Frontansicht Hafen Rotterdam mit Plastikinseln

Plastik-Inseln gegen Verschmutzung

Audi-Umweltstiftung kämpft gegen Plastik im Meer

Zusammen mit der Recycled Island Foundation hat die Audi Stiftung für Umwelt einen schwimmenden Plastik-Park im Rotterdamer Hafen eröffnet. Audi Blog-Autor Andreas Wittke hat beim Gründer der Foundation Ramon Knoester nachgefragt, wieso er ausgerechnet Naherholungsinseln aus dem recycelten Kunststoff herstellt und warum Umweltbildung so wichtig ist.

Menschengruppe über Plastikinseln von Recycled Island Foundation am Hafen Rotterdam
Gelebte Nachhaltigkeit: Auf der Neuen Maas finden sich die ersten Inseln aus recyceltem Plastik. Der Floating Park im Rotterdamer Hafen ist der erste seiner Art.

Inmitten des Rotterdamer Hafens, umgeben von grauen Gebäuden, finden sich neuerdings kleine grüne Inseln auf der Neuen Maas, die dort in die Nordsee mündet. Wenn man genauer hinsieht, schwirren dort Insekten umher und Vögel fliegen zu ihren Nestern. Am Boden der bepflanzten Inseln sammeln sich Schnecken, Krebse und kleine Fische. Und nur, wenn man ganz genau hinsieht, entdeckt man, dass diese Inseln aus recyceltem Plastik bestehen. Was hat es damit auf sich?

Die Recycled Island Foundation hat in Kooperation mit der Audi Stiftung für Umwelt mithilfe eigens konstruierter Auffangbecken Plastikmüll aus der Neuen Maas gefiltert, diesen sortiert und zu schwimmenden Plastikinseln umgearbeitet.

Die Recycled Island Foundation schafft Naherholungsplätze

Die bepflanzten Inseln dienen nun als Naherholungsplätze für Hafenbesucher und Anwohner, aber vor allem auch als Rückzugsort für Tiere. Die einzelnen Bestandteile haben unterschiedliche Höhen und eine durchlässige Struktur, sodass kleine Flussbewohner leicht wieder hinein- und hinausschwimmen können, beispielsweise um im Schutz des Wurzelwerks zu laichen. Auf den höher gelegenen Inseln nisten Vögel in direkter Nähe zu den Inseln, auf denen Sitzbänke für Passanten und Spaziergänger stehen. Die Plastikinseln dienen vor allem dazu, bei der Bevölkerung Bewusstsein für das Ausmaß und die Folgen von achtlos weggeworfenem Plastik zu schaffen. Durch das „Upcycling“ des gesammelten Kunststoffs will Ramon Knoester zum bewussteren Umgang mit Plastik anregen. Der Gründer der Recycled Island Foundation, erklärt die Gründe und Ziele für sein Projekt.

Ansicht Plastikinsel von Recycled Island Foundation

Hier schwimmt eine der Müllfallen, die den Abfall für den Bau der Plastikinseln sammeln, auf der Neuen Maas. Eine einzelne Plastikinsel umfasst etwas 5 Quadratmeter, die gesamte Fläche der Plastikinsel-Landschaft in Rotterdam 140 Quadratmeter.

Wie kam Ihnen die Idee für die Plastikinseln?

Ramon Knoester: Das erste Mal hörte ich vor etwa zwölf Jahren von der verheerenden Plastikverschmutzung in den Ozeanen. Bereits damals dachte ich mir, dass wir das Problem angehen müssen. Vor vier Jahren ergab sich dann über einen Kontakt zur Stadt Rotterdam die Möglichkeit, die Recycled Island Foundation ins Leben zu rufen. Mein Gedanke dahinter: Das meiste Plastik kommt über die Flüsse ins Meer. Also müssen wir bei den Flüssen anfangen. Die Neue Maas ist ein großer Stellhebel für die Verschmutzung der Nordsee. Wenn wir also das Ökosystem der Neuen Maas in Rotterdam verbessern könnten, würde das schon einiges bewirken.

Welche Rolle spielt Audi im Projekt?

Knoester: Die Audi Stiftung für Umwelt kam in diesem Jahr auf uns zu und wollte mit uns zusammenarbeiten. Ihnen gefiel unser Ansatz, mit umweltverträglichen Technologien auf eine Reduzierung des Plastikaufkommens hinzuwirken und damit die Lebensqualität von Menschen und Tieren zu verbessern. Für uns war das damals der ideale Zeitpunkt, da wir unser Projekt so weit entwickelt hatten, dass wir es nun auch international ausrollen wollten. Die Audi-Umweltstiftung unterstützt uns darin nicht nur finanziell, sondern auch mit ihrem Knowhow. Gemeinsam können wir jetzt viele neue Projekte realisieren.

Im Juli 2018 haben Sie die Inseln zusammen mit der Audi Stiftung für Umwelt eröffnet. Wie viele sind es bisher?

Knoester: Bisher schwimmen 28 Inseln, insgesamt 140 Quadratmeter. Die Inseln sind beweglich, können überall verankert werden und sind dadurch vielseitig einsetzbar. Sie können sowohl als Rückzugsort für die Mittagspause als auch als Bühne oder Zuschauerfläche für Open-Air-Konzerte direkt am Hafen dienen.

Frontaufnahme Personen auf Plastikinsel von Recycled Island
Ramon Knoester (zweiter von rechts) ist der Gründer der Recycled Island Foundation. Er engagiert sich für eine lebenswerte Zukunft für Menschen, Tiere und Pflanzen.

Haben Sie mit Ihrem Projekt die Verschmutzung der Neuen Maas eindämmen können?

Knoester: Der Anfang ist geschafft. Wir haben mithilfe von rund 30 Freiwilligen während sogenannter „Clean Up“-Events wirklich viel Plastik sammeln und mit unseren Auffangbecken aus dem Fluss filtern können. Denn mehr als 90 Prozent des Plastikmülls schwimmt im ersten Meter unter der Oberfläche, der Großteil davon sogar im ersten halben Meter. Die Aussichten auf Erfolg sind also gut, die Verschmutzung hat sich wesentlich reduziert.

Welche Plastikteile haben Sie aus dem Wasser gefischt?

Knoester: Da war so gut wie alles an Plastik mit dabei. Von Mikroplastik über PET-Flaschen bis hin zu Fußbällen. In den Niederlanden gibt es Flaschenpfand erst für Plastikflaschen ab einer Größe von einem Liter. Das verschärft das Müllproblem.

Seitansicht Recycled Island Foundation Hafen Rotterdam

Plastik ist nicht gleich Plastik: Auf den Inseln wächst vor allem grünes Moos, es können aber auch mehrere Meter hohe Bäume gepflanzt werden.

Wie waren die Reaktionen auf Ihre Plastik-Inseln?

Knoester: Wir haben viel positives Feedback aus der ganzen Welt erhalten. Die Menschen finden die Idee toll und sind begeistert, dass wir aus Müll so etwas Schönes und Nützliches geschaffen haben. Den Einwohnern von Rotterdam gefällt es, dass ihre Stadt hier Vorreiter ist. Das hat auch andere Städte hellhörig gemacht, mit denen wir jetzt für ähnliche Projekte in Kontakt stehen.

Was haben Sie für die Zukunft geplant?

Knoester: Unsere nächsten beiden Einsatzorte für die Auffangbecken sind die indonesische Insel Ambon und Brüssel. Wir untersuchen aber auch für andere Städte geeignete Einsatzorte. Wichtig ist beispielsweise, dass unsere Auffangbecken den Schiffsverkehr nicht behindern oder dass sie strategisch dort eingesetzt werden, wo das Müllaufkommen am größten ist. Unsere Partnerschaft mit der Audi Stiftung für Umwelt ist langfristig ausgelegt.

Naherholungsgebiete aus recyceltem Plastik

Die Recycled Island Foundation und die Audi Stiftung für Umwelt haben gemeinsam einen sogenannten “schwimmenden Park” eröffnet. Mit einem Auffangbecken wurde Plastikmüll aus dem Fluss Neue Maas gefiltert und für die Produktion der Plastikinseln verwendet. Mittlerweile sind die treibenden Inseln für jegliche Hafen-Besucher als Erholungsplatz nutzbar. Weitere Auffangbecken sind bereits für Brüssel und auf Ambon (Indonesien) geplant.

Reges Treiben: Die Plastikinseln erfreuen sich großer Beliebtheit in Rotterdam.

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Entspannt im Grünen: Zwei Damen haben es sich auf einer Plastikinsel gemütlich gemacht.

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Mit der Zusammenarbeit an der Recycled Island Foundation hat sich Audi am Hafen von Rotterdam verewigt.

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Audi-Umweltstiftung macht aus Plastikmüll Naherholungsgebiete
Aus dem Audi MediaCenter

Audi-Umweltstiftung macht aus Plastikmüll Naherholungsgebiete

Gemeinsam mit dem Projektpartner „Recycled Island Foundation“ hat die Audi Stiftung für Umwelt am Mittwoch einen „schwimmenden Park“ im Rotterdamer Hafenbecken Rijnhaven eröffnet. Für den Park hat der Projektpartner mithilfe eigens konstruierter Auffangbecken Plastikmüll aus dem Fluss Neue Maas gefiltert, diesen sortiert und zu schwimmenden Plastikinseln umgearbeitet. Die bepflanzten Inseln dienen ab sofort als Naherholungsplätze für Hafenbesucher und Anwohner.

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Gabi Wendlinger

20. November 2018 um 17:02
Finde ich super! Hoffentlich wird diese Initiative an weiteren Orten umgesetzt!
1.9.0