Ein neues Gewand für den Audi R18

Werte der auf dieser Seite beworbenen Fahrzeuge:

Keine Angaben

Folierung – So wird ein Rennwagen verschönert

Wenn ein Rennwagen einen frischen Look bekommt, ist fälschlicherweise von einer neuen Lackierung die Rede. Mittlerweile ist jedoch die Technik des Folierens zum Standard geworden. Blog-Autor Timo Pape hat den Prozess der Folierung bei Audi Sport begleitet.

In der Werkstatt herrscht geschäftiges Treiben. An allen Ecken und Enden des Audi R18 wird gewerkelt, denn für ein Aerodynamik-Update werden Teile des Hybridrennwagens neu beklebt. Kurvenreichere Kurse wie der in Mexiko-Stadt, wo Audi am Samstag in der WEC antritt, verlangen mehr Anpressdruck als Strecken mit hohem Vollgasanteil. Deshalb wurden einige Karosserieteile angepasst, die folglich auch neu foliert werden müssen. Darum kümmert sich für Audi seit Jahren die Firma Becker Design.
Wenn ein neuer Rennwagen zur Folierung kommt, ist er sozusagen noch „nackt“. Die gesamte Karosserie schimmert bis dahin im Karbonfaser-typischen Anthrazit.

Beim Folieren eines Rennwagens kommen verschiedene Techniken zum Einsatz.

Dann kommt jedoch Farbe ins Spiel. Nachdem Audi den Look eines Fahrzeugs am Computer fertiggestellt hat, bekommt Becker Grafiken von Audi zugeschickt, die das Design aus verschiedenen Perspektiven zeigen. Auf Basis dieser Bilder erfolgt die Erstbeklebung sozusagen in Handarbeit, denn die Folien müssen einmalig grundlegend zugeschnitten werden. Ist der Wagen fertig, wird er vermessen.

Folierung in Handarbeit

Aus diesen Daten entsteht eine digitale Vorlage für alle Folien, die auf das Auto kommen. Auf einer Art Butterbrotpapier, das jedoch sehr stabil ist, druckt Becker nun die zahlreichen Schablonen. An allen Eckpunkten einer Schablone werden kleine Dreiecke ausgeschnitten, durch die später die genaue Position mit einem Stift auf dem Auto markiert werden kann. Zweimal pro Folie wird die Schablone anschließend benötigt: Zuerst dient sie als Vorlage beim Zuschneiden der Folie. Becker Design zeichnet die Eckpunkte an, verbindet sie mit einem Lineal und schneidet daran entlang.
Die Folie ist nun fertig vorbereitet. Es folgt Schritt zwei: Die Schablone wird an jene Stelle des Autos gehalten, an der später die Folie platziert werden soll. Auch hier zeichnet ein Mitarbeiter die Eckpunkte mit einem weißen Stift auf das Karbon – als Referenzpunkte für die Folie. Anschließend wird diese auf die Karosserie geklebt.
Mögliche Luftblasen unter der Folie werden mit einem weichen Schaber nach außen weggestrichen. So bleibt die Folie unbeschadet. Bei größeren Folien-Stücken, die sich über gewölbte oder gebogene Fahrzeugteile ziehen, kommt oftmals der Fön zum Einsatz. Er macht die Folie durch Heißluft weich und besser formbar. So schlägt sie keine Falten, lässt sich besser über die Wölbung ziehen und bleibt danach in der gewünschten Position.
Um gerade Linien auf Rundungen zu meistern, kommt noch eine weitere Technik zum Einsatz. Soll eine Linie aus der Vogelperspektive schnurgerade in Fahrtrichtung verlaufen, wird ein Klebestreifen mit einem stabilen Faden je nach Vorlage auf der Karosserie angebracht. Erst danach kommt die Folie darüber. Sobald sie perfekt sitzt und alle Bläschen verschwunden sind, zieht ein Mitarbeiter den scharfen Faden nach oben weg. Dabei trennt er die Folie in zwei Hälften. Die eine Seite wird wieder abgezogen und nicht mehr gebraucht, die andere besitzt nun eine trennscharfe und gerade Kante.

Aufkleber wie Fahrernamen, Schriftzüge oder Sponsorenlogos kommen schon fertig aus dem Plotter. Sie müssen nur noch sorgfältig auf das Auto geklebt werden.

Kleinere Folien, Logos oder Schriftzüge werden direkt geplottet. Das heißt, sie kommen bereits fertig zugeschnitten und mehrfarbig aus einem Plotter. Anschließend müssen sie nur noch an der richtigen Stelle aufgeklebt werden.

Damit am Rennwochenende ein beschädigtes Teil ohne große Zeitverzögerung nachfoliert werden kann – zum Beispiel nach einem Unfall –, ist die Firma Becker Design meist auch vor Ort an der Strecke und hat das nötige Equipment im Gepäck. Flexibilität und Geschwindigkeit sind somit neben Gewichtsgründen zwei weitere große Vorteile des Folierens. Denn in Zeiten von tatsächlichen Lackierungen war ein spontaner Tapetenwechsel an der Strecke in diesem Maße noch nicht möglich.

Schritt für Schritt zum frischen Look

Am entstandenen Schnitt entlang zieht ein Mitarbeiter die nicht mehr benötigte Hälfte der Folie ab. Eine trennscharfe Linie bleibt – unabhängig von der Wölbung des Untergrundes.

1/4

Die angezeichneten Punkte werden mit einem Lineal verbunden, an dem dann ein Mitarbeiter entlangschneidet. Ergebnis: das zugeschnittene Foliendreieck.

2/4

Noch während die Folie gezogen wird, streicht ein Mitarbeiter bereits die Falten heraus.

3/4

Die Überhänge der Folie werden an den Kanten trennscharf abgeschnitten. Sie werden nicht mehr gebraucht.

4/4

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.