Aus unserem Archiv:

Handgemacht

Nach nur 18 Monaten Bauzeit sind die Audi Böllinger Höfe fertig und wurden am Freitag offiziell eingeweiht. Beinahe in Rekordzeit sind am Stadtrand Heilbronns ein hochmodernes Logistikzentrum und die R8-Fertigung entstanden.

 Vertreter von Unternehmen und Stadt eröffneten am Freitag den neuen Standort Audi Böllinger Höfe
Vertreter von Unternehmen und Stadt eröffneten am Freitag den neuen Standort Audi Böllinger Höfe
Werte der auf dieser Seite beworbenen Fahrzeuge:

Keine Angaben

Ende August fährt der erste Audi R8 in den Böllinger Höfen vom Band. Ein Sonnenstrahl blitzt durch die Glasfassade der neuen Produktionshalle und reflektiert auf dem brillantroten Sportwagen. Durch die Fensterfront fällt der Blick ins Grüne. 23 Hektar groß ist die neue Betriebsstätte von Audi im Industriegebiet Heilbronn. „Mit den Audi Böllinger Höfen sichert das Unternehmen die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Neckarsulm“, sagt Produktionsvorstand Hubert Waltl.

Die vier Ringe prangen auf dem minimalistisch designten Gebäude. Der erste Audi R8 aus den Böllinger Höfen wird verladen, der Transport zu seinem Besitzer beginnt. „Für das Team war es ein emotionaler Moment, als die Produktion des ersten Audi R8 abgeschlossen war und der Sportwagen die Böllinger Höfe verlassen hat. In solchen Momenten weiß man, dass sich die Anstrengungen der letzten Wochen und Monate gelohnt haben“, so Heinz Hollerweger, Geschäftsführer der quattro GmbH.

Audi Böllinger Höfe

Das gesamte Gelände der Audi Böllinger Höfe am Stadtrand Heilbronns ist 23 Hektar groß

Sieben Wochen später wird die neue Betriebsstätte von Audi offiziell eingeweiht. Für die Mitarbeiter ist mittlerweile Alltag eingekehrt. Zehn Autos fertigen sie am Tag in aufwändiger Manufaktur. Deshalb ist die Taktzeit auch sehr viel länger als bei Volumenmodellen. 41,5 Minuten benötigen die Mitarbeiter für einen Takt, im Karosseriebau des Audi A8 beträgt die Taktzeit lediglich fünf Minuten.

Die Audi Böllinger Höfe stehen für Kleinserienmanufaktur. Vor dem Umzug waren die Produktionsbereiche an fünf Standorten im Werk Neckarsulm und im Großraum Heilbronn verstreut. Nun sei die Verzahnung zwischen Vorserien- und Serienfertigung sowie Qualitätssicherung noch enger, sagt Hollerweger. „Die Entscheidungswege sind kürzer und die Zusammenarbeit zwischen den Bereichen ist stärker geworden. Das macht uns effizienter und kreativer.“

Das war ein Grund für den Bau der Böllinger Höfe. Doch das alleine war es nicht: Durch die Zusammenlegung von fünf Logistiklagern und die Zentralisierung in den Böllinger Höfen entlastet Audi die regionale Verkehrsinfrastruktur in Heilbronn und Neckarsulm. Das Werk wächst stetig, der Platz jedoch wird knapp: Die Größe des komplexesten Werks in Europa ist auf rund eine Million Quadratmeter begrenzt. Hinzu kommt eine steigende Modellvielfalt und eine immer komplexer werdende Fertigung: Im Jahr 2000 fuhren drei Modellreihen in Neckarsulm vom Band, 2014 sind es bereits sechs Modellreihen und 20 Derivate.

Audi Böllinger Höfe

Die Hebebühne in der R8-Montage kann je nach Größe und Bedarf in der Höhe verstellt werden und um 90 Grad geneigt werden

„Je größer die Modellvielfalt wird, desto flexibler muss Audi auch in der Produktion werden. Dafür brauchen wir einen modularen Produktionsbaukasten“, sagt Produktionsvorstand Waltl. Um dieses Ziel zu realisieren, sind in der neuen R8-Produktion beispielsweise fahrerlose Transportsysteme im Einsatz: Sie transportieren die Karosse autonom, wissen, wann sie zum nächsten Fertigungsabschnitt fahren sollen. Bänder und feste Deckenkonstruktionen sind passé, die Transportsysteme für quasi jedes Modell einsetzbar. Soll ein neues Modell integriert werden, lassen sich die einzelnen Module leicht und schnell umbauen.

Neue Wege geht auch die Logistik: Ein internes Transportleitsystem berechnet für die Mitarbeiter auf einer Fläche von sechs Fußballfeldern den effizientesten Weg und zeigt diesen auf einem kleinen Bildschirm, der am Stapler befestigt ist, an. Wird am Band im Werk Neckarsulm ein Produktionsteil benötigt, holt der Mitarbeiter es von einem der 22.500 Lagerplätze ab. Dieser wird dann mit den Shuttle-Lkw ins Werk gebracht und steht dort termingerecht an einem der 3.400 Verbauorte für die Fertigungsmannschaft bereit.

 

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Nils Thiele

23. October 2014 um 7:32
Für Mitarbeiter eine deutliche Erleichterung endlich mit dem Bau fertig zu sein, auch wenn es gar nicht so lange gedauert aht. 18 Monate sind sogar eine super Zeit!

Stapler Damien

3. November 2014 um 10:04
Gerade das Transportleitsystem finde ich sehr interessant, jedoch frage ich mich, wieso erst jetzt. Stapler Arbeiten sind so bis zu 70% zu beschleunigen und das nicht nur bei Gabelstapler allgemein, sondern insbesondere bei Sonderbauweisen wie Seitenstapler oder Deichselstapler. Ich bin der Überzeugung, das selbst kleinere Unternehmen schon seit langer Zeit auf solche Leitsysteme setzen.