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Das große Wettbrennen

Der TDI-Motor ist eine der bedeutendsten Effizienztechnologien der Automobilwelt. Auf einem Roadtrip durch Stationen seiner Erfolgsgeschichte blicken wir zurück auf 25 Jahre Entwicklung. Ein PS-starker Weg mit Inspirationspotenzial für die Zukunft.

 Dreierlei in Kopenhagen: Audi RS 5 TDI concept, Audi A7 Sportback und Audi 100 TDI
Dreierlei in Kopenhagen: Audi RS 5 TDI concept, Audi A7 Sportback und Audi 100 TDI
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Der Audi 100 aus dem Jahr 1989 markiert nicht nur den Beginn der TDI-Story (die später sogar in Le Mans Geschichte schreibt), sondern ist auch insgesamt bereits ein sehr ausgereiftes Automobil. Noch heute gibt sich der Fünfzylinder in jeder Beziehung äußerst arbeitswillig, springt munter an, nimmt freudig Beschleunigungswünsche an und serviert prompt mit anständiger Laufkultur. Dazu ein winziger Wendekreis und natürlich die bei Youngtimer- Freunden so beliebte Einfachheit.

Unser kleiner Roadtrip führt uns von Malmö über die Öresundbrücke nach Kopenhagen in Dänemark. Und zwar zu einem der spektakulärsten Ziele, die man als motoreninteressierter Mensch ansteuern kann. Wir sind im DieselHouse, einem Museum südlich des bekannten Tivoli, direkt an der Durchgangsstraße Nummer 2. Das Gebäude wurde um einen Achtzylinder-Zweitakt- Reihendiesel herumgebaut. 24,5 Meter lang, 12,5 Meter hoch, 1.400 Tonnen schwer und 22.500 PS stark bei 115 Umdrehungen pro Minute. Der Notstromdiesel, der Kopenhagen in schweren Zeiten mit Elektrizität versorgen sollte, ist längst aus dem aktiven Dienst entlassen, aber noch voll einsatzfähig. Mit Druckluft wird das Monstrum aus dem Schlaf geholt. Der Kurbeltrieb setzt sich wie das Skelett eines Brontosaurus langsam in Bewegung. Es zischt und hämmert in einer Weise, die jede Industrial- Band der Achtziger in die Knie zwingen würde. Die Kolben, jeder 4,5 Tonnen schwer, stampfen und pressen dem Besucher die Ehrfurcht vor der Ingenieurs- Schaffenskraft regelrecht ins Bewusstsein.

Das große Wettbrennen

Andreas Fröhlich (rechts), Leiter der TDI Motorenkonstruktion,
erklärt dem Redakteur die Herausforderungen für die Entwicklung des TDI der Zukunft

Gegen diese Maschine ist der TDI unseres Audi 100 ein Winzling. Und spricht man über seine Technik mit Andreas Fröhlich, der heute die Konstruktionsabteilung der TDI-Motoren bei Audi leitet, spürt man Interesse und Erinnerung. Doch Fröhlich ist Ingenieur, er lebt im Morgen, in all den Motoren, die noch zu entwickeln, zu konstruieren sind. Deshalb die Frage: Könnte ein Fünfzylinder-TDI nicht auch für die Zukunft wieder eine Option sein? Man merkt sofort, dass den Technikern in Neckarsulm der Gedanke nicht verwegen erscheint. Doch mit dem aktuellen Programm haben sie erst mal alle Hände voll zu tun.

Wir verlassen das DieselHouse und tauschen den Audi 100 gegen den Audi A7 competition. Das Jubiläumsmodell ist das derzeit „höchste der Gefühle“ in der Welt des V6 TDI. Mit seinem Biturbo bringt er satte 240 kW (326 PS) und bis zu 650 Nm Drehmoment auf die Straße. Über ihm rangiert lediglich noch der 4.2 Liter V8 TDI im Audi A8. „Der V6 ist das Rückgrat der Audi- TDI, der V8 ist das Nonplusultra,“ erklärt Andreas Fröhlich, „hier zeigt sich, was wir unter Rightsizing verstehen. Unsere Modelle sollen souverän motorisiert sein. Zu viel Downsizing und zu hohe Aufladung können sich im Alltag negativ auf Verbrauch, Laufkultur und Haltbarkeit auswirken. Deswegen wird der V6 TDI noch lange eine tragende Rolle spielen, und deswegen entwickeln wir auch den V8 TDI weiter.“

Souverän unterwegs sein. Unaufgeregt, leichtfüßig, komfortabel und sportlich. Diese Attribute vereint der A7 competition auf beeindruckende Art und Weise. Sein sauber gekapseltes Triebwerk, dessen Package und Integration in den Vorderwagen eine viel zu selten gewürdigte Meisterleistung darstellt, schnurrt leise vor sich hin. Der zur Potenz passende voluminöse Sound wird stattdessen in der Sportabgasanlage komponiert und macht beim Durchstarten deutlich, dass der Gentleman im eleganten Gewand auch anders kann. Der Powerdiesel stellt seine 650 Nm Drehmoment schon ab 1.400 Umdrehungen zur Verfügung. In Verbindung mit der schnell schaltenden Achtstufen- tiptronic bleiben im Bereich von null bis 250 km/h keine Performance- Wünsche offen.

Das große Wettbrennen

Erster TDI mit RS-Adelung:
Dieser Technikträger darf sich RS nennen, weil er die Performance eines Sportwagens erreicht

Dieser Motor ist im Wortsinn eine Wucht. Doch sich damit zufrieden geben? Die Frage beantwortet der Audi RS 5 TDI concept. Hier haben die Entwickler einen 3.0 V6 TDI Biturbo ins sportliche Design des RS 5 Coupé gehüllt. Doch damit nicht genug: Zu den Turbobrüdern gesellt sich noch ein kleines Geschwisterchen. Elektrisch angetrieben hat es sich vom Abgasstrom emanzipiert und dreht bis zu 72.000 Touren. Das heißt: ab Start voller Schub, bis die beiden dicken Turbos übernehmen. Weil der neue Kollege die Basis liefert, dürfen sich die beiden anderen noch ein bisschen freier austoben – und so ergibt sich neben dem katapultartigen Spurtverhalten noch eine ordentliche Portion Zusatzleistung.

Mit 283 kW (385 PS) und 750 Nm ist der Technikträger sozusagen Klitschkos Rechte auf Rädern. Von null auf 100 km/h braucht der Sportler gerade einmal vier Sekunden. Typische RS-Feinheiten wie Sportfahrwerk und Keramikbremsen runden die High-Performance- Talente endgültig ab.

So ein e-Turbo ist eine feine Sache. Warum man ihn noch in keiner Preisliste findet? Die Antwort verbirgt sich unter dem Kofferraumboden. Hier finden sich neben der standardmäßigen 12-Volt-Batterie noch ein 48-Volt-Lithium-Ionen-Speicher und ein DC/DC-Wandler. Von hier aus führt ein 48-Volt- Netz bis zum elektrischen Lader im Motorraum. Die Technologie befindet sich in der Endphase der Serienentwicklung.

Den nächsten Evolutionsschritt unternimmt der V6 TDI, wenn er sich mit der e-tron-Technologie verbündet. Nach dem Denkmuster des A3 Sportback e-tron geht es auch hier darum, eine elektrische Reichweite von 50 Kilometern zu realisieren. Dazu kommt beim TDI e-tron noch die überlegene Dieselreichweite, die den Kunden uneingeschränkte Mobilität garantiert. Mit einer Systemleistung von 275 kW (373 PS) und einem Drehmoment von 700 Nm wird der neue Plug-in-Hybridantriebsstrang auch in Sachen Performance keinerlei Verzicht zulassen. Das erste Serienmodell mit TDI e-tron präsentiert Audi im Laufe des Jahres 2015.

Der Text ist im aktuellen Audi-Technologiemagazin erschienen, das weitere spannende Einblicke in die verschiedensten Technologie-Themen bei Audi liefert. Auf Scribd können Sie sich das komplette Magazin herunterladen.

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Audi A7 3.0 TDI competition quattro:

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km:  6,3**;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 167**

Audi A8 4.2 V8 TDI:

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,5-7,3**;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 197-189**

A3 Sportback e-tron:

Kraftstoffverbrauch nach ECE-Norm in l/100 km: 1,7 – 1,5**;
Stromverbrauch kombiniert in kWh/100 km: 12,4 – 11,4**;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 39 – 35**

**Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen sowie Effizienzklassen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz.

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