Stau und Audi AI

Auf der Suche nach dem Stau

Werte der auf dieser Seite beworbenen Fahrzeuge:

Audi A8: Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,8 – 5,6; CO2-Emission kombiniert in g/km: 178 – 145. (Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz.) www.audi.de/DAT-Hinweis

Mit Audi AI auf dem Weg zum autonomen Fahren

Blogger Falk Hedemann darf als einer der Ersten Audi AI Anwendungen im neuen Audi A8 testen - und lässt während der Fahrt auf der Autobahn das Lenkrad los. Was dann passiert beeindruckt ihn.

Die Entwicklung selbstfahrender Autos gehört ganz sicher zu den spannendsten Prozessen innerhalb der Digitalisierung. Und vielleicht ist es genau diese Spannung, die dafür sorgt, dass in den letzten Jahren so viele Missverständnisse entstanden sind. Ich kann mich da selbst nicht ausnehmen.

Als Audi den neuen A8 in Barcelona vorstellte und dabei den Audi AI Staupiloten als Weltpremiere ankündigte, dachte ich erst: Ein Staupilot, also die Übernahme der Geschwindigkeitsregelung und der Lenkung in einer Stau-Situation, sollte neu sein? Auf so etwas falle ich als Profi nicht rein – und doch lag ich so komplett falsch!

Stau und Audi AI
Audi AI ist bei Weitem kein Marketing-Gimmick. Sondern die Zukunft der Mobilität.

Audi AI ist mehr als Marketing-Gimmick

Denn bei dem neuen Audi A8 und dem AI Staupilot handelt es sich um einen großen Evolutionsschritt. Denn erstmals erreicht ein Serienfahrzeug das Level 3 der Klassifizierung des automatisierten Fahrens. Damit gelingt erstmals der Sprung vom teilautomatisierten (Level 2) auf das hochautomatisierte Fahren. Der Unterschied besteht darin, dass der Fahrer die Längs- und Querführung des Fahrzeugs nicht mehr ständig überwachen muss. Er kann seine Hände vom Lenkrad nehmen und sich anderen „bordgestützten“ Aufgaben widmen.

Bei den bisherigen Staupiloten (Level 2) bleibt der Fahrer auch bei Übernahme der Lenkung und der Geschwindigkeitsregulierung durch den Staupiloten immer in der Verantwortung und er muss jederzeit eingreifen können. Der Audi AI Staupilot übernimmt also nicht nur die Steuerung und Beschleunigung des Audi A8, sondern auch die Verantwortung.

Audi AI im neuen Audi A8

High-Tech Sensoren an Bord des neuen Audi A8 werden Audi AI-Anwendungen wie den Audi AI Staupiloten möglich machen.

Wo ist der Stau, wenn man ihn braucht?

Zusammen mit Simon Ulbrich machte ich mich nach einer kurzen Begrüßung und Einführung auf die Suche nach einem Stau. Für Simon, der mich den ganzen Tag über begleitete, war das keinesfalls Routine. Er ist nicht etwa Testfahrer, wie man vielleicht denken könnte, sondern Entwickler für automatisierte Fahrfunktionen.

Als Journalist bekommt man schon häufiger mal die Gelegenheit mit einem Entwickler zu sprechen, aber mit Simon konnte ich richtig Zeit verbringen und ihn mit allen meinen Fragen löchern. Und Zeit hatten wir genug, denn wir begaben uns mit dem brandneuen A8 auf die Suche nach einem Stau.

Eine meiner ersten Fragen war die nach dem Ausgangspunkt der Fahrt: Warum ausgerechnet Düsseldorf? Die Antwort liegt in einer umfangreichen Verkehrsanalyse in ganz Deutschland und Europa. Die ergab, dass das Ruhrgebiet mit seinem dichten Großstadtnetz und den vielen Autobahnen sehr zuverlässig Staus produziert und einen solchen brauchten wir zur Demonstration des intelligenten Staupiloten. Daher ging es für uns auch früh los, denn der morgendliche Arbeitsbeginn sollte uns die gewünschte Verkehrsdichte bringen.

Freie Fahrt: Bei aktiviertem Audi AI Staupiloten braucht der Fahrer seine Umwelt nicht mehr ständig im Blick zu haben. Einer Unterhaltung mit anderen Mitfahrern steht somit nichts im Weg.

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Audi AI auf Knopfdruck: Per Taste aktiviert der Fahrer in den entsprechenden Situationen den Staupiloten.

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Er kann das, was bislang Zukunftsvision war: Der neue Audi A8, künftig mit Audi AI Staupilot an Bord, beherrscht automatisiertes Fahren auf Level 3. Das bedeutet: Der Fahrer überlässt dem Auto komplett die Fahraufgabe und muss lediglich wahrnehmungsbereit bleiben.

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Düsseldorf aus der Luft
In und um Düsseldorf, Landeshauptstadt des Bundeslands Nordrhein-Westfalen, sind Staus keine Seltenheit.

Leider gestaltete sich die Jagd wie das Hase-Igel-Spiel: Wann immer die Verkehrslage einen Stau anzeigte und wir uns auf den Weg machten, war er wieder weg, wenn wir ankamen. Vielleicht war die Suche nach dem Stau auch deshalb so schwierig, weil der Freitag mittlerweile in vielen großen Unternehmen als inoffizieller Home-Office-Tag gilt.

Kurz bevor wir schon aufgeben wollten, klappte es dann doch noch – wir standen im Stau. Zumindest für einen kurzen Zeitraum konnte Simon die Kontrolle über den A8 mit dem Drücken des AI-Buttons an den Staupiloten abgeben und die Hände vom Steuer nehmen. Es reichte auch noch zum Starten eines Videos auf dem integrierten Touchscreen über der Mittelkonsole.

Hands off, brain on!

Audi nennt das eine „bordgestützte Tätigkeit“, die im Unterschied zur Arbeit mit einem Laptop ausdrücklich erlaubt ist. Auf dem Laptop dürfte man sich das gleiche Video dagegen nicht ansehen. Zum einen wäre das im Falle eines Unfalls viel zu gefährlich, wenn der ausgelöste Airbag den Laptop in Richtung des Fahrers katapultiert.

Zum anderen wird dem Fahrer auf dem integrierten Screen auch angezeigt, wenn der AI Staupilot an die Grenzen seiner definierten Betriebsparameter kommt und der Fahrer wieder übernehmen muss.

Simon konnte sich leider nicht sehr lange entspannen, da sich der Stau schnell auflöste und wieder eine Geschwindigkeit über 60 km/h möglich wurde. Bei längeren Stauzeiten können die Fahrer die zusätzliche Fahrzeit aber durchaus sinnvoll nutzen. Sie können beispielsweise E-Mails lesen und schreiben, Nachrichten ansehen oder auch eine SMS tippen – all das also, was man ansonsten aus guten Gründen am Steuer nicht darf.

Auch wenn der Fahrer die Kontrolle im Stau an den AI-Piloten übergeben hat und er die Hände vom Lenker und die Aufmerksamkeit vom Verkehr nehmen kann, heißt das noch nicht, dass er diese Zeit beliebig nutzen darf. Das Prinzip lautet „Hands off, brain on!“ und bedeutet schlicht, dass der Fahrer seine Aufmerksamkeit jederzeit wieder auf den Verkehr zurückbringen kann.

Audi AI im Stau

Bei aktiviertem Audi AI Staupilot sind Tätigkeiten, die das Fahrzeug unterstützt, ausdrücklich erlaubt. Dazu gehört zum Beispiel Bord-Fernsehen.

Was passiert, wenn der Fahrer nicht reagiert?

Daher ist ein kleines Nickerchen im Stau nicht erlaubt und auch gar nicht möglich. Denn der A8 überprüft permanent die „Verfügbarkeit des Fahrers“. Eine Kamera im oberen Teil der Instrumententafel analysiert dafür die Kopf- und Augenbewegungen. Wer die Augen schließt, wird nach kurzer Zeit zur Übernahme der Fahraktivität aufgefordert. Der Plan, morgens im Stau auf dem Weg zur Arbeit noch mal etwas Schlaf nachzuholen, ist also noch Zukunftsmusik.

Apropos Übernahmeaufforderung. Hier stellt sich natürlich die Frage, was passiert, wenn der Fahrer nicht reagiert. Das wollte mir Simon gerne auf einer isolierten Strecke auf dem Flugplatz Essen-Mülheim zeigen. Dort wechselten wir dann die Positionen und ich durfte ans Steuer.

Das Setup sah wie folgt aus: Ich folgte einem vorausfahrenden Q5 an dem wir uns quasi andockten, um eine Kolonnenfahrt zu simulieren. Der Tempomat regelte die Geschwindigkeit auf 60 km/h, der AI-Staupilot übernahm per Tastendruck die Kontrolle und ich nahm die Hände vom Steuer und drehte mich zur Seite, um mit Simon zu sprechen.

Dann folgte die Übernahmeaufforderung mit der kompletten Eskalation. Das bedeutete konkret: Der Q5 vor uns sorgte für eine veränderte Situation, die die Übernahme durch den Fahrer verlangte. Es gab einen Signalton und ein rotes Pulsieren an den Rändern des virtuellen Cockpits, auch die AI-Taste und das Kombiinstrument leuchteten rot. Da ich mich mit Simon unterhielt, reagierte ich wie abgesprochen nicht.

Audi AI Staupilot in Anwendung
Der neue Audi A8 bietet neue Freiräume für den Fahrer, denn das Auto fährt bis 60 km/h pilotiert und markiert den Startpunkt für Audi AI.

Eine beeindruckende Erfahrung

Es folgten dann relativ schnell die nächsten Eskalationsstufen. Die Warnung wurde schriller und der A8 verzögerte sanft aber spürbar, der Gurt wurde mehrfach ruckartig gestrafft und es gab eine Meldung auf dem Touchscreen: „Staupilot wird beendet. Bitte vollständig übernehmen!“. Ich reagierte nicht und nach einem durchdringenden Warnton reagierte der A8 mit einer vollständigen Verzögerung bis zum Stillstand.

Das ging alles so schnell, dass wir das Prozedere gleich nochmal wiederholten. Es war eine sehr beeindruckende Erfahrung, bei der ich große Mühe hatte, wie abgesprochen nichts zu tun. Allein schon bei einem Tempo von 100 km/h die Hände vom Lenkrad zu nehmen und mich von der Verkehrssituation abzuwenden, kostete mich einiges an Überwindung.

Audi AI Staupilot in Anwendung

Freie Fahrt: Bei aktiviertem Audi AI Staupiloten braucht der Fahrer seine Umwelt nicht mehr ständig im Blick zu haben. Einer Unterhaltung mit anderen Mitfahrern steht somit nichts im Weg.

Wie geht es nun weiter?

Aber natürlich funktionierte am Ende alles wie geplant und ich war froh, dass ich den A8 wieder unbeschädigt abstellen konnte. Auch wenn es mich Überwindung gekostet hat, die Kontrolle anzugeben und untätig zu bleiben, hatte ich nie Angst, es könnte etwas schiefgehen.

Der aktuelle Entwicklungsstand ist ein klarer Fortschritt, aber der Weg bis zum Level 5 des autonomen Fahrens mit einer vollständigen Übernahme der Kontrolle über die Längs- und Querführung, in allen Situationen ohne Hilfe des Fahrers, ist noch lang. Bis dahin werden Simon und seine Kollegen noch ein gutes Stück Arbeit zu leisten haben. Aber auch wir als Gesellschaft müssen unseren Teil beitragen. Es müssen zum Beispiel die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, national wie international. Auch hier gibt es bei den Regelungen für die Zulassung sowie für das Verhalten im öffentlichen Straßenverkehr noch viel Arbeit.

Audi AI im Stau
Er kann das, was bislang Zukunftsvision war: Der neue Audi A8, künftig mit Audi AI Staupilot an Bord, beherrscht automatisiertes Fahren auf Level 3. Das bedeutet: Der Fahrer überlässt dem Auto komplett die Fahraufgabe und muss lediglich wahrnehmungsbereit bleiben.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wer das Rennen um das Level 4 für sich entscheiden wird. Dann nämlich können Pilot-Systeme bereits ohne Unterstützung des Fahrers in definierten Bereichen vollautomatisch fahren, also beispielsweise auf besonderen Strecken, die dafür eigens ausgerichtet sind. Mein Tipp: Es wird zuerst das vollautomatische Parkhaus geben.

Hier stellt man sein Fahrzeug einfach in einer Haltebucht ab und es wird von dem Parkpiloten vollautomatisiert auf einen freien Platz gesteuert. Ein solches Parkhaus hätte den großen Vorteil, dass die Parkbuchten viel kleiner sein könnten, da niemand mehr ein- und aussteigen müsste. Somit wird die Kapazität deutlich erhöht und die Suche nach einem freien Parkplatz in unseren Innenstädten wäre weniger stressig. Und Stressreduzierung gehört für mich zu den wichtigsten Pluspunkten des automatisierten Fahrens.

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