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Farbe bekennen

Ein feuriges Misanorot oder doch lieber ein schlichtes Phantomschwarz? Bei der Wahl der Farbe sind dem Audi-Kunden keine Grenzen gesetzt. Doch wie kommt eigentlich der Lack aufs Auto? Ein Besuch in der Lackiererei im Werk Ingolstadt.

 Die Lackierung macht die Karosserie beständig gegen Umwelteinflüsse, Korrosion und Chemikalien
Die Lackierung macht die Karosserie beständig gegen Umwelteinflüsse, Korrosion und Chemikalien
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Geschmäcker sind verschieden – diese Erfahrung machen auch Autohändler täglich aufs Neue. Hat sich der Kunde für ein Modell entschieden, fängt die Grübelei über die passende Farbe an: hell oder dunkel, matt oder glänzend, auffällig oder gediegen? Gut also, dass die Audi-Lackiererei jede Farbe möglich machen kann.

Noch besser ist, dass der Lack dem Auto nicht nur die Farbe gibt. Er hat auch eine wichtige Schutzfunktion. „Die Lackierung macht die Karosserie beständig gegen Umwelteinflüsse, Korrosion und Chemikalien“, erklärt Andreas Lehe, Leiter der A3- und TT-Lackierereien in Ingolstadt. „Das Auto wird so gegen leichte Steinschläge, Kälte, Hitze oder Salz geschützt.“

Um das zu gewährleisten, haben die Experten der Lackiererei einen komplexen Prozess entwickelt. Dreizehn Schritte umfasst er. Dabei werden vier Lackschichten und etwa zwölf Kilogramm Farbe auf das Auto aufgetragen. Der erste Prozessabschnitt dient dem Korrosionsschutz. In sechs Einzelschritten wird dabei die Karosse von Schmutz, Öl und Fetten befreit und mit einer Phosphatschicht versehen.

Andreas Lehe leitet die Audi A3- und TT-Lackierereien in Ingolstadt

Andreas Lehe leitet die Audi A3- und TT-Lackierereien in Ingolstadt

„Die Zinkphosphatierung sorgt dafür, dass der Lack auf der Karosserie hält“, sagt Lehe. „Sie dient sozusagen als Haftvermittler für die erste Lackschicht .“ Der Fachmann nennt diese erste Lackschicht kathodische Tauchlackierung. Dabei taucht das Auto, ähnlich wie bei einem Purzelbaum, in das Lackbecken ein und trocknet anschließend eine Dreiviertelstunde lang bei 180 Grad.

Bevor die noch graue Karosserie im nächsten Schritt endlich Farbe bekommt, befreien Emu-Federn und Schwertbürsten sie von Unreinheiten. „Wir nutzen Emu-Federn, weil sie sich nicht elektrostatisch aufladen und deshalb bestens selbst feinste Staubkörnchen anziehen“, so der Experte. „Zusätzlich setzen wir auch Schwertbürsten ein.“ Leicht befeuchtet gewährleisten sie denselben Effekt.

Und nachdem die Karosserie gründlich gereinigt ist, ist schließlich der Füller dran. Diese – je nach Farbrichtung rot-, weiß-, grau- oder anthrazitfarbene – Lackschicht gleicht letzte Unebenheiten aus und stellt sicher, dass der Lack bei einem leichten Steinschlag nicht sofort abspringt. 

Audi Lackiererei

Der Basislack bringt die Farbe auf die Karosse

Dem Füller folgt der Basislack – der Lack, der dem Auto den vom Kunden gewünschten Farbton verleiht. Er wird mit Hochrotationszerstäuber auf die Oberfläche des Autos aufgetragen. „Der Spritzstrahl sorgt für einen extrem feinen Nebel aus kleinsten Farbtröpfchen. Durch ihn können wir den Lack gleichmäßig und gezielt auf der Oberfläche verteilen“, erklärt Lehe.

Bei Audi kommt jedes Modell mit zwölf bis fünfzehn serienmäßigen Farben auf den Markt. Über die quattro GmbH kann der Kunde sich aber auch jede andere Farbe bestellen  – und die Lackiererei setzt dann den Wunsch um.

Ob das Auto glänzt oder matt schimmert, entscheidet erst die letzte Schicht, der Klarlack. Er verleiht dem Lack Farbtiefe, Glanz und Glätte – und dient wegen seiner hohen Vernetzungsdichte als widerstandsfähige Schutzschicht. Damit ist die Karosserie kratzbeständig, chemikalienresistent und gegen Wind und Wetter gerüstet. Dabei ist die Lackschicht mit einer Gesamtschichtdicke von rund 120 Mikrometer gerade mal einen Hauch dicker als ein menschliches Haar.

Ist der Lack getrocknet, überprüfen Lehes Mitarbeiter die Karosserie nochmals und montieren die in der Wagenfarbe lackierten Anbauteile wie Tankdeckel, Türgriffe und Leisten. Und erst nachdem auch die Audi-Ringe angebracht sind, reist die lackierte Karosserie weiter zur Montage.

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