Plagiaten auf der Spur II: Gefälschte Bremsbeläge

Gefälschte Autoteile erkennen: Das sollten Verbraucher wissen

Im zweiten Teil der Blogserie bekommen Sie von Audi-Markenschützer Serhyi Jewtymowycz und seiner Kollegin, der Syndikusrechtsanwältin Theresa Bartoszek, spannende Einblicke in die Welt der Plagiate. Im Interview erklären sie, was Verbraucher beachten sollten und wie gefährlich gefälschte Autoteile im Ernstfall sein können.

Oft sind es Rechtschreibfehler auf der Verpackung, die eine Fälschung enttarnen.

Wie erkenne ich als Verbraucher ein gefälschtes Autoteil?

Serhyi: Ein Plagiat sofort zu erkennen, ist meist sehr schwierig. Viele Webseiten der Händler wirken auf den ersten Blick so professionell und seriös, dass dadurch ein großes Vertrauen beim potenziellen Käufer erweckt wird. Deshalb muss man immer ganz genau hinschauen und auf Auffälligkeiten achten. Das gilt zum Beispiel für den Preis. Erscheint das Angebot sehr günstig, ist Vorsicht geboten. Wenn Sie das Ersatzteil vor sich haben, können Sie sich die Verpackung und Bedienungsanleitung ansehen. Manchmal tauchen hier schon erste Unstimmigkeiten auf.

Welche Unstimmigkeiten können das zum Beispiel sein?

Serhyi: Oft sind es wirklich Druckfehler. Zum Beispiel im Namen: Da steht dann „Volkswagen Groupe“ anstelle von „Volkswagen Group“ oder die deutsche Sprachversion enthält Rechtschreibfehler. Solch offensichtliche Sachen, die allerdings immer seltener vorkommen, machen mir natürlich das Leben leichter.

Wie gefährlich können gefälschte Ersatzteile denn für mein Auto sein?

Serhyi: Sehr gefährlich. Ein gutes Beispiel dafür sind gefälschte Bremsbeläge. Einschlägige Tests beweisen, dass diese sich bei einer Vollbremsung entzünden können. Im schlimmsten Fall könnte dann das Auto in Brand geraten. Unsere originalen Audi Bauteile werden hingegen nach einem Lastenheft gefertigt, sie erfüllen höchste Sicherheitsstandards und wir übernehmen die Garantie dafür. Jeder, der seine Teile nicht im Fachhandel kauft, trägt ein gewisses Risiko, auf eine Fälschung hereingefallen zu sein und muss mit den damit verbundenen Konsequenzen rechnen. Da geht es manchmal nur um ein paar Euro, die man sich mit einem gefälschten Ersatzteil spart. Bei einem Unfall zahlt man das aber unter Umständen „tausendfach“ zurück.

Audi Markenschützer Serhyi erklärt Audi Blog-Autor Andreas Wittke, auf welche Kleinigkeiten Verbraucher bei Ersatzteilen achten sollten.

Sind die Plagiate wirklich deutlich schlechter als das Original?

Serhyi: In der Regel schon. Sie sind häufig unter wenig ausgereiften Bedingungen produziert worden. Es fehlen zum Teil ganze Produktionsschritte oder es wird eine andere Materialgüte verwendet. Demzufolge variiert die Qualität stark: Von “grottenschlecht” bis “die Fälschung erkenne ich erst auf den zweiten Blick” ist alles dabei.

Aber werden die Fälscher immer besser in ihrem Tun?

Serhyi: Die Produktionsqualität hat sich deutlich verbessert. Ich merke, dass die Fälscher in diese Produkte investieren und bessere Maschinen kaufen. Die Zyklen werden außerdem immer kürzer: Wenn Audi ein neues Fahrzeug auf den Markt bringt, dauert es manchmal weniger als ein halbes Jahr, bis gefälschte Teile im Umlauf sind.

Theresa Bartoszek ist Syndikusrechtsanwältin im Team der Audi-Markenschützer und kennt sich mit geltenden Vorschriften und Gesetzen aus.

Mache ich mich denn als privater Käufer strafbar, wenn ich ein Plagiat kaufe?

Theresa: Nein, grundsätzlich nicht. Es besteht allerdings das Risiko, dass das Bauteil im Zollverfahren als Fälschung erkannt und vernichtet wird. Wenn ein Plagiat hingegen im geschäftlichen Verkehr beworben oder weiterverkauft wird, ist das unter Umständen strafbar. Der Vertrieb markenverletzender Produkte wird manchmal in der Öffentlichkeit als Kavaliersdelikt gesehen. Aber es drohen Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren.

An wen wende ich mich, wenn ich mir beim Kauf eines Ersatzteils nicht sicher bin?

Theresa: An den Audi Kundenservice. Dieser leitet dann die Angelegenheit an uns weiter. Wir bekommen in der Tat sehr oft Hinweise von privaten oder gewerblichen Käufern, die im Internet auf vermeintliche Fälschungen aufmerksam geworden sind. Wir prüfen diese Seiten, verifizieren die Fälschung und leiten dann die entsprechenden Maßnahmen ein.

Welche Autoteile werden am häufigsten gefälscht?

Auch beliebt bei den Fälscherbetrieben: Lifestyleprodukte wie Schlüsselanhänger.

Serhyi: In allen Bereichen, in denen man Geld verdienen kann, gibt es Fälschungen. Insgesamt haben wir bei Audi mehr als 200.000 verschiedene Ersatzteile. Sehr viele davon werden nachgebaut. Das sind zum einen servicerelevante Bauteile wie Ölfilter oder Luftfilter und zum anderen die sicherheitsrelevanten Teile wie Bremsbeläge, Traglenker oder Auspuffanlagen. Diese verschleißen mit der Zeit und müssen irgendwann ersetzt werden.

Auch die crashrelevanten Bauteile wie Stoßfänger, Kühlergrill oder Karosserieanbauteile werden gefälscht. Überdies sind ein nicht zu unterschätzender Anteil der Plagiate Accessoires und Lifestyleprodukte wie Schlüsselanhänger.

In welchen Ländern werden gefälschte Ersatzteile produziert?

Serhyi: Die Hauptproduktionsstätten liegen in Asien. Nach unseren Erkenntnissen werden etwa 90 Prozent aller Bauteile in China produziert und von dort weltweit vertrieben. Da gilt das Motto: Wir beliefern jeden, der was braucht. In China sind derzeit erste Entwicklungen weg von der Billigproduktion hin zur Hightech-Herstellung zu erkennen. Daher könnten es in Zukunft eher die Anrainerstaaten von China sein, die einfach bzw. günstig produzieren.

Asien gilt als Hauptproduktionsstätte für Fälschungen.

Woher haben die Fälscher ihr Fachwissen beim Nachbau der Auto-Ersatzteile?

Serhyi: Die Fälscherbetriebe beobachten den Markt genauso wie wir. Sie beschaffen sich ein Original und schauen, wie sie es modifizieren und günstig nachbauen können. Das Teilegeschäft ist ein Milliardengeschäft. Der Hauptantrieb der Fälscher ist es, ein Stück von diesem Kuchen abzubekommen und damit möglichst schnell viel Geld zu verdienen.

Hat sich die Anzahl der Käufe von Plagiaten in den vergangenen Jahren erhöht?

Serhyi: Ja. Es ist zu beobachten, dass sehr viele Käufe – auch von Privatpersonen – über das Internet getätigt werden. Die Hürde ist dort deutlich geringer, als wenn ich in einen Laden gehen muss. Und die günstigen Preise ziehen natürlich immer.

In der nächsten Folge der Blogserie „Plagiaten auf der Spur“ erfahren Sie, wie Serhyi und sein Team Fälscherbetriebe aufspüren und wie sie sich auf eine Razzia vorbereiten.

Aufklärung rund um Markenfälschungen

Die Anonymität des Internets ermöglicht Händlern von Fälschungen verschiedene Vertriebswege. Über Plattformen verkaufen sie Plagiate, die fatale Folgen nach sich ziehen können, direkt an Privatpersonen. Ein erstes Indiz dafür ist ein vergleichsweise sehr günstiger Preis.

Im Archiv lagern kistenweise beschlagnahmte Fälschungen von Razzien.

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Die Awareness Kampagne des IPO (Intellectual Property Office) klärt unter dem Hashtag #buyreal Verbraucher über die Gefahren von gefälschten Autoteilen auf.

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Serhyi sieht bei Plagiats-Kontrollen sehr genau hin – auch in Bedienungsanleitungen kann es Unstimmigkeiten geben.

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