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Einsatz rund um die Uhr

Wenn nichts mehr geht, sind sie zur Stelle: Gut 100 Mitarbeiter der Instandhaltung sichern rund um die Uhr den Betrieb im Karosseriebau von Audi A4, A5, und Q5 im Werk Ingolstadt. Die rund 3.000 Roboter hier kennen sie wie keiner sonst.

 Karlheinz Sonner und Christian Frey werfen prüfende Blicke ins Innere eines Industrie-PCs
Karlheinz Sonner und Christian Frey werfen prüfende Blicke ins Innere eines Industrie-PCs
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Ein. Aus. Ein. Aus. Die rote Warnleuchte am Schutzzaun des Klebe-Roboters blinkt unaufhörlich. Eigentlich sollte er gerade Kleber auf das Seitenteil einer Audi A4 Limousine auftragen, stattdessen rührt sich jedoch nichts. Prompt ist Werner Thoma an der defekten Anlage. Der 46-Jährige und seine Kollegen sind jederzeit zur Stelle, wenn es im Karosseriebau von jetzt auf gleich nicht mehr weitergeht.

Thoma ist einer von gut 100 Instandhaltern, die hier nach dem Rechten sehen. Jeder noch so kleine Produktionsausfall würde die Anzahl zu fertigender Karossen nach hinten werfen. Um das zu vermeiden, sind die Instandhalter rund um die Uhr im Einsatz. 90 Prozent einer durchschnittlichen Störung beheben sie in fünf bis maximal 20 Minuten.

Wenn es mal nicht rund läuft, steigt der Adrenalinspiegel der Kollegen beträchtlich an. „Eine gewisse Grundnervosität ist immer dabei“, erklärt Roboter-Spezialist Christian Frey, der seit 37 Jahren bei Audi in Ingolstadt arbeitet. „Wir werten die Diagnoseinfos aus und kümmern uns dann sofort um die Reparatur. Dabei hilft uns unsere Erfahrung in diesem Job.“

Instandhalter Karosseriebau

Die Meldung „Zu wenig Kleber“ lässt den Roboter ruhen

Das wiederum ist auch der Grund, warum in der Instandhaltung nur arbeiten darf, wer bereits viel Praxiserfahrung mitbringt. „Unser jüngster Kollege ist 24. Das ist aber die Ausnahme“, erklärt Otto Medele, Leiter der Serienbetreuung des Karosseriebaus und Vorgesetzter der Instandhalter. Die Jüngeren lernen hier von den Älteren.

Darüber hinaus ist viel Geduld gefragt: „Bis man die Technik eines Roboters voll beherrscht, vergehen zwei Jahre“, sagt Frey, der einst als gelernter Elektro-Installateur zu Audi kam. Mit jedem Praxiseinsatz vor Ort werde man jedoch besser. „Viel mit auf Störung gehen und damit praktische Erfahrung gewinnen“, rät er daher den jüngeren Mitarbeitern im Team.

Im Kampf gegen die Zeit hat sich „Kollege Computer“ zu einem wichtigen Verbündeten der Instandhalter entwickelt: Informationsbildschirme unter der Hallendecke zeigen schon von weither sichtbar den Standort der defekten Anlage an. Vor Ort verrät der an jeder Station beziehungsweise am Roboter angeschlossene Industrie-PC weitere Details.

„Zu wenig Kleber“, meldet er etwa Werner Thoma, 46, im eingangs geschilderten Fall. Der gelernte Industriemechaniker arbeitet seit 1984 bei Audi, sein IT-Wissen hat er sich in Weiterbildungen angeeignet. Für Neueinsteiger in den Job jedoch gilt: „Elektronik- und IT-Kenntnisse sind zunehmend mehr gefragt. Daher ist eine Ausbildung als Industrieelektroniker oder -mechatroniker heute fast ein Muss“, wie Medele betont.

Instandhalter Karosseriebau

Über die Bedienoberfläche der Klebestation erfahren die Instandhalter Details über deren Betriebszustand

Ist absehbar, dass die Arbeit an einem Einzelteil in der Fertigungsanlage länger als üblich dauern würde, wechseln die Instandhalter die betroffene Komponente komplett aus. Das defekte Gerät nehmen sie in der Instandhaltungswerkstatt ein Stockwerk unter dem Karosseriebau genauestens unter die Lupe. Das kann durchaus die komplette Zerlegung eines Roboters zur Folge haben. „Grundsätzlich gilt: Ich kann mit einer ungeprüften Komponente keine Anlage fahren“, erklärt Medele. „Wir unterziehen daher alle reparierten Teile oder Geräte einer Prüfung.“ Erst, wenn diese bestanden ist, darf die Komponente wieder zurück an ihren Einsatzort .

Regelmäßig nehmen die Instandhalter sich zudem bestimmte Anlagen oder Teile vor, um diese zu warten und Materialien auszutauschen, die sich mit der Zeit abnutzen. „Manchmal“, weiß Medele, „kann ein Einzelfall auch einen ‚Flächenbrand‘ auslösen – etwa, wenn wir erkennen, dass ein Kondensator in einem bestimmten Anlagentyp altert. Wir tauschen diesen dann vorbeugend bei allen Anlagen dieses Typs aus.“

Längst bietet das Instandhalter-Team seine Kompetenz auch Abteilungen außerhalb des Karosseriebaus an. So ist Otto Medeles Mannschaft erster Ansprechpartner für fast alle der 3.000 Roboter im Werk. „Ein Mitarbeiter hat dazu eigens eine Roboter-Datenbank entwickelt. Darin sind jeder Fall und die passende Lösung gespeichert. Das ist im Ernstfall viel Wert“, erklärt Medele.

Christian Frey liebt die Arbeit als Instandhalter: „Was wir machen ist sehr abwechslungsreich. Fast keine Situation ist wie die andere – und man lernt nie aus.“ Wenn die nächste rote Leuchte blinkt, sind er, sein Kollege Werner Thoma und die anderen Instandhalter im Karosseriebau garantiert wieder zur Stelle.

 

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der_uhrmacher

11. July 2017 um 12:47
Wahnsinn, was man heute schon alles automatisieren und mit Robotern lösen kann, aber so ist das wahrscheinlich bei jedem großen Autobauer heutzutage.