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Der Herr der Lüfte

Gerhard Dörfler muss schwindelfrei sein: Er kümmert sich um die Greif- und Singvögel im Audi-Werk Ingolstadt. Er ist über den Dächern des Werks unterwegs und wacht mit Adleraugen über seine Schützlinge. Florian Zimmermann hat ihn begleitet.

 Ein junger Wanderfalke startet zum Flug über das Audi Werksgelände in Ingolstadt
Ein junger Wanderfalke startet zum Flug über das Audi Werksgelände in Ingolstadt
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„Haben Sie Höhenangst?“ Mit dieser Frage begrüßt Gerhard Dörfler zum Interview. Eine berechtigte Frage, denn kurze Zeit später geht es über eine schmale Feuertreppe auf die Dächer der Produktionshallen im Werk Ingolstadt. In über 30 Metern Höhe zeigt der Audi-Vogelbeauftragte seine Wirkungsstätte. Hier hängt einer von insgesamt 45 Brutkästen für Turm-, Wanderfalken und Mauersegler.

Die Gewohnheitstiere kehren Jahr für Jahr wieder an diesen Ort zurück, um ihre Nester zu beziehen. Nachvollziehbar, denn einige der eigens von Audi entworfenen Kästen haben beheizte Wände und bieten perfekte Bedingungen für die Aufzucht von Jungvögeln. Mit integrierter Sitzheizung und warmem Bürzel im Premium-Nistplatz lässt es sich einfach besser brüten.

Dörfler genießt den Ausblick von hier oben. Von diesem Platz aus habe er die jungen Greifvögel fest im Blick und könne die ersten Flugversuche des Nachwuchses beobachten. Mit dem Fliegen sei es wie im Automobilbau so Dörfler: „Nur wer fleißig übt und die richtige Technik entwickelt, kann durchstarten.“

Der Herr de Lüfte

In 30 Metern Höhe auf dem Dach der Lackiererei hat der Audi-Vogelbeauftragte seine Schützlinge fest im Blick

Sollte dennoch mal ein Vogel abstürzen und verletzt aufgefunden werden, ist er zur Stelle. Im Notfall erhalten die flügellahmen Patienten medizinische Versorgung in der lokalen Tierklinik. Im Anschluss päppelt sie Dörfler bei sich zu Hause wieder auf. Bis zu sechs Wochen benötigt es, bis die Tiere wieder erste Flugversuche unternehmen können.

Seit 25 Jahren kümmert sich Dörfler bereits privat um verletzte Vögel. Als Audi dann auf der Suche nach einem Vogelbeauftragten war, meldete er sich freiwillig. Das Engagement läuft parallel zu seiner eigentlichen Anstellung als Blechschlosser.

In seiner Werkstatt deutet kaum etwas auf die Nebentätigkeit hin. Doch gut versteckt in einer der unscheinbaren Schubladen bewahrt Dörfler bunte Federn auf. Eine Erinnerung an besonders prachtvoll gefiederte Patienten. Von Seiten des Unternehmens genießt er volle Unterstützung. Sobald ihn die Meldung von einem verletzten Vogel erreicht, darf er alles stehen und liegen lassen. Das ist Teil der Abmachung, denn in solchen Situationen stehe das Wohl des Tieres an erster Stelle.

Der Herr der Lüfte

Während das Weibchen auf Nahrungssuche ist, bewacht ein Turmfalken-Männchen das Nest

Die Fahrt mit dem gelernten Schlosser über das Werksgelände kommt einer ornithologischen Entdeckungstour gleich. Überall tauchen plötzlich fest montierte Brutkästen auf, die von den meisten Audi-Mitarbeitern so wohl noch nie wahrgenommen wurden. „Hier brüten im Frühjahr immer die Turmfalken“, erwähnt Dörfler, als er am Heizturm links abbiegen muss.

Selbstverständlich ist das nicht: Hinter jedem einzeln angefertigten Nistplatz stehen viel persönliches Engagement und handwerkliche Begabung. Auf die Frage, woher seine Faszination für die Vögel stamme, stoppt er den Wagen. „Das Gefühl einen genesenen Vogel in die Freiheit zu entlassen, auf einem menschenleeren Feld seine ersten Flügelschläge zu beobachten, ist einfach großartig. Wir schenken ihm eine zweite Chance“, sagt der Herr der Lüfte aus Ingolstadt und lächelt.

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie zum Thema Nachhaltigkeit. An konkreten Beispielen zeigen wir Ihnen, wie Audi Nachhaltigkeit fördert und in der Praxis umsetzt. Weitere Informationen zum Thema finden Sie im Audi Corporate Responsibility Report.

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