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Ein Crashtest bei Audi

Bevor ein neues Audi-Modell an die Kunden ausgeliefert werden kann, wird es vorher zahlreichen Sicherheitstests unterzogen und auf Herz und Nieren geprüft. Wir waren bei einem der Crashtests in der Fahrzeugsicherheit dabei.

 Die Dummys im Fahrzeug sind mit bis zu 75 Sensoren ausgestattet
Die Dummys im Fahrzeug sind mit bis zu 75 Sensoren ausgestattet
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Der Rollbock rast mit 50 Stundenkilometern direkt auf die Seitentür des Audi A8 L und knallt mit voller Wucht gegen das Serienauto. Innerhalb von Millisekunden öffnen sich die Airbags in der Fahrgastzelle und die Warnblinkanlage schaltet sich ein. Was bleibt, sind Dellen in den Seitentüren und ein mulmiges Gefühl – zumindest bei mir. Für Christoph Schmedding hingegen gehören die inszenierten Aufprallmanöver zum Berufsalltag: Er arbeitet seit fünf Jahren in der Fahrzeugsicherheit von Audi.

„Bevor ein neues Modell an unsere Kunden übergeben werden kann, müssen neben Simulations- und Komponentenversuchen auch eine Vielzahl von Crashversuchen durchgeführt werden“, sagt Schmedding. „Der Gesetzgeber verlangt zudem eine so genannte Conformity of Production (CoP), bei der durch wiederholte Prüfungen nachgewiesen wird, dass auch nach der Typzulassung die aktuellen Serienfahrzeuge die Sicherheitsstandards erfüllen.“

In der Entwicklungsphase von neuen Modellen spielt das Crash-Team eine wichtige Rolle und ist eng vernetzt mit den Entwicklern. „Bevor ein Crash stattfindet, simulieren die Kollegen den Versuch am Computer. Die Ergebnisse aus dem echten Versuch fließen zurück in das Simulationsmodell“, erläutert der 46 Jahre alte Diplom-Ingenieur. „Die Herstellung von Entwicklungsfahrzeugen ist mit hohen Aufwänden verbunden. Wir crashen ein Auto je nach Vorversuch daher auch mehr als einmal.“

Crashtest Fahrzeugsicherheit

In dieser Halle werden die Crashtests realisiert

Der Crash des Audi A8 L zählt zu den CoP-Versuchen. Bevor der Aufprall allerdings realisiert werden konnte, mussten viel Messtechnik und Kamerasysteme im Auto verbaut werden. Auf der Motorhaube führen daher große Kabelbündel zu den dort angebrachten Messboxen. Jedes Kabel ist mit einer bestimmten Messstelle oder einer kleinen Kamera im Auto verbunden, um sowohl die Verformung und die Eigenschaften des Bauteils aufzuzeichnen als auch das Verhalten des Dummys und die Funktion der Airbags zu messen.

„Bei vielen Crashversuchen werden einzelne Fahrzeugteile in auffälligen Farben lackiert, um deren Bewegung während des Crashs in den Kameraaufzeichnungen besser erkennen zu können“, erläutert Schmedding. Nicht nur das Auto selbst, sondern auch die Dummys im Fahrzeug sind mit bis zu 75 Sensoren ausgestattet. Anhand dieser werden zum Beispiel die Verformungen an den Rippen gemessen oder wie stark der Kopf beschleunigt wird. „Wir müssen das Fahrzeug so intelligent bauen, dass die Energie des Aufpralls durch optimale Verformung abgebaut wird, so dass die Fahrgastzelle stabil bleibt und die Insassen bestmöglich geschützt werden“, erklärt der Diplom-Ingenieur.

Crashtest Fahrzeugsicherheit

Bevor der Aufprall realisiert werden kann, muss viel Messtechnik und Kamerasysteme im Auto verbaut werden

Die Eigenschaften aller Dummys werden vom Gesetzgeber genau festgelegt. „Für diesen Versuch kommt der ‚ES-2′ zum Einsatz, ein Dummytyp, der speziell für Seitencrashs entwickelt wurde. Mit seinen Körpermaßen entspricht er dem Mittelwert von männlichen Erwachsenen, dem so genannten ’50-Perzentil-Mann‘, der eine Größe von etwa 1,76 Meter und ein Gewicht von rund 78 Kilogramm hat. Die für diesen Versuch vom Gesetzgeber vorgeschriebene Dummytemperatur muss in einem Bereich zwischen 18 und 26 Grad liegen.

Um die Abläufe während des Crashs genau zu dokumentieren, werden sogenannte High-Speed-Kameras verwendet. Mit 1.000 Bildern pro Sekunde halten sie genau fest, was während des Aufpralls passiert. Eine zusätzliche Lichtanlage mit 144.000 Watt leuchtet das Auto bestmöglich aus. Durch den matten Lack der Crash-Autos entstehen möglichst wenige Lichtreflexe, so dass man die Kameraaufzeichnungen besser auswerten kann.

Das Crashfahrzeug wird im Anschluss an die Test einer detaillierten Analyse unterzogen und die Messergebnisse den jeweiligen Entwicklungsabteilungen zur Bewertung zur Verfügung gestellt. Ganz am Ende wird es unter strenger Geheimhaltung geschreddert und verschrottet.

 

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A8 L

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,5-7,3**;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 190-197**

**Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen sowie Effizienzklassen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz.

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Audidiva

11. January 2013 um 16:15
Da fällt sicher eine ganze Reihe Versuche im Jahr an. Schon beeindruckend, dass alle Modelle getestet werden.