Aus unserem Archiv:

Gourmet-Küche auf neuen Wegen

Heuschrecken im Schokomantel, gebratene Wanzen und geröstete Mehlwürmer stehen auf seiner Speisekarte: Insektenkoch Frank Ochmann sprach im Audi.torium über seine Vorliebe für Krabbeltiere – für mutige Gäste gab es sogar eine Kostprobe.

 Rosmarin, Chili, Knoblauch: Die knusprig angebratenen Mehlwürmer sind eine gute Alternative zum Knabbern
Rosmarin, Chili, Knoblauch: Die knusprig angebratenen Mehlwürmer sind eine gute Alternative zum Knabbern
Werte der auf dieser Seite beworbenen Fahrzeuge:

Keine Angaben

Einsteigern empfiehlt Frank Ochmann Mehlwürmer. Knusprig angebraten sind die kleinen Insekten eine gesunde Alternative zum Knabbern. Der Geschmack? „Salzig. Im Abgang erinnern sie an Erdnussflips“, sagt der gelernte Koch. „Für Fortgeschrittene empfehle ich Schwarzkäferlarven. Die schmecken fleischig, ein wenig nach Lamm, aber auch ein bisschen muffig. Sie sind vergleichbar mit altem Käse. Entweder man mag sie oder man mag sie nicht.“

Seine Leidenschaft für Krabbeltiere entdeckte Frank Ochmann auf Hawaii. Dort probierte er zum ersten Mal Tausendfüßler. „Als Koch bin ich viel gereist und habe gerne exotische Gerichte probiert. Der Tausendfüßler schmeckte ganz ok. Es hat mich damals aber noch nicht umgehauen,“ erzählt er. Ein paar Jahre später war er auf der Suche nach neuen, kreativen Rezepten. „Da kam mir die Idee, die Insektenküche nach Deutschland zu bringen. Ich begann zu experimentieren.“

Zwölf Jahre und zahlreiche Gerichte später ist Frank Ochmann zu Gast im Audi.torium im Audi Forum Ingolstadt. Mittlerweile hat er sich mit seiner Insektenküche einen Namen gemacht, organisiert Kochevents „mit dem besonderen Thrill“ und bietet Kochkurse an. Vorbehalte gegen seine Küche kann er verstehen. „Bereits Kindern wird beigebracht, dass Insekten Ungeziefer sind und Krankheiten übertragen. In unserem Kulturraum ekelt man sich davor.“ Doch bei ihm komme nur beste Ware auf den Tisch: „Ich beziehe meine Insekten vom Züchter, der strenge gesetzliche Auflagen erfüllen muss. Ich kaufe außerdem ausschließlich lebende Tiere, damit ich sie so frisch wie möglich zubereiten kann.“

Insektenkoch Frank Ochmann (rechts) zusammen mit Moderator Stephan Öri im Gespräch beim Audi.torium

Sein persönliches Leibgericht ist die Heuschrecke, die nach knuspriger Hühnerhaut schmeckt. „Fleischliebhabern empfehle ich dagegen die Mittelmeergrille. Die erinnert an knusprigen Schweinebauch“, sagt der Gourmet. Nicht nur geschmacklich, sondern auch preislich unterscheidet sich die Käfer-Feinkost. Das Fastfood unter den Krabblern sind Mehlwürmer, die relativ günstig zu kaufen sind. Ein Kilogramm von der Grille kostet dagegen bereits 600 bis 700 Euro. Das Filet unter den Insekten bildet die Heuschrecke, für die Frank Ochmann im Einkauf 50 Cent pro Stück bezahlt. „Das entspricht einem Kilopreis von etwa 1.600 Euro,“ sagt Ochmann.

Immerhin: Ein schlechtes Gewissen muss man nach dem Verzehr der speziellen Gerichte nicht haben. Das bestätigt auch Thomas Christeiner. Der Ökotrophologe arbeitet im Audi Betriebsrestaurant in Ingolstadt und prüft dort die Lebensmittel auf Unverträglichkeiten. „Aus Sicht des Ernährungswissenschaftlers sollten alle Menschen Insekten essen. Sie sind so eiweißreich wie Fleisch und enthalten wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Sie stecken voller Eisen und Vitamine und haben dabei keine Kohlenhydrate,“ sagt Christeiner.

Gerade in armen Ländern gelten Insekten als eine preiswerte und umweltverträgliche Alternative zu Fleisch. Denn für deren Aufzucht muss viel weniger Energie in Form von Nahrung eingesetzt werden als beispielsweise bei der Rinderzucht. „Ich frage mich allerdings, warum die Preise für Insekten hierzulande so hoch sind. Die Kosten sehe ich als einen kritischen Punkt. Als Nahrungsmittel werden sich Insekten nur dann durchsetzen, wenn sie günstiger angeboten werden,“ so Christeiner.

Es ist angerichtet: Die Schwarzkäferlarven schmecken fleischig und leicht muffig

Währenddessen bereitet Frank Ochmann das Menü für das Publikum zu. Olivenöl wird mit Rosmarin parfümiert, Chili und Knoblauch werden angeschwitzt. Dann fügt der Koch Mehlwürmer hinzu, die schließlich knusprig angebraten an die Gäste verteilt werden.

Eins steht fest: Insekten fördern die Kommunikation. Die kleinen Schälchen können gar  nicht schnell genug verteilt werden. Viele Neugierige drängeln sich nach vorne, um etwas von den exotischen Köstlichkeiten zu probieren. In kleinen Gruppen wird leidenschaftlich diskutiert. Es scheint zu schmecken, denn auch der nächste Gang wird freudig vom Publikum in Empfang genommen. Auf Mehlwürmer und Schwarzkäferlarven folgt als Hauptgang der „Schweinebauch“ – die knusprige Mittelmeergrille. „Ich leiste momentan noch viel Aufklärungsarbeit, um die Vorurteile gegenüber Insekten abzubauen. Doch ich will vor allem lecker kochen und meinen Gästen ein Erlebnis schenken“, erzählt der Koch. Von dem Potential der Krabbler ist er überzeugt. „Insekten sind das Nahrungsmittel der Zukunft.“

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.