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Ein Schulbesuch in Ungarn

Seit 2010 gibt es in Györ die deutsche Audi Schule. Neben gut 40 Kindern von Audi-Mitarbeitern besuchen auch 200 ungarische Schüler die Einrichtung. Wir waren vor Ort und haben für das Audi Blog nochmal die Schulbank gedrückt.

 Tom lernt Ungarisch
Tom lernt Ungarisch
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Von außen sieht das Gebäude aus wie eine ganz normale ungarische Schule. Der Sportplatz vor der Tür, Fahrräder vor dem Eingang und bemalte Fenster zur Adventszeit. Erst im Treppenhaus fällt auf, dass hier etwas anders ist: Es werden zwei Sprachen gesprochen, Deutsch und Ungarisch.

„Jó reggelt. Guten Morgen“, rufen die Kinder im Chor. „Kérlek, üljetek le“, antwortet die Lehrerin. Das heißt auf Deutsch „Bitte setzt euch“. Auf dem Stundenplan steht Ungarisch. Zweimal pro Woche lernen deutsche Kinder hier typische Redewendungen. Warum? Sie sollen sich in ihrer neuen Heimat wohl fühlen und zurechtfinden, denn einige der Kinder in der Audi Schule Györ kommen aus Deutschland.

Tom ist erst seit drei Wochen in der Klasse. Trotzdem kennt er schon die meisten Begriffe, die heute abgefragt werden. Grund dafür ist der spielerische Ansatz des Unterrichts: Die Schüler sprechen viel, raten Zahlen und spielen Galgenmännchen. Natürlich alles auf Ungarisch. Aber auch die kleinen Klassen helfen den Kindern beim Lernen.

„Am Anfang war es total ungewohnt, nur fünf Schüler in einer Klasse zu haben. Sowas kannte ich aus Deutschland nicht“, erzählt die 12-jährige Selina. Sie ist vor vier Wochen nach Györ gezogen. Ihre Eltern arbeiten bei Audi. „Ich habe meine Noten verbessert, denn durch die kleinen Klassen lernt man viel besser.“

Audi Schule Györ

Laora (rechts) vergibt Noten für einen Vortrag

Die Audi Schule Györ ist eine kleine Erfolgsgeschichte. 2010 wurde sie als gemeinsames Projekt der drei Partner Ungarndeutsches Bildungszentrum Baja, Audi Hungaria Motor und der Stadt Györ gegründet. Damals gab es nur zwei deutsche Kinder. Mittlerweile sind es 44 – überwiegend der Nachwuchs von Mitarbeitern, die am Audi-Standort in Ungarn arbeiten.

„Wir wollen Begegnung schaffen“, erklärt Schulleiter Helmut Seiler. Aus diesem Grund besuchen neben deutschen Schülern auch rund 200 ungarische Kinder die Einrichtung. „Beide Seiten lernen auch die jeweilige Fremdsprache“, ergänzt Judith Rech, Leiterin der deutschen Abteilung. „Durch den regelmäßigen Kontakt lernen die Kinder, schnell mit der anderen Sprache umzugehen und es erleichtert das Einleben in dem neuen Land.“

Die Ganztagsschule bietet am Nachmittag Arbeitsgemeinschaften an. Hier lernen und spielen die deutschen und ungarischen Kinder gemeinsam. Vormittags werden die deutschen Kinder nach deutschen Lehrplänen unterrichtet.

Zurück zum Unterricht. Lara und Ömer stehen an der Tafel. “Today we present you the country France“. Es ist 10 Uhr, Zeit für Englisch. Der Klassenraum ist klein, ein Blick aus dem Fenster verrät die winterlichen Temperaturen draußen. Wir sind in der Klasse von Andrea Michels, eine der sieben deutschen Lehrer, die helfen, die Audi Schule in Györ weiter auszubauen. Dann das Stichwort: „Homework, please“ und prompt die Antwort: „Ich hab nur Deutsch gemacht“. Die Hausaufgaben vergessen – das kommt also auch in kleinen Klassen vor.

Audi Schule Györ

Andrea Michels unterrichtet in Györ Deutsch

„Als das Jobangebot kam, wusste ich gerade mal, dass Budapest die Hauptstadt von Ungarn ist“, gesteht Andrea Michels. Kein Wunder: Györ ist eine kleine Stadt und zählt nur 130.000 Einwohner. Durch das Audi-Werk kommen aber jedes Jahr mehr Menschen dazu. Rund 245 weitere deutsche Mitarbeiter werden 2013 erwartet. So wie Lehrerin Michels geht es auch den meisten zugezogenen Kindern. Ungarn, ein unbekanntes Land mit fremden Menschen, fremden Gebräuchen und einer fremden Sprache.

Laora ist mit ihren Eltern Anfang vergangenen Jahres nach Györ gezogen. Die größte Umstellung für sie: der Schulweg von 13 Kilometern. „In Deutschland konnte ich mich jeden Tag mit meinen Freunden verabreden. Hier in Györ geht das nicht so einfach“, erzählt die 12-Jährige. Der Grund: Es gibt keinen Schulbus. Die meisten Mütter holen deshalb ihre Kinder nach der Schule ab.

Laoras Mutter Beatrice Petzold arbeitet für die Audi Akademie in Györ. Die 41-Jährige mag das Konzept der Audi Schule: „Der Schulplan ist perfekt. Die kleinen Klassen sind quasi wie Privatunterricht.“ Ganz so positiv sieht ihre Tochter das nicht. In Deutschland hat Laora gerne mal im Unterricht mit den Freundinnen geredet, in Györ fällt das leider direkt auf.

Trotzdem mag sie es in Ungarn: „Es lohnt sich, hierher zu kommen – auch für Kinder, denn man ist hier sehr willkommen.“ Laora wohnt im gleichen Ort wie Selina. Die beiden sind mittlerweile gut befreundet und haben sich in der kleinen ungarischen Stadt eingelebt. „Eine Woche ging es mir schlecht, aber jetzt kann ich mir schon nicht mehr vorstellen wegzugehen“, erzählt Selina. Und Ungarisch? „Das ist auch gar nicht so schwierig, wie man denkt.“

Audi Schule Györ
Audi Schule Györ
Audi Schule Györ

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