Daten-Werkstatt

Intelligente Logistik-App aus dem TechHub

In Zeiten von Smart-Factory und Industrie 4.0 sind Daten-Experten gefragter denn je. Im TechHub Heilbronn arbeiten elf Audi-Mitarbeiter an Lösungen zur Data Driven Production. Wie hier eine App entsteht, hat sich Blog-Autorin Lisa Niermann angeschaut.

TechHub Heilbronn beim Brainstorming
TechHub heißt übersetzt „Technologie-Knoten“: In Heilbronn steht es für die Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche in einem Team.

Ein kalter Dezembermorgen am Audi Standort Neckarsulm. Vier Mitarbeiter aus der operativen Logistik überprüfen Behälter, in denen sie Bauteile für die Montage des Audi A8 sammeln. Gerade beim Anlauf eines neuen Modells sind nicht alle Behälter optimal mit Teilen ausgelastet. Die Mitarbeiter gleichen daher von Hand Daten aus verschiedenen Programmen ab, um die Auslastung der Behälter zu optimieren. Konkret bedeutet das: Falsch eingestellte Behältertypen austauschen und Bauteile zusätzlich neu verpacken. Da kommt ihnen eine Idee: Warum nicht alle notwendigen Daten zusammenführen und die Verpackungsoptimierung automatisieren?

Verena Lechner und ihre Kollegen warten nicht lange und gehen mit dieser Idee zum TechHub in Heilbronn zu. Seit Juni 2017 arbeiten dort Audi Mitarbeiter mithilfe agiler Methoden an verschiedenen Projekten – ähnlich wie in der Audi Denkwerkstatt. Dabei konzentriert sich der TechHub auf Data Driven Production, also Produktionsentscheidungen, die auf der systematischen Analyse großer Datenmengen basieren. Und so beginnt für die Neckarsulmer Logistiker das Zukunftsprojekt „Verpackungsoptimierung“.

Der TechHub – ein Büro für Daten-Experten

Oliver Jetter, Kerstin Klotzbücher und Dirk Höfle vom TechHub gehen das Thema an: Gemeinsam mit den vier Kollegen aus der Logistik entwickeln sie einen Projektplan. Teamwork ist das erste Credo des TechHubs: „Mit unserem Know-How und unseren Methoden lassen wir zusammen mit den Ideen der Fachabteilungen etwas Großes entstehen. Gute Lösungen können wir nur mit den Menschen entwickeln, die damit arbeiten“, sagt Jetter. Als Daten-Experte für Produktionsthemen betreut er gemeinsam mit Kerstin Klotzbücher, IT-Projektleiterin, und Dirk Höfle, Experte für Datenbanken, die Idee aus der Logistik.

TechHub Teilnehmer Oliver Jetter am Whiteboard

Ideen rund um Big-Data in der Audi Produktion sind im TechHub richtig: Hat die Idee Potential, setzen Oliver Jetter und sein Team aus dem TechHub sie gemeinsam mit dem Fachbereich um – vom Prototypen bis zur Serienreife.

In einem postzeichenfreien Projekthaus begleiten die elf Audi Mitarbeiter Projekte rund um Big Data und Smart Factory – von der Entstehung der Daten über deren Analyse bis hin zu konkreten Lösungen in der Produktion.

Das kann zum Beispiel eine neue Software sein, die Daten aus verschiedenen Bereichen auswertet oder eine App, die Verpackungen optimiert – wie im Fall von Lechner und ihrem Team. Abteilungsgrenzen kennt der Tech Hub dabei nicht: Mitarbeiter aus der Produktion, Qualitätssicherung und IT sitzen hier gemeinsam an Projekten. Das Team um Oliver Jetter hat schnell gemerkt: „Die größten Datenschätze liegen meist nicht in einer Abteilung, sondern dort, wo Daten aus mehreren Fachbereichen zusammengeführt werden.“ Im Prinzip arbeiten die elf Daten-Experten immer dort, wo der größte Datenschatz zu heben ist. Und jeder – egal von welchem Audi Standort– kann hier Ideen einbringen. Eine echte Win-Win-Situation: Die Fachbereiche profitieren von der Expertise des TechHub – und der TechHub profitiert gleichzeitig von der Erfahrung des Fachbereichs.

Verena Lechner, Oliver Jetter, Claudia Falese, Alexander Leiweber und Tamara Seiffer im TechHub
Im TechHub kann jeder kreativ werden: Verena Lechner (von rechts), Oliver Jetter, Claudia Falese, Alexander Leiweber und Tamara Seiffer.

Für Lechners Team aus der Logistik hieß das konkret: kreatives Brainstormen, gemeinsam Lösungen erarbeiten, Prototypen erstellen und testen. Dafür arbeiteten sie mit agilen Methoden wie dem Design-Thinking, bei dem eine Idee in mehreren Phasen weiterentwickelt wird.

Eine App für die Logistik

Flache Hierarchien, agile Arbeitsweisen, IT-basierte Projektsteuerung – im TechHub arbeitet man wie ein Start-up und bringt damit neue Arbeitsweisen in das Unternehmen. So wie jetzt das Pilotprojekt der intelligenten Logistik-App.

Aufnahme Tablet App für Verpackungsoptimierung

Mit der Methodik vom TechHub und dem Fachwissen des Logistik-Teams ist eine neuartige App für die Verpackungsoptimierung entstanden.

Sechs Wochen haben Jetter und seine vier Kollegen aus der Logistik an der App gearbeitet, nun können sie ihr Programm in der Praxis testen. Mitten in der A8-Montage nimmt Verena Lechner das Tablet und steuert auf ein Regal mit mehreren Behältern zu. Hier warten Bauteile wie Abdeckungen, Metallclips und Lautsprecher darauf, im neuen A8 verbaut zu werden. Gerade beginnt die Frühschicht und es herrscht reges Treiben um den Bandabschnitt, aber Lechner und ihre Kollegen sind vertieft in die App.

Verena Lechner nutzt Logistik-App
Dank der App werden die notwendigen Informationen aus den unterschiedlichen Systemen zusammengebracht. Verena Lechner sieht dann Vorschläge zur Optimierung.

Lechner scannt den Barcode eines Behälters, wenige Klicks später zeigt ihr die App anhand des Standorts an, wie der Behälter optimiert werden kann.

Dazu zeigt der Screen alle vom System ausgerechneten Daten an: Teile- und Behälternummer, Stückzahl, Verbauort des Bauteils – und vor allem das Optimierungspotential. Lechner und ihre Kollegen sehen mit diesen Angaben, ob an diesem Bandabschnitt größere Behälter mit Abdeckungen stehen sollten und dafür kleinere Behälter mit den Lautsprechern. Aber auch die Fahrzeugplanung ist im Optimierungsvorschlag enthalten: Wenn in den kommenden Wochen viele Fahrzeuge für den chinesischen Markt produziert werden, verändert sich die Menge der benötigten Bauteile.

Deshalb sollten die Verpackungen rechtzeitig optimiert werden. Die notwendigen Daten, die bisher über verschiedene Systeme gelaufen sind, werden nun von der App zusammengeführt. Lechner und ihre Kollegen sind sich einig: „Die neue App zeigt uns rechtzeitig und auf einen Blick, wie wir die Mengen der entsprechend Behälter am Band optimal planen können.“

Tamara Seiffert, Claudia Falese und Alexander Leiweber scannen Barcode der Behälter

Tamara Seiffert, Claudia Falese und Alexander Leiweber aus der Audi Logistik scannen den Barcode der Behälter.

An einem sonnigen Februartag trifft sich das ganze Projektteam nochmal im TechHub in Heilbronn. Hier wurde die Idee, die in den Produktionshallen des Audi Standorts Neckarsulm geboren wurde, konkretisiert und entwickelt. Dass ihre App jetzt als Pilotprojekt in der Produktion getestet und zur Serienreife weiterentwickelt wird, freut Verena Lechner besonders: „Dass wir die Idee so schnell in die Tat umsetzen konnten, war nur möglich, weil wir an einem Strang gezogen haben.“

Und dann geht’s auch schon an den TechHub-Kicker – man weiß ja nie, welche kreative Idee als nächstes kommt.

Team des TechHub beim Tischkickern

Ob Kicker, Dart oder Kreativraum: Der TechHub bietet Raum und Kompetenz, um Ideen umzusetzen.

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Werte der auf dieser Seite beworbenen Fahrzeuge:

Audi A8: Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 8,0 – 5,6; CO2-Emission kombiniert in g/km: 182 – 145. Angaben zu den Kraftstoffverbräuchen und CO2-Emissionen bei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz. // www.audi.de/DAT-Hinweis

 

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