Audi e-tron fährt Pikes Peak herunter

Challenge am Pikes Peak: Wer spart am meisten Reichweite ein?

Der Audi e-tron-Prototyp im Rekuperationstest

Elektromobilität verändert viel. Sogar die Tradition des Pikes Peak-Wettrennens. Dieses Mal ging es Audi nicht darum als Erstes den Gipfel zu erreichen, sondern bei der Bergabfahrt möglichst viel Energie durch Rekuperation zurückzugewinnen. Wie viel Energie der Audi e-tron-Prototyp bei dieser Fahrt in die Batterie zurückgespeist hat und was Blogger Des Sellmeijer am Ziel nachhaltig beeindruckt hat…

Audi e-tron Prototypen fahren Pikes Peak hinunter
Vier Teams testen den neuen Audi e-tron-Prototyp bei der Bergabfahrt vom Pikes Peak.

Vier Teams, ein Berg, mehr als 200 Kurven und eine Mission! Ich stehe auf dem Gipfel des Pikes Peak in Colorado, einem der bekanntesten Berge in den Vereinigen Staaten. Bereits seit mehr als 100 Jahren strömen Menschen zum Pikes Peak. Viele von ihnen für das Bergrennen „Race to the Clouds“. Aber ich bin heute nicht mit dem Ziel hier, den Gipfel des Pikes Peak möglichst schnell zu erreichen, sondern ihn möglichst sparsam runterzufahren. Es ist noch dunkel, als wir unsere Fahrt zum Gipfel beginnen. Durch das Scheinwerferlicht des Audi Q7 ist deutlich zu erkennen, wie der Wind den Nebel wegweht.

Pikes Peak mal anders

Auf einer Höhe von 4.302 Metern über dem Meeresspiegel ist es nicht nur die Temperatur, die bis zum Gefrierpunkt fällt, sondern auch der Sauerstoffgehalt, der auf ein Level sinkt, bei dem man schon nach wenigen Schritten atemlos ist.

Als wir uns der Spitze nähern und die Dunkelheit langsam den ersten Vorboten der Dämmerung weicht, werfen wir einen ersten Blick auf die Fahrzeuge für die heutige Mission: mehrere Exemplare des Audi e-tron-Prototyp. Unsere heutige Herausforderung ist es, den Berg hinunterzufahren und dabei so viel Energie wie möglich mit dem ersten vollelektrischen Audi zu rekuperieren.

Des Sellmeijer fotografiert Audi e-tron

Der Pikes Peak bietet in den frühen Morgenstunden eine unglaubliche Kulisse.

Wovon Rekuperation abhängt

Wir, das ist das “Team Red“. Mit dabei: Gregor Habermehl von der Motor Presse Stuttgart sowie der Leiter der Audi Bremsentwicklung für das neue rein elektrische Auto.
Letzterer sitzt am Steuer, während Gregor und ich das iPad im Blick behalten, das in Echtzeit alle Daten zur aktuellen Fahrt anzeigt. Beispielsweise die Fahrroute, ob wir im Leerlauf fahren oder wie stark wir bremsen. Aber auch wie viele Kilowattstunden wir mit dem Audi e-tron-Prototyp rekuperieren. Gleich zu Beginn unserer Fahrt lerne ich etwas Neues: Die Menge an zurückgewinnbarer Energie hängt beim Herunterfahren nicht nur von der Ausstattung des Autos und seiner Geschwindigkeit ab, sondern auch von seinem Gewicht. Mein Scherz daraufhin, ein paar Steine in den Kofferraum zu legen, kommt beim Team aber nicht so gut an. 😉

Fahrmodus des Audi e-tron wird auf I-Pad angezeigt
Während der Fahrt erhalten Blog-Autor Des Sellmeijer und Gregor Habermehl (Motor Presse Stuttgart) Daten über den Fahrmodus des Audi e-tron-Prototyp in Echtzeit auf ihr iPad gespielt.

Nur wenig Gas geben um viel Energie zu gewinnen

Es ist 6 Uhr morgens als wir uns auf den Weg machen. Die Sonne geht langsam auf, die Wolken verziehen sich nach und nach und enthüllen ein herrliches Panorama. Der Audi e-tron-Prototyp fährt leise vom Parkplatz und benötigt nur einen Stupser aufs Gas, um den Beginn – oder das Ende, wenn man so möchte – der Straße zum Pikes Peak zu erreichen. Von hier aus geht es 30 Kilometer bergabwärts.

Der Audi e-tron-Prototyp gewinnt Energie auf zwei verschiedene Arten zurück: Zum einen durch die Schubrekuperation – wenn der Fahrer das Gaspedal loslässt – und zum anderen beim Bremsvorgang. Das Rekuperationssystem bezieht sowohl die beiden E-Maschinen als auch das elektrohydraulisch integrierte Bremsregelsystem mit ein. Dabei werden erstmals drei verschiedene Rekuperationsarten kombiniert: die manuelle Schubrekuperation per Schaltwippen, die automatische Schubrekuperation über den prädiktiven Effizienzassistenten und die Bremsrekuperation mit fließendem Übergang zwischen elektrischem und hydraulischem Verzögern.

Das Ergebnis: Jeder Kilometer bergab bringt rund einen Kilometer zusätzliche Reichweite.

Kurvige Straße Pikes Peak

30 km bergab, ein Gefälle von durchschnittlich sieben Prozent und 200 Kurven – die Bergstraße des Pikes Peak hat einiges zu bieten.

Mit dem Elektromotor bremsen

Wir beginnen mit unserer Talfahrt und der Challenge um maximale Rekuperation. Es wird gleich richtig steil und wir müssen die Geschwindigkeit mit der konventionellen Bremse drosseln. In 90 Prozent aller Bremsvorgänge nutzt der Audi e-tron-Prototyp interessanterweise den elektrischen Motor zum Abbremsen. Alle normalen Bremsmanöver werden somit energetisch in die Batterie zurückgespeist.

Audi e-tron Prototyp Heckansicht am Pikes Peak
Das Rekuperationssystem trägt bis zu 30 Prozent zur Reichweite des Elektro-SUV bei. Es bezieht sowohl die beiden E-Maschinen als auch das elektrohydraulisch integrierte Bremsregelsystem mit ein.

Der Übergang zwischen elektrischem und hydraulischem Verzögern ist fließend und ich würde ihn kaum bemerken, wenn kein Hinweis im virtual cockpit erscheinen würde und das iPad in meinen Händen nicht rot aufleuchten würde. Die Abfahrt als kleines Kraftwerk ist zwar nett, aber ich möchte mehr von der Leistung des e-tron-Prototyp sehen. Der Kollege von Audi lässt die 265 kW und das Drehmoment von 561Nm der zwei E-Maschinen für sich sprechen. Ich werde nicht enttäuscht.
Er drückt das Gaspedal voll durch, wechselt von Fahrstufe D zu S und aktiviert so den Boost-Modus. Für kurze Zeit produziert der Antrieb 300 kW Systemleistung und 664 Nm Drehmoment. Genug für einen Sprint von 0 auf 100 km/h in unter sechs Sekunden bei einer Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h.

Eiskalt(e) Bremsen

Auf der halben Strecke bergab halten wir an und werden einem erforderlichen Bremsen-Check unterzogen. Parkwächter überprüfen die Temperaturen der Bremsen an jedem Fahrzeug. Wenn die Bremsen eine Temperatur von 300 Grad Fahrenheit (148 Grad Celsius) übersteigen, muss der Fahrer parken und mit der Weiterfahrt solange warten, bis die Bremsen abgekühlt sind. Der Q7 vor uns misst 146 Grad Fahrenheit (circa 63 Grad Celsius) und darf weiterfahren. Ich frage mich, wie heiß unsere Bremsen wohl sind, denn das iPad zeigt deutlich, dass wir die Bremsen des Öfteren in haarnadelscharfen Kurven und nach einigen unserer Sprints genutzt haben – das Ergebnis überrascht mich.

Unsere Bremsen haben eine Temperatur von lediglich 53 Grad Fahrenheit (knapp über 10 Grad Celsius). Das zeigt, dass all die Energie, um das Auto abzubremsen, in unsere Reichweite eingespeist wurde. Das Rekuperationssystem trägt bis zu 30 Prozent zur Reichweite des Elektro-SUV bei. Das hat auch zur Folge, dass der Audi e-tron-Prototyp im WLPT-Prüfzyklus mit nur einer Batterieladung mehr als 400 Kilometer schafft.

Temperaturmessung der Reifen

Damit die Abfahrt so sicher wie möglich ist, gibt es am Pikes Peak einen Kontroll-Stop an dem die Temperatur der Bremsen überprüft wird.

Gewinner beim Rückgewinn

Wir sind natürlich neugierig, wie gut wir im Vergleich zu den anderen Teams sind und fahren weiter abwärts über kurvige Bergstraßen, die uns vorbei an Wäldern und Seen zum Ziel führen. Am Ende der Straße, die für die meisten eigentlich der Anfang ist, stoppen wir die Aufnahme auf dem iPad und geben es zum Vergleich mit den anderen Teams ab.

Wir haben die Strecke von 30 Kilometern in einer Stunde und 16 Minuten zurückgelegt. Das ist mit Sicherheit kein Weltrekord. Aber bei den 1.940 Metern Höhenabstieg von 4.301 Metern zu 2.361 Metern über dem Meeresspiegel haben wir die bisher höchste Rekuperation von 10.267 kwH erreicht. Da ist es keine Überraschung, dass wir die meiste Energie beim Beschleunigen verbrannt haben – der generelle Effizienz-Award ging somit an das gelbe Team.

Audi e-tron – innovatives Rekuperationskonzept

Der Audi e-tron bietet doppelte Effizienz. Zum einen lädt sich die Batterie über die Rekuperation automatisch auf. Zum anderen schont die Technik die Bremsen und sorgt somit für höchste Sicherheit.

Der Pikes Peak ist normalerweise bekannt für das Bergrennen
Der Audi e-tron-Prototyp bietet Digitalisierung in neuer Form: optionale, virtuelle Außenspiegel.
Pro gefahrenem Kilometer am Pikes Peak gibt es durch die Rekuperation rund einen Kilometer zusätzliche Reichweite.

Der Pikes Peak ist normalerweise bekannt für das Bergrennen "Race to the Clouds". Bei der Testfahrt des Audi e-tron-Prototyp geht es aber um die Performance bergab.

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Der Audi e-tron-Prototyp bietet Digitalisierung in neuer Form: optionale, virtuelle Außenspiegel.

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Pro gefahrenem Kilometer am Pikes Peak gibt es durch die Rekuperation rund einen Kilometer zusätzliche Reichweite.

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Der Audi e-tron-Prototyp
Aus dem Audi MediaCenter

Energiewende: Audi e-tron-Prototyp im Rekuperationstest

Der Audi e-tron-Prototyp vereint enorme Kraft mit hoher Effizienz. Mit einer Systemleistung von bis zu 300 kW beschleunigt der vollelektrisch angetriebene Oberklasse-SUV in unter sechs Sekunden von null auf 100 km/h. Im WLTP-Prüfzyklus legt er mit einer Batterieladung mehr als 400 Kilometer zurück. Ein wichtiger Faktor für die hohe Reichweite ist das innovativste Rekuperationskonzept im Wettbewerb. Dieses stellt der Elektro-SUV am Pikes Peak eindrucksvoll unter Beweis.

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