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Filetstück vom Feinsten

Darf es etwas mehr sein? Metzgermeisters Lieblingsphrase schallte bei Audi nicht nur durch die eigene Weißwurstproduktion, sondern auch durch die Produktentwicklung: Jüngstes Beispiel ist der neue Audi Q7. Ein Geschmackstest.

 Schöne Kulisse: Blogger Arild Eichbaum hat den neuen Audi Q7 in den Alpen ausgefahren.
Schöne Kulisse: Blogger Arild Eichbaum hat den neuen Audi Q7 in den Alpen ausgefahren.
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Mehr Komfort, mehr Fahrspaß, mehr Raum, mehr Leichtbau, mehr Effizienz, mehr Vorsprung durch Technik – bei ihrem neuen Flaggschiff-SUV ließen sich die Ingolstädter nicht lumpen und steckten alles hinein, was dem Kunden gut und billig, aber nicht im Sinne von „für jedermann erschwinglich“ ist. Darf es denn jetzt noch etwas mehr sein? Nein, es muss sogar sehr viel mehr sein, im automobilen Oberhaus sind pfiffige Ideen und dezenter Glamour stärker gefragt denn je, wo jetzt ja selbst Kleinwagen über teils beachtliche Assistenz- und Infotainment-Lösungen verfügen. Also, wie wäre es mit virtual cockpit, Head-up Display, Allradlenkung, Ausweich-, Querverkehr-, Anhänger-Rangier- und Effizienzassistent, Rearseat-Entertainment via Audi tablet, das beim Crash anders als ein iPad nicht als gefährliche Schrapnellgranate verendet, Induktionsladung für Smartphones oder 3D-Soundsystem?

Von einer blassen Hühnerbrust lässt sich die verwöhnte und gewisse Standards gewohnte Zielgruppe eben kaum verführen, von einem üppig bemessenen Stück Roastbeef sehr wohl. Und anders als bei einem zwar wuchtigen, aber triefenden Eisbein findet sich am neuen Q7 kein Gramm Fett zuviel. Stattdessen ließen sich 325 Kilogramm abschneiden, stellt man den alten dem neuen Q7 3.0 TDI gegenüber. Prima, alles was nicht dran ist, drückt Preis und Verbrauch gleichermaßen, so diese Einsparungen nicht kostspielig über Carbon erkauft werden. Die gewebten Kohlefasern sind, da S-Insignie, vorerst nicht als Dekor erhältlich, doch Valcona-Leder und Beaufort-Holz schmeicheln Hand und Auge nach Kräften. Dazu fünf voll- und auf Wunsch zwei nur für kleinere Zeitgenossen nicht grenzwertige Sitze, sowie das Panorama-Glasdach im Esstisch-Format, schon ist die mobile Wellnessoase einsatzbereit.

Sehr schön das alles, aber laufen wir nicht Gefahr, uns in die Ecke des biermassierten Koberinds zu begeben? Hufteuer, aber im Endeffekt auch nicht besser als ein gutes bodenständiges Erzeugnis? Nö, denn unnötigen Schnickschnack oder debilen Pomp gibt es nicht, stattdessen aber Bodenständigkeit im besten Sinne: Das als Onroader mit Offroad-Fähigkeiten konzipierte SUV bleibt stets am Boden, verlässt ihn auch in flott genommenen Kurven nicht, das Sport vor dem Utility Vehicle macht seinem Namen alle Ehre. Die elektrische Servolenkung nimmt mit Einbeziehung der Hinterräder alpinen Kurven jeglichen Schrecken, die nach individueller Vorliebe auch straff abzustimmende adaptive air suspension beugt mit minimierten Wankbewegungen dem Unwohlsein sensibler Mägen vor. Zur für ein Fahrzeug dieses Ausmaßes überraschenden Agilität dürfte aber auch der um fünf Zentimeter gen Asphalt verlegte Schwerpunkt maßgeblich beitragen. Und bei einem Einstiegspreis von 60.900 Euro kann der Kunde auch erwarten, dass Utility nicht zu kurz kommt.

Filetstück vom Feinsten

Geländetauglich: Dank quattro ist der Q7 stets gut unterwegs.

 

Darf noch etwas mehr rein? Klar, immer her damit! Bei minimal 890 Liter Stauraum im Fünfsitzer lautet die Frage nicht „dein Designersessel oder mein Bonanzarad“ sondern bestenfalls, was von beidem zuerst im Gepäckabteil landet. Selbstverständlich öffnet und schließt die Klappe elektrisch, wo kämen wir denn hin, das noch selbst in die Hand zu nehmen? Standesgemäßen Vortrieb bietet der getestete Q7 3.0 TFSI mit 245 kW/333 PS und 440 Nm Drehmoment allemal, doch zunächst einmal muss der vorläufige Verzicht auf prestigeträchtige wie wohlklingende Achtzylinder verdaut werden. An Power mangelt es den hierzulande verfügbaren V6-TDI- und V6-TFSI-Versionen genauso wenig wie an Anhängelast oder mit um bis zu 28 Prozent gesenkten, erfreulich niedrigen Verbrauchswerten.

Ein Revival des druckvollen Dutzends namens V12 TDI ist wiederum nicht zu erwarten, wohl aber die 373 PS leistende Hybridvariante Q7 e-tron. Die genehmigt sich mit durchschnittlich 1,7 l/100 km ausgesprochen wenig und ist zum Marktstart noch nicht verfügbar. Also, gönn dir, wo es letztere Motorisierung schon nicht tut! Denn im Gegensatz zu vier Pfund Tatar auf nüchternen Magen gibt’s beim neuen Audi Q7 kein „zuviel des Guten“.

Darfs jetzt noch ein bisschen mehr sein? Weitere Fahrtests und Berichte zum neuen Audi Q7 gibt es bei rad-ab.com, hashtagilovecars.de, autophorie.de, trendlupe.de und 1300ccm.de.

Filetstück vom Feinsten
Filetstück vom Feinsten
Filetstück vom Feinsten

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Q7 TFSI quattro:
Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 8,3-7,7**;
CO2-Emission kombiniert in g/km: 193-179**

**Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen sowie Effizienzklassen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz.

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