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Auf der Datenautobahn aus dem Dauerstau

Mexiko City ist die wohl anstrengendste Pendler-Metropole der Welt. Im Rahmen des aktuellen Audi Urban Future Award arbeitet ein interdisziplinäres Team daran, dass das besser wird. Ihr Werkzeug: Crowdsourcing.

 Während der Rushhour herrscht auf den Straßen von Mexiko City Chaos
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Wer in Santa Fé abends die Bürotür hinter sich schließt, hat noch eine gewaltige Herausforderung vor sich: den Heimweg. Verstopfte Straßen und kilometerlange Staus gehören in dem Geschäftsbezirk von Mexiko City zum Alltag. Laut der IBM-Studie Commuter Pain Index ist das Pendeln in keiner Metropole der Welt so kräftezehrend wie in der mexikanischen Hauptstadt. Zweieinhalb Stunden brauchen Arbeitnehmer im Schnitt für den Weg ins Büro und zurück. „Viele verbringen heute mehr Zeit im Verkehr als mit ihren Familien“, berichtet José Castillo, Leiter des Teams Mexiko City beim Audi Urban Future Award 2014.

Castillo und seine Mitstreiter bilden eines von vier Teams. Im Rahmen des Wettbewerbs zur urbanen Mobilität der Zukunft entwickeln die jeweils dreiköpfigen Gruppen Lösungen für konkrete Stadtentwicklungsprojekte in Berlin, Boston, Mexiko City und Seoul. Ein zentrales Merkmal ist dabei die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Im Team Mexiko City trifft der Architekt und Stadtplaner Castillo auf den IT-Wissenschaftler Carlos Gershenson und die Netzwerkerin Gabriella Gomez-Mont, die beim von der Regierung des Bundesdistrikts Mexico City gegründeten Think Tank „Laboratorio Para La Ciudad“ arbeitet.

Unter dem aktuellen Award-Motto „Auto findet Stadt“ geht jedes Team von einer These aus, die seit 2010 im Rahmen der Audi Urban Future Initiative erarbeitet wurde. In der Initiative beschäftigt sich Audi in Forschung und Dialog mit internen und externen Experten mit der städtischen Mobilität von morgen.

„Fortschritt garantiert Nachhaltigkeit“: Das ist die Ausgangsthese des Teams Mexiko City. Dabei geht es unter anderem um den Beitrag, den technologische Lösungen leisten können, um Städte mit hohem Verkehrsaufkommen zu entlasten. „Gerade durch technologischen Fortschritt bringen wir mehr Nachhaltigkeit in unsere Städte“, sagt Audi-Chef Rupert Stadler. „Weniger Lärm, saubere Luft, mehr Lebensraum, mehr Lebensqualität – das ist unsere Vorstellung von Mobilität der Zukunft.“

Audi Urban Future Award

Das Team Mexiko City: José Castillo, Gabriella Gomez-Mont und Carlos Gershenson

In Mexiko City ist das Verkehrssystem völlig überlastet mit den rund neun Millionen Autos, die auf den Straßen unterwegs sind. Allein auf dem Santa Fé-Korridor, der einzigen großen Verkehrsader des Geschäftsbezirks, kämpfen sich täglich 265.000 Pendler im Schneckentempo durch den dichten Verkehr. Aufgrund der geografischen Bedingungen ist es schwierig, neue Straßen oder eine U-Bahn zu bauen.

Das Team Mexiko City baut deshalb auf Hilfe zur Selbsthilfe und die Kraft der Masse: Die individuelle Mobilität soll die Situation, die sie selbst verursacht hat, auch selbst bereinigen. Das Werkzeug: Crowdsourcing. Die Menschen geben Daten über ihre Verkehrsbewegungen preis. So wird deutlich, wann die Massen wo unterwegs sind.

Solche Daten werden in der Metropole bislang nicht strukturiert gesammelt. „Momentan wird weder der private Verkehr in irgendeiner Form erfasst, noch gibt es valide Daten zu den öffentlichen Verkehrsmitteln“, sagt Harvard-Professor Castillo. Als erste Datenfundgrube hat das Team soziale Netzwerke ausgemacht. „Ein Beispiel für nützliche Daten, die förmlich auf der Straße liegen, ist das soziale Netzwerk Foursquare“, erläutert IT-Wissenschaftler Gershenson: „Auf diesen Karten lassen sich die groben Bewegungsmuster der Bewohner schon ganz gut erkennen.“

Darüber hinaus hat das Team Kontakt aufgenommen zu Unternehmen und Universitäten in Santa Fé. „Viele dieser Institutionen wissen genau, wo ihre Mitarbeiter oder Studenten wohnen und welche Transportmittel sie nutzen, sie konnten mit diesen Daten bisher nur nichts anfangen“, sagt Gershenson. Schließlich sollen die Menschen auch die Möglichkeit erhalten, ihre Daten über eine Website oder eine eigens entwickelte Smartphone-App zu senden.

Audi Urban Future Award

Der tägliche Wahnsinn: Mexiko City gilt als eine der schlimmsten Pendlermetropolen weltweit

Das Team ist überzeugt, dass viele Mexikaner mitmachen werden. „Der Leidensdruck der Menschen in dieser Stadt ist so groß, dass sie gern zu Datenspendern werden – Hauptsache, es bewegt sich etwas“, sagt Castillo. Als zusätzlicher Anreiz sind Belohnungen in sozialen Netzwerken vorgesehen. Fleißige Datenspender würden zum Beispiel mit Medaillen ausgezeichnet.

Entscheidend wird am Ende sein, auf Basis der gewonnenen Daten passgenaue Lösungen für die Verkehrsprobleme der Stadt zu entwickeln. Angesprochen sind hier nicht nur Stadt- und Verkehrsplaner, sondern auch Vertreter der Wirtschaft. Audi als Premiumanbieter könnte beispielsweise für große Unternehmen in Santa Fé Flotten anbieten und Verkehrsdaten dazu nutzen, diese intelligent zu managen.

Das Team Mexiko will Bündnisse zwischen Partnern initiieren, die in Sachen Verkehr bisher selten gemeinsame Sache gemacht haben. „In unserem Projekt werden wir neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Regierung, Unternehmen, Wissenschaft und Bewohnern erproben und der Gesellschaft neue Denkanstöße liefern“, sagt Netzwerkerin Gabriella Gomez-Mont.

Im besten Fall, so die Vorstellung des Teams, wird es auch auf der Ebene jedes Einzelnen zu Verhaltensänderungen kommen. Sei es, dass sich Pendler zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen oder dass sie zum optimalen Zeitpunkt die optimale Route wählen. Dann hätte die Datenspende erreicht, worum es beim Crowdsourcing geht: Die Nutzung von Wissen und Engagement des Einzelnen zum Nutzen aller.

Im Rahmen unserer Serie zum Audi Urban Future Award 2014 stellen wir Ihnen die Teams und ihre Projekte ausführlich vor. Weitere Informationen finden Sie unter audi-urban-future.com sowie auf Twitter unter dem Hashtag #AudiUrbanFuture.

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