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Eine Zeitreise durch Bayern

Bei strahlendem Sonnenschein fuhren 220 Oldtimerteams bei der Donau Classic drei Tage lang mit ihren Liebhaberstücken durch Bayern. Autorin Janine Bentz-Hölzl ging mit einem himmelblauen NSU Ro 80 der Audi Tradition ins Rennen.

 Janine Bentz-Hölzl ging mit einem himmelblauen NSU Ro 80 der Audi Tradition ins Rennen
Janine Bentz-Hölzl ging mit einem himmelblauen NSU Ro 80 der Audi Tradition ins Rennen
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Noch 30 Sekunden. Mit der Startnummer 46 rolle ich vor bis zur Startlinie. Nervös umklammere ich das Lenkrad. 20 Sekunden. Alle Augen sind auf mich und meinen Weggefährten gerichtet – einen himmelblauen NSU Ro 80, Baujahr 1976, 115 PS und mit einer technischen Besonderheit, dem Wankelmotor. 10 Sekunden. Ich lege den ersten Gang ein, noch einmal winke ich den Zuschauern. Hoffentlich würge ich den Motor nicht ab. Mein Herz klopft wie verrückt. Drei, zwei, eins: Die schwarz-weiß-karierte Flagge wird geschwenkt. Rasant starte ich in die erste Wertungsprüfung.

Drei Tage lang sind der NSU Ro 80 und ich unzertrennbar: Gemeinsam bestreiten wir die 600 Kilometer lange Strecke durch die schönen Landschaften in Bayern. Obwohl über 220 Oldtimer an den Start gegangen sind, fahre ich nur selten in einer Kolonne. Fast immer sind meine Beifahrer und ich allein unterwegs. Und ich fühle mich wie auf einer Zeitreise.

Am ersten Tag erwartet mich die altbayrische Donaumoos-Etappe mit den Stationen Ingolstadt, Schrobenhausen und Neuburg. Schnell wird mir klar: Von Ruhe und Entspannung kann keine Rede sein. Die vorgegebene Zeit, um die Strecke zu bewältigen, ist knapp bemessen. Und dazwischen treten mein NSU Ro 80 und ich in vier Wertungsprüfungen an.

Die erste erwartet uns gleich nach dem Start am Ingolstädter Einkaufzentrum Westpark. Nicht Schnelligkeit zählt, sondern es gewinnt, wer möglichst gleichmäßig von einer Zeitschranke zur nächsten innerhalb der vorgegeben Zeit fährt. Das ist viel schwieriger als gedacht. Am Anfang fahre ich viel zu schnell um die Kurve. Da ich nicht stehen bleiben darf, aber noch zehn Sekunden für die Prüfung übrig habe, rolle ich langsam auf die nächste Zeitschranke zu. Vor Aufregung vergesse ich die zweite Runde glatt und mir bleibt nichts anderes übrig, als meinen Kurs zum nächsten Etappenziel fortzusetzen.

Doch den richtigen Weg zu finden, ist ein wahres Kunststück. Am zweiten Tag der Donau Classic tausche ich mein Lenkrad gegen das Roadbook und übernehme für meine Crew die Navigation durch die Jura-Altmühl-Etappe. Das Roadbook besteht aus vielen kleinen Bildern mit Kilometerangaben, diese zu interpretieren ist nicht immer ganz einfach. Ich komme mir vor wie auf einer Schnitzeljagd.

Besonders schwierig wird es, als wir das Stadtgebiet verlassen und über kleine Nebenstraßen Richtung Eichstätt fahren. In 900 Metern soll ein Baum stehen. Dort, so steht es im Roadbook, müssen wir links abbiegen. Ob wir hier richtig sind? Die schmale, einspurige Landstraße im scheinbaren Nirgendwo lässt mich stark daran zweifeln. Doch dann, nach weiteren zwei Kilometern, treffen wir wieder auf jubelnde Zuschauer am Straßenrand, die uns anfeuern. Optimistisch setzen wir unseren Kurs fort.

Donau Classic 2014

Nach rund 600 Kilometern fährt Janine Bentz-Hölzl glücklich, aber auch erschöpft über die Zielrampe

Auch die Technik meines NSU Ro 80 stellt eine Herausforderung dar, wie ich am dritten Tag der Rallye, auf der Hallertau „Grünes Gold“-Etappe mehrfach feststelle. Die Halbautomatikschaltung mit drei Gängen lässt sich zwar sehr leicht bedienen, jedoch kann das Automobil aus den 70ern den Stop-and-Go-Verkehr in den Stadtzentren nicht leiden. Das wird mir ausgerechnet beim „Großen Preis von Pfaffenhofen“ zum Verhängnis. Gerade als die Digitaluhr auf null umschaltet und ich über das Kopfsteinpflaster jagen will, geht der Motor aus. Routinierten Oldtimer-Piloten wäre das vermutlich nicht passiert. Erst nach drei Versuchen springt der Motor wieder an. Mit rotem Kopf fahre ich weiter Richtung Ingolstadt.

Nach drei Tagen voller Adrenalin, Anspannung und Konzentration biege ich schließlich glücklich, aber auch erschöpft in die Zieleinfahrt auf der Piazza des Audi Forum Ingolstadt. Gemäß dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ freue ich mich über meinen 146. Platz in der Gesamtwertung. Zugleich heißt es Abschied nehmen. Nur mit Widerwillen gebe ich meine Autoschlüssel an die Audi Tradition zurück. Ich bin mir sicher: Im nächsten Jahr werde ich wieder an der Donau Classic teilnehmen – wenn auch nur als Zuschauer.

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