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Im Kreuzverhör mit echten Kerlen

Udo Wachtveitl ist Fernsehkommissar, Josef Wilfling ehemaliger Leiter der Münchner Mordkommission. Im Audi.torium in Ingolstadt gingen die beiden am Montagabend der Frage nach, worin sich Fiktion und Realität unterscheiden.

 Udo Wachtveitl spricht über seine Rolle als Fernsehkommissar
Udo Wachtveitl spricht über seine Rolle als Fernsehkommissar
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Ob im Fernsehen, im Theater, im Kino oder im Roman – das Grauen fasziniert die Menschen. Dieses Phänomen scheint auch für das Audi.torium im Audi Forum in Ingolstadt zu gelten. Es ist Montagabend und der Raum bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Grund: „Tatort“-Kommissar Udo Wachtveitl und der pensionierte Ermittler Josef Wilfling stellen sich zwei Stunden lang den Fragen von Moderator Stephan Öri.

Dabei ist Wachtveitl in Wirklichkeit gar kein Kommissar, sondern einer der beliebtesten Ermittler von Deutschlands wohl bekanntester Krimiserie: Seit 1991 ist er für die ARD-Reihe im Einsatz. Josef Wilfling hingegen hat fast zwanzig Jahre lang im realen Leben dort gearbeitet, wo der bayerische „Tatort“-Ermittler Wachtveitl nur vor der Kamera steht: Er leitete die Münchner Mordkommission.

Audi.torium

Moderator Stephan Öri im Gespräch mit Josef Wilfling und Udo Wachtveitl

In lockerer Runde erzählt Wachtveitl, dass seine Rolle als Franz Leitmayr auch nach mehr als zwei Jahrzehnten als bayerischer „Tatort“-Ermittler noch nicht zu seinem Alter Ego geworden sei. Er schleiche nachts nicht um die Häuser, um zu schauen, ob es noch irgendwo eine Leiche gebe. Wohl aber schätze er die Aufklärungsrate bei seinen Fällen, denn diese liege schließlich bei hundert Prozent: „Da sind wir unseren Kollegen einen Schritt voraus.“

Eine Verquickung von Fiktion und Realität gibt es allerdings schon: Bei den Dreharbeiten zum „Tatort“ steht Wachtveitl ständig im Kontakt mit realen Polizisten, die manchmal auch als Statisten auftreten. Und auch privat beschäftigt sich der Münchner mit Kriminologie. Die Faszination für Mord und Totschlag erklärt er sich so: Die Menschen nutzten das Grauen, um die Grenzen der Gesellschaft stets neu zu definieren.

Eine Sichtweise, die auch Josef Wilfling unterstützt. Nach Ansicht des echten Mordkommissars hält der „Tatort“ den Menschen einen Spiegel vor: „Er zeigt ihnen die Abgründe der menschlichen Seele und das fasziniert sie“, erklärt er. Auch Wilfling ist von dieser Faszination nicht verschont geblieben. Nicht umsonst hat er über vierzig Jahre im Dienst der Gerechtigkeit gearbeitet und für die Münchner Polizei unheimliche, teils verabscheuungswürdige, teils mitleiderregende Fälle gelöst.

Audi.torium

Das Audi Forum in Ingolstadt war bis auf den letzten Platz ausgebucht

Mittlerweile ist Wilfling pensioniert. Seine Erfahrungen und Erlebnisse teilt er nun als Autor von Büchern. Der Zweck seines Schreibens sei aber nicht therapeutischer Natur. Für ihn gehe es mehr darum, Gelerntes zu teilen und zu zeigen, wie facettenreich die menschliche Psyche ist. „Als Ermittler in einem Mordfall hat man einen Auftrag, den man erfüllen muss und eine Bringschuld gegenüber den Angehörigen“, erläutert Wilfling. „Es sind immer eine Menge Emotionen im Spiel und deshalb ist es wichtig, sich den Dingen zu stellen. Benötigt man dazu professionelle Hilfe, sollte man die auch in Anspruch nehmen.“

Es ist keine schöne Realität, die Wilfling beschreibt. Doch der pensionierte Kommissar hat seinen Sinn für Humor nicht verloren: Die Krimis seien stets so kompliziert und raffiniert, dass er noch nie vorher gewusst habe, wer der Täter sei, erzählt der Münchner. Seine Frau hingegen sei immer auf der richtigen Spur. „Dabei bin ich der Polizist von uns beiden“, schließt er mit einem Lachen. Und im Laufe des Abends zeigt sich, dass Fiktion und Wirklichkeit oft recht nah beieinander liegen.

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Julika

21. December 2012 um 14:39
Das ganze Interview zu lesen, wäre interessant.

Britta Meyer

21. December 2012 um 14:59
Hallo Julika, unsere beiden Gäste haben während der Veranstaltung aus ihrem Berufsleben erzählt. Es gibt also leider kein Interview, das man nachlesen könnte.