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Ein Gruß aus Venezuela

Mit einem Konzert des Teresa Carreño Youth Orchestra of Venezuela gingen am Sonntag die Audi Sommerkonzerte zu Ende. Die jungen Venezuelaner spielten Stücke von Bartók und Tschaikowski - und erhielten dafür zum Abschluss Standing Ovations.

 Diego Matheuz dirigierte den Auftakt des Abschlusskonzerts im Festsaal des Ingolstädter Stadttheaters
Diego Matheuz dirigierte den Auftakt des Abschlusskonzerts im Festsaal des Ingolstädter Stadttheaters
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Es ist fast nicht zu glauben, dass ein so junges Orchester zu einer so imposanten Darbietung in der Lage ist. Über 150 junge Musikerinnen und Musiker waren am Sonntagabend beim Abschlusskonzert der Audi Sommerkonzerte 2013 im Festsaal des Ingolstädter Stadttheaters auf der Bühne. Die Salzburger Festspiele hatten das Teresa Carreño Youth Orchestra aus dem El Sistema-Orchesterprogramm aus Venezuela nach Ingolstadt geschickt. Zuvor hatte das Ensemble bereits Auftritte im Rahmen der Festspiele, die Audi seit 1995 als Hauptsponsor unterstützt.

In Venezuela gehören viele der 16- bis 24-Jährigen zu den weniger Privilegierten. Gegründet wurde „El Sistema“ – ebenso bekannt als „Simón Bolívar“ (Fundamusical Bolívar) – in den 70er Jahren von José Antonio Abreu, selbst Musiker und Ökonom. Mit der Musikinitiative wollte er armen Kindern und Jugendlichen eine Chance auf einen Platz in der Gesellschaft geben.

Anerkennung, Erfolg und Teamarbeit sind für ihn die Schlüsselworte und das Ziel, das er den Jugendlichen mitgeben wollte. Auch heute noch leben drei Viertel der jungen Menschen, die in einem seiner mittlerweile 286 Zentren ausgebildet werden, unterhalb der Armutsgrenze. Inzwischen werden dort 400.000 Kinder und Jugendliche ausgebildet.

Audi Sommerkonzerte

Das Teresa Carreño Youth Orchestra of Venezuela spielte zum Abschluss der Audi Sommerkonzerte 2013

Wie viel Kraft Musik kostet und wie viel sie geben kann, stellten die jungen Musiker unter Leitung der Dirigenten Diego Matheuz und Christian Vásquez unter Beweis. Eröffnet wurde der Abend mit dem „Konzert für Orchester Sz 116“ des ungarischen Komponisten Béla Bartók. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Moderne. Das Stück entstand 1943 in acht Wochen, als der damals 62-Jährige gerade vor dem Zweiten Weltkrieg in die USA geflohen war. Auch er war „In der Fremde“, als er dieses Stück verfasste – das Motto der diesjährigen Audi Sommerkonzerte.

Das Stück ist schwer und tief. Schrille Verzweiflung und Hektik untermalen Bartóks Kriegserinnerungen. In diesem Werk verschmelzen verschiedene Kompositionstechniken, die einzelnen Instrumente werden eher solistisch behandelt. Interpretiert von rund 150 jungen venezolanischen Musikern kommt diese Stimmung umso deutlicher hervor. Allein 14 Kontrabässe und sechs Oboen waren vertreten. „Die Bühne mussten angebaut werden, wir hatten zunächst gar nicht genug Platz für alle“, so Sebastian Fischer, der die Konzertreihe organisiert.

Beim Publikum stieß das große Orchester auf große Begeisterung. Bereits zur Pause gab es tosenden Applaus „Eigentlich bin ich ja Mozart-Fan, das Neumodische ist mir oft zu laut“, so eine Konzertbesucherin. „Aber so eine imposante, kraftvolle Leistung, das hab ich nicht oft erlebt. Und ich gehe häufig zu Konzerten.“ Ähnlich sehen das zwei junge deutsche Musiker: „Die ersten 50 Minuten des Konzerts kamen mir vor wie zehn. Umso mehr freue ich mich jetzt auf Tschaikowski, denn an diesem Stück habe ich mich selbst schon versucht. Jetzt bin ich auf diese Version gespannt“, so die Schülerin, die gemeinsam mit ihrem Bruder und den Eltern da ist.

Audi Sommerkonzerte

Im zweiten Teil spielte das Ensemble unter Leitung von Christian Vasquéz Tschaikowskis „Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 36“

Im zweiten Teil unter Leitung von Christian Vasquéz spielte das Ensemble Tschaikowskis „Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 36“. Der Komponist selbst schrieb, er drücke damit Liebe und glühende Begeisterung aus – diese Freude war auch den Musikern anzumerken, die lebhaft und mit sichtlicher Freude musizierten. Das Publikum belohnte sie am Ende mit minutenlangen Standing Ovations, die nur von einem plötzlichen Lichtausfall unterbrochen wurden.

Ein Trick, denn die Musiker nutzten die kurze Zeit, um sich Jacken in den Farben Venezuelas überziehen. Es folgten drei Zugaben: der „Mambo“ aus dem Musical „West Side Story“ von Bernstein, „Malambo“ von Ginastera und das südamerikanische Volkslied „Tico Tico“. Dabei tanzten auch die Musiker mit und animierten die Zuschauer zum Mitklatschen.

Zum Abschluss warfen die jungen Musiker ihre Jacken ins Publikum. Noch einmal kam Bewegung in den Zuschauersaal, denn jeder wollte ein solches Souvenir für sich ergattern. So wurden die Straßen Ingolstadts für einen Abend ein wenig venezolanisch – ein Gruß der Musiker aus Lateinamerika.

Für alle, die nicht live dabei sein konnten, gibt es die Aufzeichnung des Konzerts am 6. August ab 18.05 Uhr auf BR-KLASSIK.

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