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Ergonomisch durch den Tag

Die Audi-Mitarbeiter in der Produktion haben neue Kollegen – aus Stahl und Karbon. Roboter kooperieren mit den Fertigungskräften und seit kurzem wird ein sogenannter Chairless Chair getestet. Beides macht den Arbeitsalltag leichter.

 Sitzen ganz ohne Stuhl: Der Chairless Chair erleichtert viele Tätigkeiten in der Montage
Sitzen ganz ohne Stuhl: Der Chairless Chair erleichtert viele Tätigkeiten in der Montage
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Der Chairless Chair, also der Stuhl ohne Stuhl, soll das Arbeiten leichter und ergonomischer machen. An drei Arbeitsplätzen am Audi-Standort Neckarsulm konnten die Mitarbeiter die neue Technologie in einem Pilotprojekt testen. Der Chairless Chair ermöglicht bei Tätigkeiten zu sitzen, die sonst nur im Stehen ausgeführt werden. Das entlastet die Beine, führt zu einer besseren Körperhaltung und reduziert die Zeit. „Am Anfang war es noch ungewohnt, aber man gewöhnt sich recht schnell daran. Nach einem Tag war der Chairless Chair wie ein Teil von mir“, sagt Thomas Erdelyvari, der den Stuhl ohne Stuhl eine Woche testen durfte. „Es ist auf jeden Fall eine Entlastung und ich kann mir durchaus vorstellen, dass das bei manchen Arbeitsplätzen eine wirklich gute Sache ist.“

Doch wie funktioniert der Chairless Chair eigentlich? Der Mitarbeiter schnallt sich den Stuhl mit einem Hüftgürtel um. Er wird in der Körpermitte getragen und schränkt somit die Bewegungsfreiheit nicht ein. Zwei Streben führen die Beine entlang zum Fuß, wo sie befestigt werden. Die Sitzflächen sind im Oberschenkelbereich angebracht und stützen das Gesäß, während sich die Streben der Beinbeugung anpassen. So kann sich der Mitarbeiter bei seinen Tätigkeiten wie auf einem Gymnastikball absetzen. Das Gewicht wird dann über den Chairless Chair in den Boden abgeleitet.

Ergonomisch durch den Tag

Hand in Hand: Der Roboter reicht dem Mitarbeiter das benötigte Teil in ergonomisch optimaler Position

Beim Pilotprojekt ging es Audi darum, den Chairless Chair unter Realbedingungen zu testen – und mithilfe der Mitarbeiter Optimierungspotentiale zu entdecken. Sie wünschen sich zum Beispiel einen besseren Tragekomfort und der Stuhl soll noch leichter als die momentanen drei Kilogramm werden. Daher soll das Endprodukt komplett aus Karbon bestehen. Bis zur nächsten Testphase im Werk Ingolstadt Anfang Mai hat die Herstellerfirma Noonee, ein junges Start-Up-Unternehmen aus der Schweiz, jetzt Zeit, um das Feedback der Neckarsulmer Mitarbeiter umzusetzen. „Wir wollen das Ganze serienreif einsetzen“, erklärt Projektleiterin Tanja Schembera. „Unser Ziel ist es, dass wir Mitarbeitern mit Einschränkungen wieder die Mitarbeit in ihren Arbeitsgruppen ermöglichen. Auch als Präventivmaßnahme wollen wir den Chairless Chair einsetzen.“

Noch ist der Chairless Chair in der Pilotphase und nicht im Dauereinsatz. Andere Initiativen haben es aber bereits in den Arbeitsalltag geschafft und sind fester Teil der Audi-Mannschaft. In Ingolstadt und Neckarsulm wird auf Mensch-Roboter-Kooperationen gesetzt. Dabei übernimmt der Roboter-Kollege Arbeitsschritte, die für den Menschen körperlich belastend sind. „Wir nutzen den Roboter in den Dingen, in denen er gut ist. Dazu gehören zum Beispiel die Erledigungen von monotonen oder stark belastenden Tätigkeiten“, erklärt Johann Hegel, Leiter Technologieentwicklung Montage.

Ergonomisch durch den Tag

Teamarbeit: Es ist die erste Mensch-Roboter-Kooperation im Volkswagen-Konzern, die in der Endmontage zum Einsatz kommt

Stefan Schlamp arbeitet mit einem Anreichroboter auf der Montagelinie A4/A5/Q5 in Ingolstadt zusammen. Dieser Roboter greift sich aus einer tiefen Kiste einen Kühlmittelbehälter, den der Mitarbeiter benötigt. Im Anschluss reicht ihm der Roboter das Teil in der richtigen Position. Das vereinfacht den Arbeitsschritt. „Es ist sehr modern. Ich bin noch nie in den Genuss gekommen mit einem Roboter Hand in Hand zu arbeiten, das ist schon spannend“, erklärt Stefan Schlamp. „Die Arbeit ist wesentlich leichter geworden, seitdem ich mit dem Roboter arbeite. Ich muss mich nicht mehr in den Behälter bücken, mein Rücken wird dadurch geschont.“ Auch in anderen Bereichen leisten Roboter starke Hilfe, zum Beispiel bei der Montage der Heckklappe. Traditionell wird diese per Hand eingebaut, jetzt soll ein Roboter helfen. In einer Testzelle im Karosseriebau in Neckarsulm hält ein Roboter stellvertretend für den Mitarbeiter die Heckklappe und fährt sie in die benötigte Position. Der Montagearbeiter muss nur noch die Schrauben anbringen. Das entlastet und steigert die Konzentration.

Bei allen zukunftsweisende Projekten gilt, dass die Technik den Mensch unterstützen, aber nicht ersetzen kann. „Wir können ergonomisch ungünstige Arbeitsplätze verbessern. Mit den neuen intelligenten Technologien können Menschen und Maschinen viel enger zusammenarbeiten“, sagt Johann Hegel. „Aber entscheidend bleiben die Mitarbeiter!“

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