portimão“. Erwähnt man den gegenüber Rennfahrern, schnalzen die mit der Zunge und sagen „geile Strecke.“ Ich kenne den Kurs, ich kenne die blinden Kurven, die fiese Kuppe mit dem Anbremspunkt oben drauf, die Senke mit der anschließenden bergaufführenden Linkskurve. Ich weiß, die Strecke ist schnell. Und hinter mir warten 610 PS darauf, endlich ihrem Zweck auf dem vor Hitze flimmernden Kurs zugeführt zu werden. Und dann drücke ich den Schalter „Race“ und fahre auf die Strecke.

Audi R8 einfach bemerkenswert

5.2 Liter, V10, 610 PS. Bitte. Danke. Allein die Zahlen sind schon bemerkenswert. Dazu das Leergewicht von gerade mal 1.454 kg. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorstellen zu können, was passiert, wenn man dem Audi R8 die Sporen gibt. „50 Prozent des neuen R8 sind identisch mit dem Audi R8 LMS der GT3-Klasse, der gerade vor ein paar Monaten das 24h Rennen am Nürburgring gewonnen hat“, hat mir der Chef der quattro GmbH, Heinz Hollerweger, ein paar Minuten zuvor noch erzählt. Der Serien R8 kann die Verwandtschaft nicht leugnen.

Audi R8: Tanz im Grenzbereich

Vortrieb: Die Zahlen sprechen für sich - 5.2 Liter, V10, 610 PS

 

Das merkt man spätestens nach der ersten flott angefahrenen Kurve. Beim Anbremsen packen die Karbon-Bremsen kräftig zu und verzögern das Auto massiv und sehr, sehr schnell. Einlenken. Das Lenkrad lässt sich leicht und präzise führen, Scheitelpunkt anvisiert, Gas. Zwei Sekunden und einem halben Dreher später denke ich „Ups, etwas zu viel Gas vielleicht“. Denn im „Race“-Modus wird das ESP dann (fast) komplett abgestellt. Daher quittiert der R8 übermütige Gasstöße mit einem Heck, dass schon mal ausbricht. Irgendwo muss die Kraft der 610 PS ja hin. Der kleine Lapsus läßt sich aber im Wechselspiel mit Gas und Bremse leicht korrigieren. Nach ein paar Runden ist das Gefühl für den R8 da. Anbremsen, einlenken, am Kurvenausgang dann ein wenig Spaß mit der Leistung und einem schönen kleinen Drift. Noch nie ließ sich ein Mittelmotorwagen mit Allrad-Antrieb so leicht um die Ecken werfen. Bei jedem Anbremsen knallt es aus dem Auspuff, die Beschleunigung wird begleitet von einem infernalischen Crescendo des V10 im Nacken.

Audi R8 mit neuen Fahrwerk

Das neue Chassis ist ein kleines Kunststück. Ein Verbund aus Aluminium und Karbon hat dazu geführt, dass die Basis 10 Prozent leichter, aber gleichzeitig auch 40 Prozent steifer ist. Und je verwindungssteifer das Chassis, desto besser läßt sich das ganze Auto abstimmen. Der neue Audi R8 ist daher deutlich dynamischer als noch seine Vorgänger. Man merkt dem Auto dank des komplett neuen Fahrwerks an, dass es ein anderes Auto ist. Schneller, aggressiver, wenn es sein muss.

Der R8 zeigt einem aber auch ganz deutlich, was man da bewegt. Es ist kein Spielzeug, kein auf schnell getrimmter Sportwagen, der seine Fahrer mittels Elektronik immer wieder kastriert, damit man ja nicht von der Strecke rutscht. Nein, der Wagen macht schnell klar, dass man die enorme Leistung behutsam einsetzen muss. Zu viel des Guten, und der R8 quittiert dies mit einem flotten Tanz im Grenzbereich. Man sollte schon Ahnung haben, wenn man den R8 im „Race“-Modus am Rande der Physik bewegt.

Audi R8: Tanz im Grenzbereich

Richtungsweisend: Mit einem Leergewicht von gerade einmal 1.454 Kilogramm greift der Audi R8 V10 plus an

 

Wem das zu viel ist, für den gibt es noch den „Dynamic“-Modus. Hier gleicht das ESP dann fröhlich die Fehler aus, die man auf der Strecke macht. Hart greift es nur ein, wenn man es wirklich doll übertreibt. Der erhobene Zeigefinger manifestiert sich in einer temporären Wegnahme der Leistung und man kann das ESP förmlich sagen hören „So nicht, mein Freund!“. Aber man muss sich schon arg anstrengen, um das ESP in diesen genervten Zustand zu versetzen. Selbst ein leicht ausbrechendes Heck läßt es gerne zu.

Audi R8 trotz Rennchassis sehr komfortabel

Dass der Audi R8 den Ritt auf einer der anspruchsvollsten Rennstrecken der Welt gut beherrscht, ist die eine Sache. Aber da muss man ja auch erst einmal hinkommen. Auf den schmalen Landstraßen Portugals, die übersät sind mit Schlaglöchern, Senken und Querfugen, sollte man es lieber ruhiger angehen lassen. Zum einen wegen der eigenen Sicherheit, zum anderen wegen der „Polícia de Segurança Pública“, der portugiesischen Polizei, die schon mal lauernd hinter einem Baum wartet. Praktischerweise kann der Audi R8 auch anders als nur laut. Im „Comfort“-Modus schaltet die Federung auf „entspannt wie ein Portugiese bei der Siesta“ und schluckt erstaunlich viel von den zahlreichen Löchern auf dem Weg. Natürlich geht es nicht so weich zu, wie in einem Audi A8, aber es überrascht dann doch, wie komfortabel der R8 sein kann, wenn er will. Das Wort „Langstreckentauglichkeit“ fiel in den Gesprächen nicht nur einmal.

Der neue Audi R8 ist ein gelungener Mix aus kompromissloser Sportlichkeit und Alltag. Auf der Rennstrecke bringt einen der Wagen schnell an den eigenen Grenzbereich und der Spaßfaktor spielt dabei eine große Rolle. Wenn man will, dann kann man den R8 immer schön leicht quer über die Strecke treiben, eine Fähigkeit, die man nicht in jedem Supersportler findet. Und das alles ohne das Gefühl zu haben, dass das Auto einen umbringen will. Genauso gut kann man auch gelassen über die Autobahn oder die Landstraße rollen. Dann verschwindet das Motorgeräusch, die Federung bügelt vieles weg und man kommt entspannt an seinem Ziel an. Das am besten ein Rennstrecke sein sollte.

Weitere Stimmen aus der Blogosphäre? Trendlupe.de zeigt die schönsten Bilder des neuen Audi R8, driversgroove.com lässt seinen Emotionen freien Lauf und bei passion:driving weckt der neue Audi R8 Erinnerungen an #thepluses – gleichzeitig ist Sebastian Bauer aber auch davon überzeugt, dass der Neue doch einiges besser macht. Autogefuehl.de beschreibt den neuen Hochleistungssportler als perfekte Rennmaschine, racingblog.de titelt „Wecke den Wahnsinn in Dir“, 1300ccm.de nimmt den „Großen Sauger mit viel Druck“ auf eine Probefahrt und trenddokument.de ist süchtig nach dem herrlichen Fauchen des Motors im neuen R8. Abschließend sorgt der Neue für Adrenalinschübe bei autorild.de.

 

Audi R8: Tanz im Grenzbereich
Audi R8: Tanz im Grenzbereich
Audi R8: Tanz im Grenzbereich
Audi R8: Tanz im Grenzbereich
Audi R8: Tanz im Grenzbereich
Audi R8: Tanz im Grenzbereich

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R8 V10:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 11,4**;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 272**

R8 V10 Plus:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 12,3**;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 287**

**Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen sowie Effizienzklassen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz. // www.audi.de/DAT-Hinweis

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