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Härtetest in der Staubbox

Ob monsunartiger Regen oder sandige Wüstenpisten, ein Motor der Marke mit den Vier Ringen muss immer und überall perfekt funktionieren. In einer speziellen Staubbox testen ihn die Experten am Audi-Standort Győr unter widrigsten Bedingungen.

 Fernsteuerung: Getrennt durch eine dicke Glasscheibe nehmen die Experten die Staubbox in Betrieb.
Fernsteuerung: Getrennt durch eine dicke Glasscheibe nehmen die Experten die Staubbox in Betrieb.
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Hinter der dicken Glasscheibe des Motorenprüfstands am Audi-Standort Győr geht es ungemütlich zu. Wassertropfen prasseln auf den V6 TDI Motor, gleichzeitig wird in Abständen feiner Staub aus zwei Rohren auf das Aggregat geblasen. Drei Wochen lang. 24 Stunden am Tag. Durch die Kombination aus Wasser, Staub und Wärme bildet sich nach und nach eine betonartige Masse, die sich am Motor festsetzt.

„Stellen Sie sich vor, Sie fahren während der Monsunzeit 60.000 Kilometer über sandige und verschmutzte Straßen. Was dabei mit dem Motor passiert, das können wir hier in unserer Staubbox nachvollziehen“, erklärt Peter Hajnal, Leiter Mechanik Dieselmotoren bei Audi Hungaria.

Während staubige Pisten und monsunartige Regenfälle in Europa eher selten vorkommen, stellen sie in vielen Teilen der Erde die Motoren der Marke mit den Vier Ringen vor besondere Herausforderungen. „Wir verkaufen unsere Automobile immer mehr in Länder, in denen komplett andere klimatische Umweltbedingungen und Straßenverhältnisse herrschen als bei uns in Europa“, erläutert Norbert Becker. Der Leiter der Dieselmotoren-Entwicklung in Győr klärt auf: „Mit der Staubbox reduzieren wir teure Fahrzeugdauerläufe vor Ort. Wir holen uns sozusagen die staubigen Straßen vom anderen Ende der Welt ins eigene Haus“, sagt er und lacht.

Feine Sache: Aus allen Ecken der Welt haben die Experten Prüfstaub vorrätig.

Dazu können die Experten in Ungarn auf eine einzigartige Datenbank zurückgreifen. Aus den entlegensten Winkeln der Erde haben sie Stäube vorrätig. Fein säuberlich sortiert stehen die schmutzigen Schätze neben der Staubbox. Becker greift nach einem der luftdichten Behälter und schüttet den Inhalt auf ein Tuch. Im Licht schimmert und glänzt es. „Typisch für Lateinamerika oder Indien. Durch die vielen Mienen im Land befinden sich winzige Metallteile wie Erze oder Oxide im Staub. Das wirkt wie Schleifpapier auf den Motor“, erklärt Becker. „Der Verschleiß macht sich dann vor allem am Riementrieb bemerkbar. Irgendwann wird der Keilriemen nicht mehr richtig bewegt und dann könnte das Auto stehenbleiben“, erläutert er die Wirkung der feinen Staubkörner.

Mit seinem Team aus Ingenieuren sorgt Becker dafür, dass es gar nicht erst dazu kommt. Gemeinsam erproben sie die Motoren unter widrigsten Bedingungen. Während der mehrwöchigen Testfahrten in der Staubbox wird der Motor genauestens beobachtet. Jeden Tag kontrollieren die Experten, welche Teile Auffälligkeiten zeigen und prüfen mittels Akustikmessung, ob sich die Geräuschentwicklung des Aggregats verändert. „Am Schluss zerlegen wir den Motor und vermessen jedes noch so kleine Bauteil. Dann wissen wir, wo noch optimiert werden muss“, fasst Hajnal zusammen.

Am laufenden Band: Pro Jahr werden in Ungarn knapp zwei Millionen Motoren hergestellt.

Für Oliver Hoffmann, Leiter der Motoren-Entwicklung in Győr, ist die Staubbox ein wichtiger Bestandteil zur beständigen Verbesserung der Motoren: „Wir können extreme Bedingungen auf dem Prüfstand im Zeitraffer darstellen und sofort Maßnahmen zur Steigerung der Robustheit der eingesetzten Materialien einfließen lassen,“ erläutert Hoffmann die Vorteile des aufwändigen Prüfverfahrens.

Und so wird der V6 TDI noch weitere zehn Tage Wasser und Staub ausgesetzt sein. Denn das Ziel der Experten ist klar definiert. „Wir wollen, dass sich unsere Kunden immer auf die gewohnte Audi-Qualität verlassen können. Ganz egal, wo auf der Welt sie unterwegs sind“, so Oliver Hoffmann.

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