Doppelinterview im Audi Forum Neckarsulm

„Als allererstes braucht man Talent“

Werte der auf dieser Seite beworbenen Fahrzeuge:

Keine Angaben

Extremsportler: Freeski-Profi „Mcfly“ und GT-Fahrer Mies im Interview

Sie sind erfolgreiche Extremsportler und ihr Beruf hat mehr gemeinsam, als man zunächst denkt: Freeski-Profi Martin „Mcfly“ Winkler und GT-Fahrer Christopher Mies sprechen mit Audi Blogautorin Verena Väth über Speed, Performance und die richtige Einstellung.

Martin Winkler und Chistopher Mies

Es sind zwei erfolgreiche Extremsportler, die zum Gespräch aufeinander treffen. Christopher Mies ist Audi Sport customer racing-Fahrer und holte sich in diesem Jahr im Audi R8 LMS den Titel im ADAC GT Masters. Freerider Martin Winkler war jahrelang Judge bei der Freeride World Tour, bei der sich die besten Freeski-Profis der Welt messen, und produziert mittlerweile Freeride-Filme. Eines stellt sich im Gespräch schnell heraus: So unterschiedlich die Sportarten sind – vieles haben sie gemeinsam.

Wie habt ihr zu eurer Passion gefunden?

Martin: Ich komme aus den Bergen und meine Eltern sind absolut skiverrückt – mir wurde das quasi in die Wiege gelegt. Daher war mir schon immer klar, dass ich Skifahrer werde. Aber nicht, dass es so einen großen Teil meines Lebens ausmachen wird.

Christopher: Bei mir war es genauso. Mein Vater ist selber Rennen gefahren und ich war als kleiner Bub dabei und habe zugeschaut. Ich habe dann mit dem Kartfahren angefangen und Blut geleckt. Dank Förderern und mit etwas Glück habe ich den Sprung in den Profisport geschafft.

Welche Eigenschaften müsst ihr als gute Sportler in eurem Bereich mitbringen?

Christopher: Als allererstes braucht man Talent, das gilt für beide Sportarten: Wer kein Auto fahren kann, sollte kein Rennfahrer werden und wer keine Ski fahren kann, kein Freerider. Als nächstes gehört Disziplin dazu. Und natürlich technisches Verständnis: Wir müssen Autos abstimmen, Fahrwerkseigenschaften kennen – und wir brauchen ein „Popometer“: Wir müssen spüren, was das Auto macht und darauf reagieren.

Martin: Natürlich muss man körperlich topfit sein, aber auch die Einstellung muss passen. Im Unterschied zu Rennfahrern, die in einer Struktur aufwachsen mit Verband, Trainern und vorgegebenen Rennen ist man bei uns sehr selbständig organisiert. Es kommt auf Eigeninitiative an. Dadurch wachsen wir als Sportler miteinander und geben unsere Erfahrung weiter. Im Wettbewerb sind Freerider zwar Konkurrenten, sie kennen und schätzen sich aber sehr.

Wie geht es im Motorsport in Sachen Teamwork zu?

Christopher: Bei uns ist der Konkurrenzgedanke unter den Fahrern sehr stark, auch weil wir für andere Marken fahren und unsere Erkenntnisse nicht mit anderen teilen wollen. Im eigenen Team selbst arbeiten wir aber sehr eng zusammen und müssen uns aufeinander verlassen können. Das ist das A und O.

Was gibt euch bei eurer Sportart den besonderen Kick?

Martin: Manche suchen in der Geschwindigkeit die Herausforderung – obwohl in unserem Sport keine Zeiten gemessen werden. Es kommt bei Contests und auch bei Filmen vielmehr darauf an, wie flüssig die Linie ist und welche Tricks eingebaut werden. Genau das empfinde ich auch als das schönere Erlebnis: eine gute Linie zu fahren und die entsprechende Performance abzuliefern.

Christopher: Bei mir steigt der Adrenalinpegel vor allem in den Kurven. Wir erreichen hohe Geschwindigkeiten, man fährt Tür an Tür, verliert auch mal einen Spiegel – man misst sich auf Augenhöhe.

Was sind die größten Herausforderungen?

Christopher: Jeder erwartet von dir, dass du einen perfekten Job machst und die Leistung immer auf den Punkt bringst. Aber wir sind auch nur Menschen. Wir verbremsen und drehen uns, das passiert schon einmal. Das ist die Herausforderung: Immer das Optimale aus sich heraus zu holen und so wenig Fehler wie möglich zu machen.

Martin: Bei uns ist die Schwierigkeit, die Bedingungen am Berg und das eigene Können richtig einzuschätzen und sich langsam an sein Limit heranzutasten. Dabei sollten wir dieses Limit nicht übertreten, denn die Konsequenzen können fatal sein. Diese Grenzen sind bei mir auch immer präsent: Ich muss immer einschätzen, wie hoch das Risiko ist und wie weit ich mich heranwage. Im Zweifel muss man auch wissen, wann man es lieber sein lässt.

Apropos – wie steht es um die Gefahren in eurem Sport?

Christopher: Unser Sport ist sehr sicher. Wir testen die Strecken, fahren auf Asphalt und wenn etwas auf der Strecke passiert – sei es nur ein Ölfleck – machen uns die Streckenposten darauf aufmerksam. Auch die Autos haben viele Sicherheitsvorrichtungen wie Sechspunktgurt, Überrollkäfig und einen Sitz, der fest mit dem Auto verankert ist. Schwere Unfälle sind bei uns zum Glück sehr selten. Aber ihr Martin, wisst doch gar nicht, was da kommt, oder? Ihr seht ja nicht, was unter dem Schnee ist…

Martin: Genau. Wir können vor einer Abfahrt nur versuchen, den Berg so gut wie möglich einzuschätzen und uns auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Wenn wir damit rechnen, dass der Untergrund plötzlich härter ist als vermutet oder es Schneeverwehungen gibt, kommt man meistens besser aus der Situation heraus. Unsere Sicherheitsausrüstung besteht aus Lawinenverschütteten-Suchgerät, Sonde, Schaufel und Airbag-Rucksack.

Blog-Autorin Verena Väth traf die beiden Extremsportler zum Doppelinterview im Audi Forum Neckarsulm.

Wie motiviert ihr euch nach einem Rückschlag?

Martin: Ich besinne mich darauf zurück, warum mir der Sport so viel Spaß macht und fahre zuhause in der Arlbergregion mit Freunden Ski. Draußen sein, das gemeinsame Erleben, der Austausch mit Freunden – das holt mich runter.

Christopher: Familie und Freunde sind unheimlich wichtig, sie fangen einen auf. Bei ihnen kann ich den Kopf frei kriegen und im Notfall Dampf ablassen.

Was ist abseits des Sports eure größte Herausforderung?

Christopher: Das vergangene Wochenende nach der Analyse hinter sich zu lassen und abzuschalten. Es ist generell schwierig, die Zeit zwischen Beruf und Privatleben aufzuteilen und die wenige verbleibende Zeit sinnvoll zu nutzen.

Martin: Ich sehe das ähnlich. Man fokussiert sich so sehr auf den Sport, dass man oft die Perspektive verliert. Manchmal muss man sich in Erinnerung rufen, dass es wichtigeres im Leben gibt als die perfekte Spur im Schnee zu hinterlassen. Das kommt aber erst mit dem Älterwerden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Zwei vom gleichen Schlag

Verena Väth, Martin Winkler und Christopher Mies

1/6

Christopher Mies war als Kind immer an der Rennstrecke, ehe er selbst mit dem Kartfahren begonnen hat.

2/6

Freerider Martin Winkler und GT-Fahrer Christopher Mies fachsimpeln über die Technik ihrer Helme.

3/6

Die beiden Sportler verstehen sich auf Anhieb und stellen sich bald auch selbst gegenseitig Fragen.

4/6

Die beiden Sportler verstehen sich auf Anhieb und stellen sich bald auch selbst gegenseitig Fragen.

5/6

"Zurück in die Zukunft" war Martins Lieblingsfilm. Und weil er mit seinen Skiern so gut "fliegen" konnte, hat sich der Spitzname einfach angeboten.

6/6
Snowtime: Freeride-Filme im Audi Forum Neckarsulm
Aus dem Audi MediaCenter

Snowtime: Freeride-Filme im Audi Forum Neckarsulm

Sie stürzen sich auf Skiern oder Snowboards von Berggipfeln, springen über Felsvorsprünge und bezwingen Tiefschnee: Freerider fahren immer abseits der Pisten und immer am Limit. Bei der Veranstaltung am Donnerstag, 13. Oktober 2016, im Audi Forum Neckarsulm sind Martin „McFly“ Winkler und Sven Kueenle als Experten zu Gast. Sie geben im Live-Talk exklusive Einblicke in den Extremsport und ihre Filmprojekte.

Weiterlesen

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.