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Ein Karosseriebau mit Gleisanschluss

In Neckarsulm wird der neue dreigeschössige A8-Karosseriebau direkt über dem Verladebahnhof gebaut: Wo täglich etwa 900 Audi-Modelle das Werk verlassen, entstehen parallel 45.000 Quadratmeter Nutzfläche – eine logistische Meisterleistung.

 Der neue Audi A8-Karosseriebau entsteht direkt über dem Verladebahnhof des Audi-Werks Neckarsulm
Der neue Audi A8-Karosseriebau entsteht direkt über dem Verladebahnhof des Audi-Werks Neckarsulm
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Ein Häuslebauer war Matthias Schwarz nie. Seit seiner Studienzeit hat der Architekt immer an Großprojekten gearbeitet. Doch die Baustelle, die er aktuell verantwortet, hat auch für ihn eine neue Dimension: Im nördlichen Teil des Audi-Werks in Neckarsulm baut das Unternehmen einen dreigeschossigen Karosseriebau, unter anderem auch für sein Flaggschiff A8. Das Besondere: Die Produktionshallen entstehen direkt über dem Verladebahnhof. „Wir gehen hier an die Grenze des Machbaren“, sagt Projektkoordinator Schwarz und hat sichtlich Freude an der Aufgabe.

Das Gebäude steht auf Stützen mit jeweils vier Bohrpfählen, die 13 Meter tief in die Erde ragen. Jede dieser Stützen hält 35 Meganewton Kraft aus, das heißt: „1.750 Audi A8 könnte man darauf stapeln“, erklärt Schwarz. Während der Bauzeit läuft der Betrieb im Verladebahnhof normal weiter – eine enorme logistische Herausforderung, die das Team jeden Tag meistert.

„Seit Baubeginn im Dezember 2013 hat nicht ein Audi das Werk aufgrund der Bauarbeiten verspätet verlassen“, berichtet Michael Vaporis, Leiter Fahrzeugversandsteuerung und -transport in Neckarsulm. Rund 900 Neufahrzeuge werden vom Werkbahnhof täglich auf Schienen in die ganze Welt ausgeliefert. „Da darf natürlich nicht irgendwo eine Betonpumpe den Weg zum Zug versperren“, so Vaporis. „Jeder Bauschritt muss zeitlich genau abgestimmt sein.“

A8 Karosseriebau Neckarsulm

Ein dreigeschossiger Karosseriebau mit insgesamt 41 Metern Höhe

Das Baumaterial wird Just-in-Time angeliefert und verarbeitet. Rund 500 Bauarbeiter sind in 35 Trupps parallel am Werk. Die größten Teile, 36 Meter lang, kommen nachts per Schwertransport. „Wir müssen unseren Platz so effizient nutzen wie auf einer Hochhausbaustelle mitten in der Frankfurter Innenstadt“, erklärt Schwarz, der seit sechs Jahren bei Audi arbeitet. Elf Kräne stehen aktuell auf dem Gelände, einer von ihnen ragt 50 Meter in die Höhe. 100 Tonnen kann er in der Spitze tragen.

Ein dreigeschossiger Karosseriebau mit einer Gesamthöhe von 41 Metern – zumindest im Volkswagen Konzern ist das einmalig. „Wenn nicht gar weltweit“, mutmaßt Schwarz. 300 Meter lang und 120 Meter breit wird der Gebäudekomplex. Dabei entstehen 45.000 Quadratmeter Nutzfläche. Oben zieht die Fertigung ein, unten die Logistik. „Auf einer Ebene könnte man locker auf drei Feldern WM-Fußballspiele austragen – nur die Säulen würden etwas stören“, sagt Schwarz. Künftig werden auf den Produktionsflächen hochmoderne Roboter arbeiten.

Das Gebäude ist für Audi ein weiterer Schritt in Richtung Zukunft: In dem Karosseriebau werden neueste Produktionstechnologien zum Einsatz kommen, um den Vorsprung durch Leichtbau auszubauen. Im Rahmen des größten Investitionsprogramms der Unternehmensgeschichte investiert Audi zwischen 2014 und 2018 rund 22 Milliarden Euro in neue Produkte, innovative Technologien und den Ausbau der weltweiten Fertigungsstrukturen. Nach Neckarsulm fließen durchschnittlich jährlich mehr als 650 Millionen Euro.

A8 Karosseriebau Neckarsulm

Projektkoordinator Matthias Schwarz

„Es ist ein wichtiges Signal für die Stärke des Standorts, dass der neue Audi A8 wieder in Neckarsulm gebaut wird“, sagt Werkleiter Fred Schulze. Die Limousine läuft hier seit 1981 vom Band. Der Audi A8 war einst das erste Serienfahrzeug mit einer vollständigen Aluminiumkarosserie, die nach der Spaceframe-Architektur gefertigt wurde. Heute werden in Neckarsulm täglich rund 200 Stück gebaut.

Im neuen Karosseriebau wird nun künftig die vierte Generation des Audi A8 gefertigt. Das Gewerk soll im kommenden Jahr komplett sein. Projektkoordinator Schwarz freut sich bereits auf die nächsten Schritte und verweist auf die besondere Unterstützung seines Teams:„Hier ziehen alle an einem Strang – nur so kann solch ein Vorhaben gelingen.“ Und wenn dann alles fertig ist: „Ja, dann wird es schon schön sein, an so etwas Großem beteiligt gewesen zu sein.“

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