Eine Ducati auf vier Rädern

Ducati-Auto DU4

Werte der auf dieser Seite beworbenen Fahrzeuge:

Keine Angaben

Eine Ducati auf vier Rädern

Ein Auto von Ducati? Da dürften selbst Kenner ungläubig den Kopf schütteln. Doch in einer Scheune in Italien tauchte das Schmuckstück von 1946 jetzt auf – nach jahrelangem Dornröschenschlaf. Das Audi Blog war zur Stippvisite bei der Ducati DU4 vor Ort.

Eine Ducati auf vier Rädern
Das Ducati Auto DU4 - ein einmaliges Schmuckstück.

Die Sensation steht in einer unscheinbaren Scheune mitten im italienischen Nirgendwo. Amseln zwitschern, zwei Golden Retriever tollen auf einem Feld, ein Bauernhaus strahlt in der Sonne der Emilia-Romagna. Nur langsam öffnet sich das braune, schwere Scheunentor, bis es zum Vorschein kommt – das Auto von Ducati, der Audi-Tochter.
Auto? Sieht eher aus wie ein Kart: vier kleine Räder, ein Rahmen aus Gitterrohr, vorne ein Viertaktmotor und ein Kunststofflenkrad. Der Prototyp ist ziemlich eingestaubt. „Er steht seit zehn Jahren hier in der Scheune“, sagt der Herr mit dem sympathischen Funkeln in den Augen. Es ist Italo Forni. Ihm gehört das erste und bislang einzige Auto von Ducati – der DU4 aus dem Jahr 1946.

Die große Liebe heißt Ducati

Forni wirkt zurückhaltend. Doch jetzt, wo der DU4 im Freien vor ihm steht, sprudelt die Leidenschaft aus ihm heraus. „Ducati ist für mich wie eine große Liebe“, gesteht der 65-Jährige mit spitzbübischem Lächeln. „Sie begleitet mich schon mein ganzes Leben.“ Als kleiner Junge, mit fünf, sechs Jahren, kam er mindestens einmal pro Woche zu Ducati; er wuchs in Sichtweite zur Firma auf. Sein Vater war Motocross-Fahrer bei Moto Guzzi.

Sohn Italo stieg in seine Fußstapfen – für Ducati: In den 70ern gewann er etliche italienische Motocross-Titel und wurde danach Qualitätssicherer im Team des legendären Desmodromik-Erfinders Fabio Taglioni. Später arbeitete Forni als Lieferant: Zunächst versorgte er Ducati mit Getrieben; heute sind es Carbonteile, etwa die Stoßfänger für die Rennmaschine Panigale. „Im Jahr 2005“, erinnert sich Italo Forni, habe er einen Anruf vom Fiat-Museum in Turin erhalten. „Sie hatten Geldsorgen und wollten ein Dutzend alter Autos verkaufen.“ Forni hat beste Kontakte, fand schnell interessierte Käufer – und gehörte selbst auch dazu: Für knapp 25.000 Euro sicherte er sich den DU4.

„Ich war überglücklich!“ Eigentlich wollte er den Prototyp restaurieren „und Ducati schenken“. Doch das Schicksal hatte anderes mit ihm vor: Er gründete eine Stiftung für Menschen mit multipler Sklerose. Seither ist er unermüdlich für die gute Sache im Einsatz, schloss Kooperationen mit Kliniken und trifft sich mit Forschern aus Israel und den USA. Selbst die NASA interessiert sich für sein Projekt. Der DU4 setzte unterdessen Staub an, zentimeterhoch.

Eine Ducati auf vier Rädern

Runde Sache: Gangschaltung und Handbremse sind an der Lenksäule und damit einfach zu bedienen.

Rückblick: die Geschichte des DU4

Jahrelang stand er also in Fornis Scheune und war fast vergessen – aber eben nur fast: Denn der Prototyp gehört eng zu Ducati und erzählt viel über die wechselvolle Geschichte der Marke. In der Vorkriegszeit produzierte die Firma Kondensatoren, Fotoapparate, Radios und natürlich Motorräder. 1946 versuchten die Brüder Ducati in dem durch Bombenangriffe zerstörten Werk wieder so etwas wie einen normalen Betriebsablauf herzustellen: Sie bauten das Moped Cucciolo und versuchten sich auch in der Entwicklung eines Automobils. So entstand der DU4, eine zweisitzige Limousine.

Das Fahrzeug mit 250 ccm Hubraum hat einen Viertaktmotor, der bereits eine Besonderheit aufwies: die vier Zylinder in L-Form. Diese Technik von 1946 steckt bis heute auch in den Motorrädern von Ducati. Doch der DU4 hat noch mehr zu bieten: Er ist ein Fronttriebler, besitzt Einzelradaufhängung und hydraulische Bremsen. Gangschaltung und Handbremse sind direkt am Steuer. „Für die damalige Zeit war der Prototyp extrem fortschrittlich“, ist Italo Forni überzeugt.

Ducati-Auto landet im Fiat-Museum

 

eine Ducati auf vier Rädern
Vorsprung anno 1946: ein 250-ccm-Motor und die Zylinderreihe in L-Form.

Und die Karosserie? Blickt man auf die technischen Zeichnungen, die Forni ausbreitet, war der Prototyp einst komplett. „Ich glaube“, sagt der Bologneser, „dass die Haube später heruntergenommen wurde, weil man das Blech dringend für andere Projekte brauchte.“ Wie auch immer: Das Vorhaben, ein Serienauto zu fertigen, ließen die Brüder Ducati fallen. Dafür lief die Produktion des Cucciolo einfach zu gut. Der Verkauf des Mopeds brachte der Firma den gewünschten wirtschaftlichen Aufschwung. So ging das Ducati-Auto bereits zwei Jahre nach seinem Entstehen an Fiat über. Ab 1948 war es dort einige Jahre im Museum zu bewundern, später hütete es in Turin mit anderen Oldtimern das Lager – und kaum einer nahm davon Notiz.

Bis zu jenem Anruf im Jahr 2005. Zwar hat Italo Forni bereits 53 Motorräder in seiner Kollektion, auch handverlesene Exoten sind darunter. Doch der DU4 ist für ihn noch mehr – „una questione di passione“, eine Herzensangelegenheit. „Ich lasse den Wagen wohl restaurieren, das hat er einfach verdient“, sagt Forni abschließend. „Danach überlege ich, was ich mit ihm mache.“

Der Artikel erschien zuerst in der Audi Mitarbeiterzeitung Audimobil.

Einer wie keiner: Das einzige Ducati-Auto gehört Italo Forni.

1/4

Vorsprung anno 1946: ein 250-ccm-Motor und die Zylinderreihe in L-Form.

2/4

Das Ducati Auto DU4 - ein einmaliges Schuckstück.

3/4

Runde Sache: Gangschaltung und Handbremse sind an der Lenksäule und damit einfach zu bedienen.

4/4

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.