Raphaela Gromes am Cello

„Es ist totale Leidenschaft.“

Die Cellistin des Audi Weihnachtskonzerts Raphaela Gromes im Interview

Proben im Flugzeug und ihre eigene Hommage an Rossini: Die 27-jährige Cellistin des diesjährigen Audi Weihnachtskonzerts Raphaela Gromes ist ein Multitalent. Im Interview mit der Audi ArtExperience, gibt sie einen Einblick in ihr Leben als leidenschaftliche Musikerin.

Raphaela Gromes posiert mit Cello
Neben ihren Auftritten als Solistin widmet sich Raphaela Gromes vor allem der Kammermusik.

Sie haben im Alter von vier Jahren mit dem Cellospiel begonnen. Wann kam der Entschluss, Profimusikerin zu werden?

Raphaela: Mit 14 auf einem Meisterkurs. Ich war die Jüngste und plötzlich habe ich gespürt, die Musik packt und berührt mich so und ich bin schon so weit, dass das einfach mein Beruf werden muss. Ab diesem Tag war ich plötzlich zum ersten Mal aufgeregt. Da wusste ich, wenn ich das jetzt mache, ist viel mehr Ernsthaftigkeit dabei. Und durch diese Ernsthaftigkeit kam auch Verantwortung, denn ich bin ja Vermittler und Medium der Idee des Komponisten, die er in seinen Noten niedergeschrieben hat. Ich muss die Musik vor Publikum so wiedergeben, wie sie gedacht war.

Und jetzt spielen Sie ein Violoncello des Geigenbauers Vuillaume aus den Jahren um 1855.

Raphaela: Ja, ich glaube tatsächlich, dass je länger dieses Holz schwingt und je mehr Menschen darauf gespielt haben, desto mehr Persönlichkeit hat so ein Instrument. Ein modernes Cello ist ein unbeschriebenes Blatt und hat unglaublich viele Möglichkeiten. Aber wenn ich jetzt dieses Vuillaume in der Hand habe, dann ist das etwas unglaublich Ehrwürdiges. Es ist so ausgewogen, ich kann alle Klangfarben darauf machen, die ich machen will. Ich bin sehr glücklich, darauf spielen zu dürfen.

Raphaela Gromes mit Julian Riem

Gemeinsam mit der Cellistin Raphaela Gromes, bildet Julian Riem ein Duo.

Wie läuft Ihr Alltag ab, wenn Sie nicht auf Tour sind?

Raphaela: Es gibt eigentlich keinen Alltag. Jeder Tag bringt irgendwelche neuen Aufgaben und Herausforderungen mit sich. Wenn ich zuhause bin, bin ich oft in der Recherche nach neuen Stücken, lese über Komponisten oder höre mir deren Werk an, um ihre Tonsprache besser zu verstehen oder kennenzulernen. Dann übe ich bis zu fünf Stunden täglich. Es dreht sich wirklich der gesamte Tag um die Musik. Wochenenden gibt es nicht. Es ist ein sehr einnehmender Beruf.

Aber doch auch Leidenschaft, oder?

Raphaela: Es ist totale Leidenschaft. Wenn ich das nicht vom ganzen Herzen lieben würde und auch das Bedürfnis hätte, mich mit der Musik auszudrücken, dann würde ich das nicht machen.

Raphaela Gromes spielt Cello

Raphaela Gromes stellt ihr leichthändiges Spiel immer wieder unter Beweis – hier bei einem Konzert für die SOS-Kinderdörfer.

Vor kurzem ist Ihre neue CD „Hommage à Rossini“ erschienen, für die Sie vorab auch viel recherchiert haben.

Raphaela: Rossini ist einer der ganz großen italienischen Opernkomponisten, Erfinder und Begründer des Belcanto, der ganz besonders gesanglichen Oper. Und das hat mir als Kind schon sehr gut gefallen und mir auch viel Freude, Hoffnung und Trost gegeben an Tagen, an denen es mir nicht so gut ging. Und daher ist diese CD nun eine Art Dankeschön an Rossini und auch der Wunsch, diese Freude an mein Publikum weiterzugeben. Die Recherche dazu und besonderes die Wiederentdeckung des als verschollen geglaubten Stücks „Hommage à Rossini“ von Jacques Offenbach hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Ich sehe es als meine Verantwortung, auch Musikgeschichte und Musiktheorie zu vermitteln.

Was steht vor dem Audi Weihnachtskonzert, das Sie am 14. Dezember gemeinsam mit dem Georgischen Kammerorchester Ingolstadt spielen werden, noch auf dem Programm?

Raphaela: Ich bin auf Ostasienreise. Wir machen Meisterkurse, spielen Konzerte und besuchen ein SOS-Kinderdorf. Die Kinder bekommen auch Karten für unser Konzert geschenkt. Und dann kommen wir zu ihnen und studieren mit ihnen Stücke ein, spielen und singen gemeinsam. Ich freue mich schon sehr, mit und für die Kinder zu spielen. Außerhalb von Konzerthäusern ist es mir immer wichtig, Menschen, die sonst keinen Zugang zur Musik haben, die Freude der Musik auch vermitteln zu können.

Georgisches Kammerorchester

Das Ensemble des Audi Weihnachtskonzertes unter der Leitung des Dirigenten Ruben Gazarian.

Können Sie dann im Flugzeug für das Weihnachtskonzert proben?

Raphaela: Ja, tatsächlich. Im Flugzeug kann ich sogar ohne Cello proben! Ich singe die Stücke innerlich durch und stelle mir gleichzeitig die Striche der rechten Hand – also der Bogenhand – vor. Ob Staccato oder Legato, Aufstrich oder Abstrich, mit welcher Bogengeschwindigkeit und welcher Dichte ich streiche, ich gehe eigentlich wirklich den Originalprozess durch. Je mehr Übung man kriegt, desto schneller kann man diesen Prozess dann später nachvollziehen. Und wenn man dann ohne Noten am Cello übt, gibt es plötzlich Routine und nicht mehr ständiges Mitdenken.

Was ist für Sie das Besondere am Spielen mit Orchester?

Raphaela: Das Faszinierende ist für mich das Miteinander im Orchester. Diese Gemeinschaft ist eine Art Flow, der sich wunderschön anfühlt. Und die Klangfarben, die mit einem Orchester möglich sind, sind besonders vielfältig.

Was darf bei einem klassischen Weihnachtskonzert nicht fehlen?

Raphaela: Eigentlich muss doch ein Bach-Weihnachtsoratorium gespielt werden. Das spielen wir jetzt gar nicht. (lacht) Wobei Haydn auch sehr weihnachtlich ist.

Kammerorchester auf Bühne
Mit klassischen Werken und bekannten Weihnachtsliedern bringen das Georgische Kammerorchester Ingolstadt und die Cellistin Raphaela Gromes das Publikum in Festtagsstimmung.

Beim zweiten Satz gibt es viele Terzenstellen, wo ich leuchtende Kugeln am Tannenbaum und Kerzen vor Augen habe. Ich denke, bei einem Weihnachtskonzert muss eine große innere Ruhe, ein Lächeln auf den Lippen und eine demütige Grundstimmung da sein. Und Freude. Dann ist schon alles gut.

Audi Weihnachtskonzert 2018

Das Audi Forum Ingolstadt verwandelt sich auch dieses Jahr wieder in einen Konzertsaal. Beim diesjährigen Konzert spielten Cellistin Raphaela Gromes und das Georgische Kammerorchester Ingolstadt.

Mit ihrer technischen Brillianz und ihrer unbändigen Musizierlust, begeistert Raphaela Gromes ihre Zuschauer beim diesjährigen Audi Weihnachtskonzert.

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Ein voller Konzertsaal zum Audi Weihnachtskonzert 2018.

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Raphaela Gromes musiziert gemeinsam mit den Kindern im SOS Kinderdorf Seekirchen.

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Audi und Salzburger Festspiele  seit 20 Jahren starke Partner
Aus dem Audi MediaCenter

Musik

Audi und die klassische Musik – das ist eine langjährige und fruchtbare Verbindung. Ob in Salzburg oder Schleswig-Holstein: Weltberühmte Festivals bauen auf eine starke Partnerschaft mit Audi. Auch als Veranstalter besitzt die Marke großes Festspiel-Know-how: das zeigen seit 1990 die Audi Sommerkonzerte. Doch die Musik spielt nicht nur auf den großen Festival-Bühnen, auch unter den Mitarbeitern wird sie unterstützt – seit 1962 existiert ein Mitarbeiterorchester, die Audi Bläserphilharmonie. Und damit sich junge Talente von heute zu den Stars von morgen entwickeln können, wurde 2007 die Audi Jugendchorakademie g...

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