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Ganz nah dran

Nirgendwo sind die DTM-Zuschauer so nah am Renngeschehen wie am Nürnberger Norisring: Kurze Wege sorgen bei Deutschlands einzigem Stadtkurs für eine ganz besondere Atmosphäre. Unsere Autorin Verena Väth hat sich am Parcours umgesehen.

 Beim Boxenstopp (hier bei Team Rosberg) hat jedes Teammitglied seinen festen Platz.
Beim Boxenstopp (hier bei Team Rosberg) hat jedes Teammitglied seinen festen Platz.
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Das DTM-Rennen in Nürnberg gilt als DAS Highlight im Rennkalender – auch für die Vier Ringe. Nur 80 Kilometer von Ingolstadt und 140 Kilometer von Neckarsulm entfernt, gilt es als Heimrennen. Da ist klar: Audi will endlich wieder einen Sieg einfahren.

Es ist Samstagmorgen, die Trainingsrunden laufen. Der Lärm in den Boxen ist ohrenbetäubend. Das eigene Wort ist kaum zu verstehen und der Hals kratzt bereits nach 15 Minuten. Die DTM-Boliden heizen nur wenige Meter weiter vorn über die Strecke. Die Formel 3 klingt im Vergleich nur wie ein Mückenschwarm, hier sind aggressive Hornissen unterwegs.

Es regnet den ganzen Vormittag. Die Rennautos wühlen Gischt hinter sich auf und rutschen um die engen Kurven. Bei Regen ist der Norisring besonders herausfordernd. Am Streckenrand gibt es nämlich kein Kiesbett, sondern Mauern. Ein Fahrfehler kann hier entscheidend sein. Nicht selten fliegt hier ein Spiegel vom Auto.

Karl Jennings bespricht mit Nico Müller seinen Testlauf

Karl Jennings bespricht mit Nico Müller seinen Testlauf.

 

Für solche Fälle ist Daniel Lenz von Audi Sport vor Ort. Er ist in der Kunststoffwerkstatt am Standort Neuburg vor allem in die Vorentwicklung involviert und übernimmt an der Strecke Reparaturen und Anpassungen. Der 27-Jährige ist nicht von Haus aus eingefleischter DTM-Fan: „Die richtige Begeisterung für den Motorsport kam eigentlich erst mit dem Job hier. Aber mittlerweile kann ich sagen: Es gibt nichts Vergleichbares.“

Das Audi Sport Team Phoenix bereitet sich derweil auf einen Boxenstopp vor. Im Hintergrund dabei: Sven Lohse. Er ist für die Logistik verantwortlich und begleitet das Team mit seinem Lkw zu jedem Rennen. „Ich habe zu Hause immer eine gepackte Tasche stehen, falls ein Anruf kommt und ich gebracht werde“, sagt der 41-Jährige. An der Strecke ist er außerdem für die Reifen verantwortlich. Er bringt sie auf Temperatur, checkt den Luftdruck und sorgt dafür, dass immer die richtigen parat stehen. Das ist auch nötig: Nach dem Einsatz sind die Reifen so heiß, dass das Wasser von der nassen Strecke auf ihnen verdampft.

Audi-Mitarbeiter Rudolf Hiemer (hinten) mit seinem Schwiegersohn Harald, Sohn Matthias und den Enkeln Matthias und Raphael

Audi-Mitarbeiter Rudolf Hiemer (hinten) mit seinem Schwiegersohn Harald, Sohn Matthias und den Enkeln Matthias und Raphael

 

Nebenan verfolgt Karl Jennings beim Audi Sport  Team Rosberg die Testrunden im Kommandostand direkt an der Strecke. Der 50-Jährige ist Nico Müllers Fahrzeugingenieur und immer mit dem Fahrer in Kontakt. Gibt es Probleme, gibt Jennings Hinweise an die Mechaniker, wie das Auto einzustellen ist. Die Testrunden sind für die Teams die einzige Möglichkeit, die Autos auf die Streckenbedingungen anzupassen. Jennings verfolgt den Motorsport von Kindesbeinen an: „Mein Onkel war Rennfahrer. In seinem Team hatte ich meinen ersten Job. Als Fahrzeugreiniger.“ Der Ehrgeiz, immer besser zu werden, hat ihn bis zum Fahrzeugingenieur gebracht.

Auch Ramona Zappe konnte sich schon in jungen Jahren für den Motorsport begeistern: „Ich bin in Kempten geboren, da kommt man an Familie Abt nicht vorbei“, erläutert die 27-Jährige. Sie hat bei Abt ihre Ausbildung gemacht und koordiniert mittlerweile die Taxifahrten über die Rennstrecken. Ihr absoluter Höhepunkt war, als sie letztes Jahr auf dem Hockenheimring selbst auf dem Beifahrersitz Platz nahm: „Ich war so aufgeregt, dass ich den Rennanzug nicht alleine zu bekam.“

Auf der Tribüne ist an diesem verregneten Vormittag noch nicht viel los. Nur einige hart Gesottene drängen sich unter ihren Regenschirmen und verfolgen das Training. Kurze Zeit danach stärken sich Rudolf Hiemer und seine Familie im Audi-Mitarbeiterzelt für das Qualifying am Nachmittag. Der 50-Jährige arbeitet im Karosserie-Rohbau und fährt seit rund neun Jahren mit seinem Sohn, Schwiegersohn und seinen zwei Enkeln zu DTM-Rennen. Raphael wird heute elf und hat sich riesig über sein Geburtstagsgeschenk gefreut: das Ticket für den Norisring. Mit seinem Bruder ergattert er heute die letzte Unterschrift auf der Familien-Fan-Mütze: die von Jamie Green fehlte noch. Wem sie heute die Daumen drücken? „Ekström, Green, Müller, …“ Sie zählen alle Audi-Fahrer auf. Eingefleischte Fans eben.

Auf der Facebook-Seite von Audi Sport gibt’s weitere Einblicke hinter die Kulissen und alle News zum Renngeschehen.

Daniel Lenz: „Der rechte Außenspielgel ist das Paradebeispiel für Autoschäden am Norisring.“
Herr der Reifen: Sven Lohse
Ramona Zappe organisiert Taxifahrten für das Abt-Team und macht damit zahlreiche Fans glücklich

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